Anwältin Ebru Saat bewertet die Korruption im Justizsystem durch den Bestechungsskandal: 'Ethik muss bereits an den juristischen Fakultäten gelehrt werden'

Der Brief, den der Oberstaatsanwalt von Istanbul-Anatolien, İsmail Uçar, am 6. Oktober an den HSK sandte, wurde durch einen Bericht von Timur Soykan öffentlich bekannt. Anwältin Ebru Saat bewertete die im Brief erwähnten Bestechungsvorfälle gegenüber 12punto.com.tr.

Ezgi Sivritepe

Ezgi SİVRİTEPE- 12punto.com.tr

Am 6. Oktober wurde der Brief, den der Oberstaatsanwalt von Istanbul-Anatolien, İsmail Uçar, an den HSK (Rat der Richter und Staatsanwälte) sandte, durch einen Exklusivbericht von Timur Soykan von BirGün in den Medien bekannt. Zudem wurde für den Bericht von Soykan eine Zugangssperre verhängt. Oberstaatsanwalt İsmail Uçar hatte den Bestechungsring innerhalb der Justiz in einem vierseitigen Schreiben an den HSK gemeldet. Nach diesem Brief entsandte der HSK drei Inspektoren an das Justizgebäude Istanbul-Anatolien, um die im Schreiben genannten Vorfälle zu untersuchen.

Anwältin Ebru Saat äußerte sich gegenüber 12punto.com.tr zu dem Bestechungsfall, zu dem die Untersuchungen am Justizgebäude Istanbul-Anatolien noch andauern.

"FÜHRT ZU MISSTRAUEN IN DER BEVÖLKERUNG"

Saat erklärte, dass der Bestechungsfall das Vertrauen in das Recht erschüttern werde: „Wenn in einem Land das Vertrauen in das Recht erschüttert wird, führt dies dazu, dass Menschen sich nicht mehr frei äußern können. Dies wiederum führt in allen Bereichen der Gesellschaft zu Misstrauen unter den Menschen“, sagte sie.

Saat betonte, dass bezüglich des vom Oberstaatsanwalt genannten Themas erneut ermittelt werden müsse, da dieser Brief den Charakter einer Anzeige habe: „Es ist notwendig, eine neue Untersuchung zu diesem angezeigten Vorfall einzuleiten und diese Untersuchung objektiv zu bewerten“, fügte sie hinzu.

DAS WICHTIGSTE IST, GERECHT UND FAIR ZU SEIN

Mit Blick auf die Bildung zur Lösung der Korruption im Justizsystem erklärte Saat Folgendes:

„Angefangen bei den juristischen Fakultäten müssen Rechtsethik, berufliche Prioritäten und die Anforderungen des Berufs betont und gelehrt werden. Das Recht zu kennen bedeutet nicht nur, ein guter Richter, ein guter Anwalt oder ein guter Staatsanwalt zu sein; das Wichtigste ist, gerecht und fair zu sein. Ich glaube nicht, dass die Korruption in der Justiz allein durch den Austausch von Personal behoben werden kann; um dies zu stoppen, müssen sowohl Juristen als auch Angehörige anderer Berufe auf der Grundlage ethischer Werte ausgebildet werden.“