Schönheitspandemie: „Strahlender, makelloser"

„Die sozialen Medien sind die Bühne für diesen Wandel. Gemocht und akzeptiert zu werden, ist zur neuen Existenzform des modernen Menschen geworden: ‚Ich bin auch hier, ich existiere auch.‘"

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Betül Kayabaşı - Journalistin

In der heutigen Welt scheint es, als hätten sich alle um denselben Wunsch versammelt. Dieser Wunsch ist es, schön zu sein. Zudem ist dies längst kein Thema mehr, das nur Frauen zugeschrieben wird; auch Männer sind längst Teil dieses Kreises. Wenn wir durch die sozialen Medien scrollen, bewegen wir uns zwischen perfekten Körpern, glatten Gesichtern und symmetrischen Zügen. Straffe Bäuche, schlanke Beine, volle Lippen, markante Wangenknochen… All das deutet auf eine einzige Sache hin: schöner, schöner und noch schöner zu sein.

Das menschliche Interesse an Schönheit ist nicht neu. Seit Jahrhunderten galt das Schöne als faszinierend, beeindruckend und oft sogar als heilig. Die Anziehungskraft von Kleopatra, die Schönheit der Helena von Troja, für die Kriege geführt wurden, oder die göttliche Faszination der Aphrodite mit ihrem goldenen Glanz…

Zwei Produktionen, die ich kürzlich gesehen habe, verdeutlichen auf eindrucksvolle Weise, wohin dieser Wunsch geführt hat: „The Substance“ und „The Beauty“.

Im Film „The Substance“ greift Elizabeth, ein berühmter Fernsehstar, der aufgrund seines Alters an Popularität verliert, zu einer mysteriösen Substanz, um seine Jugend zurückzugewinnen. Als Ergebnis dieses Eingriffs entsteht eine „jüngere, strahlendere, makellosere“ Version des eigenen Körpers.

Doch dieser neue Körper ist nicht nur eine Erneuerung; er ist auch der Beginn einer Abhängigkeit. Denn sobald die Jugend einmal erlangt ist, reicht sie nicht mehr aus. Es muss mehr sein. Strahlender, glatter, auffälliger…

Diese Situation ist eine fast eins-zu-eins-Metapher für die heutige Welt der Ästhetik. Ästhetische Eingriffe, die früher nur Prominenten zugänglich waren, sind mittlerweile alltäglich geworden. Filler, Botox, Fettabsaugung, Bauchstraffung, Gesichtsmodellierung… Die Menschen versuchen förmlich, ihre eigenen „aktualisierten Versionen“ zu erschaffen.

Die sozialen Medien sind die Bühne für diesen Wandel. Gemocht und akzeptiert zu werden, ist zur neuen Existenzform des modernen Menschen geworden: „Ich bin auch hier, ich existiere auch.“

Die Serie „The Beauty“ treibt diesen Wunsch noch weiter und erzählt ihn mithilfe einer Virus-Metapher. Jugend und Schönheit werden durch eine Impfung erlangt; doch diese Impfung verbreitet sich gleichzeitig wie eine tödliche Krankheit. Obwohl die Menschen die Nebenwirkungen kennen, nehmen sie für das Versprechen von „Perfektion“ sogar den Tod in Kauf. Denn es geht nicht mehr nur darum, schön zu sein; es geht darum, ohne Schönheit nicht leben zu können, nicht existieren zu können.

Wenn wir uns abseits dieser Produktionen umsehen, begegnen wir demselben Bild.

Die weit verbreitete Nutzung von Medikamenten wie Ozempic, die eigentlich für die Diabetesbehandlung entwickelt wurden, um abzunehmen, ist eines der auffälligsten Beispiele dafür. Tees, Spritzen, chirurgische Eingriffe… Der menschliche Körper ist zu einem Projekt geworden, an dem ständig gearbeitet wird…

Schönheit, der Wunsch des Menschen, das Göttliche und Perfekte zu erreichen, verbreitet sich schnell wie eine schlimme Epidemie. Während dieser „Schönheitsvirus“ das äußere Erscheinungsbild des Menschen makellos macht, zehrt er langsam seine Seele auf. Er frisst den Menschen förmlich von innen auf, während er das Äußere am Leben erhält. Er konfrontiert uns mit schlimmen Folgen wie Essstörungen, Depressionen und mentaler Erschöpfung, den populären Krankheiten unseres Zeitalters.

Wie wir in beiden Werken sehen: Werden wir wirklich schöner oder verschwinden wir langsam?