Die offene Frage im Fall Işıl Öykü Dinç: Wer saß am Steuer?

Im Prozess um den Unfalltod der 14-jährigen Işıl Öykü Dinç in Tuzla weist die Familie auf Unstimmigkeiten in Zeugenaussagen und fehlende Kameraaufzeichnungen hin.

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Im Prozess um den Tod der 14-jährigen Işıl Öykü Dinç, die am 18. Mai in Tuzla, Istanbul, beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst wurde und verstarb, haben die Aussagen der Familie und von Zeugen eine kritische Frage erneut in den Mittelpunkt gerückt: Wer saß am Steuer des Fahrzeugs?

Nach dem Unfall wurde gegen Ömer Faruk Ballı, der angab, der Fahrer gewesen zu sein, Anklage erhoben. Ballı befindet sich auf freiem Fuß und muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten, wofür ihm bis zu 6 Jahre Haft drohen. Die Familie Dinç argumentiert jedoch, dass es Widersprüche zwischen den ihnen während des Ermittlungsverfahrens mitgeteilten Informationen und den Darstellungen in der Prozessakte gibt.

FAMILIE UND ZEUGEN ERHEBEN DEN GLEICHEN VORWURF

Işıls Vater, Yunus Dinç, erklärte, dass ihm die Polizei bei der Übergabe der persönlichen Gegenstände seiner Tochter nach dem Unfall mitgeteilt habe, dass die Fahrerin eine Frau gewesen sei. Dinç berichtete, man habe ihnen gesagt: „Die Fahrerin war eine Frau, sie hat nicht angehalten und ist geflohen, es gibt nicht einmal Bremsspuren auf der Straße, sie hat sich erst eine Stunde später auf der Polizeiwache gestellt.“

Dieser Vorwurf der Familie spiegelt sich auch in den Aussagen einiger Zeugen wider, die vor Gericht gehört wurden. Den vorliegenden Aussagen zufolge gab der Zeuge Mustafa K. an, dass die Person, die das in den Unfall verwickelte Fahrzeug steuerte, eine Frau gewesen sei. Ein weiterer Zeuge behauptete, dass die Fahrerin nach dem Unfall vom Fahrersitz auf die andere Seite gewechselt sei.

Demgegenüber steht Ömer Faruk Ballı, der als Angeklagter in dem Fall geführt wird. Ballı sagte in seiner Verteidigung vor Gericht: „Ich habe Işıl nicht angefahren, Işıl ist gegen mein Auto gelaufen und hat den Schaden verursacht.“

Işıls Mutter argumentierte zudem, dass die Frau, die angeblich am Steuer saß, während des Ermittlungsverfahrens regelrecht unsichtbar gemacht worden sei. Mutter Dinç betonte, dass der Name der betreffenden Person in der Akte nicht auftauche und fügte hinzu: „Ihr Name wird in keiner Weise erwähnt, es soll nicht erwähnt werden. Ich weiß nicht, warum.“

DISKUSSION UM KAMERAAUFZEICHNUNGEN UND HAFTENTLASSUNG

Ein weiterer Punkt, auf den die Familie aufmerksam macht, sind die Kameraaufzeichnungen. Nach Angaben der Familie Dinç konnten keine MOBESE-Aufnahmen aus dem Unfallgebiet sichergestellt werden, die den Fahrer von vorne hätten zeigen können. Es wird behauptet, dass die Polizeieinheiten mitgeteilt hätten, dass auf den 15 Kameras entlang der etwa 1,5 Kilometer langen Strecke keine Aufzeichnungen vorhanden seien, die den Fahrer eindeutig identifizieren könnten.

Es wurde darauf hingewiesen, dass Ballı, der sich nach dem Unfall als Fahrer gemeldet hatte, zunächst inhaftiert, laut Angaben der Familie jedoch innerhalb von vier Tagen nach Erstellung der einseitigen Anklageschrift wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Die Familie behauptet, dass die Entscheidung zur Haftentlassung später Gegenstand einer Untersuchung durch den Rat der Richter und Staatsanwälte (HSK) war.

Vater Yunus Dinç äußerte zudem den Verdacht, dass es während des Prozesses politische Einflussnahme auf die Akte gegeben habe. Dinç behauptete, dass nach dem Eintritt des Anwalts Fatih Sadullah Selman in den Fall Unregelmäßigkeiten ans Licht gekommen seien und es in kurzer Zeit zu Wechseln bei den zuständigen Staatsanwälten gekommen sei.

Die Familie, die davon ausgeht, dass der Unfall aufgrund überhöhter Geschwindigkeit geschah, fordert eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Mutter Dinç erklärte: „Wenn du meine Tochter getötet hast, muss die Justiz dich dafür zur Rechenschaft ziehen“, und betonte, dass sich die Verantwortlichen vor Gericht verantworten müssten.