Neue Aufzeichnungen in der Untersuchung zum Fall Kaşif Kozinoğlu: Erste Hilfe kam erst nach einer halben Stunde!
In der wiederaufgenommenen Untersuchung wurde festgestellt, dass das Rettungsteam zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht auf dem Gefängnisgelände war und die medizinische Hilfe erst nach etwa einer halben Stunde eintraf.
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In der wiederaufgenommenen Untersuchung zum Tod des ehemaligen MİT-Mitarbeiters Kaşif Kozinoğlu am 12. November 2011 im Silivri-Gefängnis sind durch Aufzeichnungen und Aussagen zum Tag des Vorfalls neue Details ans Licht gekommen.
Den Informationen aus der Ermittlungsakte zufolge vergingen vom ersten Notruf nach Kozinoğlus Schwächeanfall bis zum Eintreffen des medizinischen Teams 29 Minuten und 36 Sekunden. Das auf dem Gefängnisgelände stationierte Rettungsteam soll sich während des Vorfalls zum Essen im Zentrum von Silivri aufgehalten haben.
WICHTIGE DETAILS AUS DER AKTE
Den Aufzeichnungen zufolge verließ Kozinoğlu am Tag des Vorfalls gegen 18:09 Uhr schwankend sein Zimmer. Etwa drei Minuten später wurde sein Blutdruck mit 205/127 gemessen; er klagte über Brustschmerzen und erhielt von seinem Zellengenossen Hasan Atilla Uğur das unter die Zunge zu nehmende Medikament Isordil 5 mg.
Der Notruf wurde um 18:13:24 Uhr abgesetzt, dennoch öffneten die Beamten die Zellentür erst um 18:23:13 Uhr. Diese Zeitspanne deutet auf eine Verzögerung von 9 Minuten und 49 Sekunden zwischen dem ersten Notruf und dem Erreichen der Zelle hin.
Kozinoğlu wurde um 18:26 Uhr gehend aus dem Zimmer gebracht, später auf eine Trage gelegt und in den Aufnahmebereich für Häftlinge transportiert. Die Notrufnummer 112 wurde um 18:30 Uhr verständigt, das medizinische Team traf gegen 18:43 Uhr ein, so die Aufzeichnungen.
In der Akte wird zudem bewertet, dass Kozinoğlu bei einer regulären Positionierung des Krankenwagens am Wartepunkt innerhalb von etwa 3 bis 4 Minuten hätte erreicht werden können. Während das Gefängnispersonal angab, die medizinische Abteilung informiert zu haben, erklärte der diensthabende Arzt, nicht über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden zu sein.
Es liegen keine Aufzeichnungen darüber vor, dass bis zum Eintreffen des medizinischen Teams eine wirksame medizinische Erstversorgung bei Kozinoğlu durchgeführt wurde. Einige Beamte gaben an, bis zur Ankunft des Krankenwagens Bewegungen und Atmung beobachtet zu haben, während beim Eintreffen des 112-Teams bei Kozinoğlu weder Puls noch Atmung feststellbar waren. Kozinoğlu wurde nach der Erstversorgung um 19:12 Uhr in das staatliche Krankenhaus Silivri gebracht, konnte jedoch nicht mehr gerettet werden.
Ein weiterer Punkt in der Untersuchung betrifft die Sicherung der Beweise nach dem Vorfall. Nachdem Kozinoğlu ins Krankenhaus gebracht worden war, sollen Zellengenossen das Zimmer mehrfach betreten, Gegenstände wie Zeitungen und Kaffeetassen entfernt haben; das Zimmer wurde erst gegen 22:07 Uhr versiegelt und die Tatortuntersuchung fand erst nach 23:20 Uhr statt.
In den erneut ausgewerteten Kameraaufzeichnungen wird behauptet, dass der damalige Justizvollzugsbeamte Ferhat Veysi Gül nach dem Drücken des Notfallknopfes durch Kozinoğlu nicht auf den Alarm reagierte, sondern stattdessen die Lautstärke des Radios erhöhte. Dieser Vorwurf wird nun daraufhin untersucht, ob der Notruf von anderen Beamten verspätet wahrgenommen wurde.
In der ersten Untersuchung nach Kozinoğlus Tod war am 10. April 2012 ein Verfahrenseinstellungsbeschluss ergangen. Mit der Wiederaufnahme des Falls hob das Friedensstrafgericht Silivri am 26. August 2026 die Einstellung auf. Gegen 11 Personen, die zum Zeitpunkt des Vorfalls im Gefängnis tätig waren, wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet; 10 Personen wurden festgenommen, ein Verdächtiger befindet sich im Ausland.
Die Untersuchung befasst sich auch damit, dass vor Kozinoğlus Tod keine detaillierte toxikologische und chemische Analyse des von ihm bei der Gefängnisleitung angeforderten Vitaminpräparats durchgeführt wurde. Zudem wird eine E-Mail untersucht, die nach seinem Tod an seinen Anwalt geschickt wurde und die Behauptung enthält, Kozinoğlu sei nicht an einem Herzinfarkt gestorben.
Im Rahmen der Ermittlungen wurde die Exhumierung von Kozinoğlus Grab angeordnet. Die für den 11. September geplante Exhumierung soll durch ein Expertenteam bestehend aus drei Rechtsmedizinern, einem Chemiker und einem Autopsietechniker durchgeführt werden; die entnommenen Knochen-, Boden- und sonstigen Proben sollen einer toxikologischen und chemischen Untersuchung unterzogen werden.