Wie verbreiten sich Hantavirus-Infektionen weltweit? Experten warnen

Das Hantavirus, das in letzter Zeit wieder in den Fokus gerückt ist, wird hauptsächlich durch Nagetiere übertragen und kann beim Menschen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Experten betonen, dass kein Grund zur gesellschaftlichen Panik bestehe, weisen jedoch darauf hin, dass der wichtigste Schutz darin besteht, den Kontakt mit Nagetieren zu vermeiden.

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Die Fachärztin für Infektionskrankheiten und klinische Mikrobiologie, Prof. Dr. Meral Sönmezoğlu, äußerte sich nach den jüngsten Hantavirus-Fällen in einigen Regionen zu dem Virus. Sönmezoğlu erklärte, dass Hantaviren von Nagetieren und einigen insektenfressenden Säugetieren übertragen werden und die Hauptübertragungswege über Urin, Kot und Speichel infizierter Tiere verlaufen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist hingegen sehr begrenzt.

Es ist bekannt, dass die Hantavirus-Familie etwa 40 Arten umfasst; 22 davon können beim Menschen Krankheiten auslösen. Jede Hantavirus-Art hält ihren Kreislauf in der Natur in Verbindung mit einer bestimmten Nagetierart aufrecht. Das Virus wurde 1978 in der Umgebung des Hantaan-Flusses in Korea entdeckt und erhielt von dort seinen Namen. Tatsächlich trat die Krankheit erstmals während des Koreakrieges unter amerikanischen Soldaten auf; aufgrund der Symptome wie Fieber, Blutungen und Nierenversagen wurde sie als „Koreanisches Hämorrhagisches Fieber“ bezeichnet. Während der Kriegsjahre erkrankten Tausende Soldaten, Hunderte starben.

KLINISCHES BILD UND SYMPTOME BEI HANTAVIRUS-INFEKTIONEN

Hantaviren äußern sich je nach Virustyp und regionalen Unterschieden in zwei Hauptformen. Das auf dem amerikanischen Kontinent verbreitete Hantavirus-kardiopulmonale Syndrom (HCPS) betrifft meist das Atmungssystem und zeichnet sich durch schnell fortschreitende, schwere Krankheitsverläufe aus. Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und Kreislaufprobleme begleiten das Krankheitsbild. Das in Europa und Asien häufiger auftretende Bild ist das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), das mit Nierenversagen einhergeht. Bei diesen Patienten stehen niedriger Blutdruck, Blutungsneigung und Nierenschäden im Vordergrund. Die in der Türkei beobachteten Fälle sind meist durch eine Nierenbeteiligung charakterisiert.

Prof. Dr. Sönmezoğlu wies darauf hin, dass die in der Türkei gemeldeten Hantavirus-Fälle meist in der HFRS-Form auftreten und die Fallzahlen bei beruflicher Exposition in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Viehzucht ansteigen können. Besonders gefährdet sind Personen, die in Bereichen arbeiten, die durch Nagetiere verunreinigt sind, sowie Personen, die in geschlossenen, lange nicht gelüfteten Räumen Reinigungsarbeiten durchführen.

ÜBERTRAGUNGSWEGE UND SCHUTZMASSNAHMEN

Eine Hantavirus-Infektion entsteht meist durch das Einatmen von Viren, die durch Urin, Kot und Speichel von Nagetieren in die Umgebung gelangen. Das Betreten oder Reinigen kontaminierter Bereiche erhöht das Übertragungsrisiko. Selten kann es auch durch Nagetierbisse zu einer Übertragung kommen. Eine Übertragung zwischen Menschen ist weltweit nahezu unbekannt; lediglich für den Andes-Virustyp auf dem amerikanischen Kontinent wurden sehr seltene Fälle berichtet, die jedoch auf engen Kontakt beschränkt waren.

Die Inkubationszeit der Infektion variiert nach der Exposition zwischen 1 und 8 Wochen. Zu Beginn können grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten. In späteren Stadien der Krankheit können Lungenödeme, schwere Atemnot oder Nierenversagen beobachtet werden.

Da die Symptome der Krankheit denen vieler anderer Virusinfektionen ähneln, ist eine Diagnose manchmal schwierig. Daher sind Informationen wie der Kontakt mit Nagetieren, der Beruf und die Reisehistorie von großer Bedeutung. Zur Diagnose werden Antikörpertests oder PCR-Methoden eingesetzt, wobei die Laborarbeiten eine hohe Biosicherheit erfordern.

Für Hantavirus-Infektionen gibt es derzeit kein zugelassenes spezifisches antivirales Medikament oder einen Impfstoff. Das Behandlungsprinzip basiert vollständig auf unterstützenden Maßnahmen: Patienten mit Atemnot erhalten Atemunterstützung, der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt wird überwacht und bei Bedarf die Nierenfunktion kontrolliert. Patienten, die frühzeitig ins Krankenhaus kommen und die notwendige medizinische Versorgung erhalten, haben bessere Heilungschancen.

Weltweit werden schätzungsweise 10.000 bis 100.000 Hantavirus-Fälle pro Jahr gemeldet. Die meisten Fälle treten in China, Südkorea sowie Nord- und Mitteleuropa auf. Obwohl die Patientenzahl in Amerika geringer ist, ist der Krankheitsverlauf dort schwerer und die Sterblichkeitsrate höher. Während die Sterblichkeitsraten in Europa und Asien zwischen 1 und 15 Prozent liegen, können sie auf dem amerikanischen Kontinent bis zu 20-50 Prozent erreichen. In der Türkei schwankten die seit 2009 gemeldeten Hantavirus-Fälle zwischen 4 und 58.

Der effektivste Weg, sich vor der Krankheit zu schützen, besteht darin, den Kontakt mit Nagetieren und den Aufenthalt in infizierten Gebieten zu begrenzen. Prof. Dr. Sönmezoğlu empfahl dazu: „Lebensräume müssen sauber gehalten werden. Der Zugang für Nagetiere muss verhindert werden. Lebensmittel müssen sicher gelagert werden. Bei Reinigungsarbeiten sollte Staubentwicklung vermieden werden. Verschmutzte Bereiche sollten vor der Reinigung befeuchtet werden. Auf Handhygiene ist zu achten.“