11. Justizpaket nimmt Gestalt an: Das sind die geplanten Änderungen

Während das türkische Parlament (TBMM) mit einer vollen Agenda in das neue Legislativjahr startet, wird Präsident Erdoğan seine Fraktionssitzung diese Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Parteizentrale abhalten. Im Fokus der parlamentarischen Arbeit stehen die Präsentation der Zentralbank, das 11. Justizpaket sowie Beratungen über einen Gesetzesentwurf zur Erhöhung von Verkehrsbußgeldern.

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Die Große Nationalversammlung der Türkei (TBMM) hat offiziell das 4. Legislativjahr der 28. Legislaturperiode eröffnet. In der ersten Woche der neuen Periode hat das Parlament seine Arbeit mit einer intensiven Agenda aufgenommen, die kritische Themen sowohl im wirtschaftlichen als auch im juristischen Bereich umfasst.

Wie Besti Karalar von Ekonomim berichtet, wird der Vorsitzende der AKP und Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Fraktionssitzung seiner Partei in dieser Woche ausnahmsweise nicht im Parlamentsgebäude, sondern als nicht-öffentliche Sitzung in der AKP-Zentrale abhalten. Nach der Sitzung wird Erdoğan an einer Veranstaltung mit anschließendem Essen teilnehmen, zu der Abgeordnete sowie Mitglieder des Zentralen Entscheidungs- und Exekutivkomitees (MKYK) geladen sind. Es heißt, er werde sich dort die Ansichten und Vorschläge der Abgeordneten zum neuen Legislativjahr anhören.

PRÄSENTATION DER ZENTRALBANK WIRD AUFMERKSAMKEIT ERREGEN

Eines der bemerkenswertesten Themen der Woche wird die Präsentation des Zentralbankgouverneurs Fatih Karahan vor dem Planungs- und Haushaltsausschuss der TBMM am Dienstag, dem 7. Oktober, sein. In Karahans Präsentation werden voraussichtlich die Strategien zur Inflationsbekämpfung, der mögliche Zeitplan für den Zinssenkungszyklus sowie Bewertungen zur Wechselkursstabilität und zur Reservepolitik im Vordergrund stehen.

DAS 11. JUSTIZPAKET VOR DEM ABSCHLUSS

Auch das 11. Justizpaket, an dem die AKP-Fraktion seit langem arbeitet, befindet sich in der Endphase. Besonders die Regelungen zu „Kindern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind“, fallen in dem Paket ins Gewicht.

Gemäß der neuen Regelung soll die Obergrenze für Strafen, die anstelle einer lebenslangen Haftstrafe für Kinder zwischen 15 und 18 Jahren verhängt werden, von 24 auf 27 Jahre angehoben werden. Die Obergrenze für Freiheitsstrafen, die anstelle einer lebenslangen Haft verhängt werden, soll von 12 auf 18 Jahre erhöht werden.

Darüber hinaus enthält das Paket wichtige Änderungen zu qualifizierten Diebstahls- und Betrugsdelikten, die über IT-Systeme begangen werden, sowie zum Missbrauch von Bank- oder Kreditkarten. In diesem Rahmen ist geplant, eine Regelung einzuführen, die es dem jeweiligen Finanzinstitut ermöglicht, das Bankkonto, über das die Straftat begangen wurde, für bis zu 3 Tage zu sperren.

VERKEHRSBUSSGELDER WIEDER AUF DER AGENDA

Die Beratungen über den Gesetzesentwurf zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes, der eine Erhöhung der Verkehrsbußgelder vorsieht und im vergangenen Legislativjahr nicht mehr behandelt werden konnte, werden in dieser Woche in der Generalversammlung beginnen. Damit werden sowohl die Höhe der Bußgelder als auch die Bedingungen für deren Anwendung neu bewertet.

BEWEGUNG IM RECHNUNGSHOF UND IN DEN PARLAMENTSKOMMISSIONEN

Unterdessen wird auch der Prozess zur Wahl der Mitglieder des Rechnungshofs (Sayıştay) in dieser Woche an Fahrt gewinnen. Der Planungs- und Haushaltsausschuss der TBMM wird am 9. Oktober zu einer Sitzung zusammenkommen, um Kandidaten für die fünf vakanten Sitze in der Institution zu bestimmen.

In dieser Woche wird zudem die Kommission für nationale Solidarität, Brüderlichkeit und Demokratie, die im Rahmen der Vision einer „Türkei ohne Terror“ gegründet wurde, unter dem Vorsitz des Parlamentspräsidenten Numan Kurtulmuş ihre Anhörungen fortsetzen.

Die ersten Fraktionssitzungen des neuen Legislativjahres finden ebenfalls am Dienstag und Mittwoch statt. Es wird erwartet, dass die Oppositionsführer ihre Bewertungen zur neuen Periode von den Rednerpulten ihrer Fraktionen aus der Öffentlichkeit mitteilen werden.