Alzheimer-Gefahr in der Türkei wächst: Patientenzahl wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln

Experten zufolge könnte die Zahl der Alzheimer-Patienten in der Türkei in den nächsten 25 Jahren um mehr als das Doppelte auf 1,75 Millionen ansteigen.

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Alzheimer ist längst keine einfache altersbedingte Vergesslichkeit mehr, sondern entwickelt sich, wie überall auf der Welt, auch in der Türkei zu einem ernsthaften und schnell wachsenden Problem der öffentlichen Gesundheit. Prof. Dr. Başar Bilgiç, Dozent an der neurologischen Abteilung der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul, äußerte eindringliche Warnungen zur Zukunft der Krankheit und zu Präventionsmöglichkeiten. Experten zufolge könnte die Zahl der Alzheimer-Patienten in der Türkei in den nächsten 25 Jahren um mehr als das Doppelte auf 1,75 Millionen ansteigen.

Prof. Dr. Başar Bilgiç betont, dass Alzheimer nicht mit gewöhnlicher Altersvergesslichkeit verwechselt werden sollte. Während normale Vergesslichkeit mild ist, ist Alzheimer eine fortschreitende Krankheit, die das Gedächtnis und die Gehirnfunktionen nach und nach zerstört.

"Eine Person kann ein Thema, über das sie am Morgen gesprochen hat, am Abend völlig vergessen, Termine verpassen oder dieselbe Frage in kurzen Abständen immer wieder stellen", sagt Bilgiç und fügt hinzu, dass man bei solchen Symptomen, sobald sie den Alltag beeinträchtigen, ohne Zeitverlust einen Arzt aufsuchen sollte.

PROGNOSE FÜR 2050: JEDER VIERTE WIRD EIN SENIOR SEIN

Die Tatsache, dass die Türkei zu den Ländern mit einer schnell alternden Bevölkerung gehört, beschleunigt den Anstieg der Alzheimer-Fälle. Die Zahl der Patienten, die heute bei etwa 700.000 liegt, wird bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf **1,4 bis 1,75 Millionen** ansteigen. Der Hauptgrund für diesen Anstieg ist das schnelle Wachstum der Bevölkerung über 65 Jahren. Prof. Dr. Bilgiç erklärte: "Im Jahr 2050 wird dieser Anteil auf 23 % steigen, das heißt, jeder vierte Mensch wird ein Senior sein. Daher wird die Alzheimer-Krankheit zu einem der wichtigsten Gesundheitsprobleme der Gesellschaft werden."

WEGE ZUR PRÄVENTION: WAS GUT FÜR DAS HERZ IST, IST AUCH GUT FÜR DAS GEHIRN

Laut Prof. Dr. Bilgiç muss man verstehen, dass die Krankheit nicht nur auf genetischer Veranlagung beruht. Änderungen des Lebensstils gehören zu den stärksten Waffen bei der Vorbeugung der Krankheit.

Bilgiç weist darauf hin, dass Faktoren, die die Gefäßgesundheit beeinträchtigen, wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettleibigkeit und Rauchen, das Alzheimer-Risiko erhöhen, und empfiehlt stattdessen:


Regelmäßige körperliche Aktivität

Ernährung nach mediterraner Art

Qualitativ hochwertiger Schlaf

Soziale Interaktion


Der Experte betont die Bedeutung des Lebensstils mit den Worten: "Besonders die im mittleren Alter getroffenen gesunden Maßnahmen bieten den stärksten Schutz gegen Alzheimer."

 HOFFNUNGSVOLLE NEUE THERAPIEN

Während jahrelang nur Behandlungen zur Linderung der Symptome eingesetzt wurden, können in jüngster Zeit entwickelte neue Medikamente den Verlauf der Krankheit verändern. "Mit neuen Medikamenten, die darauf abzielen, das Amyloid-Protein zu beseitigen, kann die Verschlechterungsrate der Krankheit um 20-35 % verlangsamt werden", sagte Bilgiç und bezeichnete diese Entwicklung als einen Wendepunkt. Dadurch können Patienten ihre täglichen Aufgaben länger selbstständig erledigen. Er fügte hinzu, dass diese Behandlungen dank der in der Türkei vorhandenen MRT-Infrastruktur und der Fachärzte auch hierzulande anwendbar seien.

GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG: LASSEN SIE SIE NICHT ALLEIN

Prof. Dr. Bilgiç betont, dass Alzheimer nicht nur ein Problem der Patienten, sondern auch der Angehörigen ist. "Die Angehörigen bleiben sowohl finanziell als auch emotional allein", sagt Bilgiç und weist darauf hin, dass wirtschaftliche Pflegezentren und psychologische Unterstützungsdienste, die die Sicherheit der Patienten in den Vordergrund stellen, ausgebaut werden müssen.

Abschließend richtet er folgenden Appell an die Gesellschaft: "Alzheimer ist unser aller Angelegenheit. Betrachten wir Vergesslichkeit nicht als Schicksal. Stigmatisieren wir die Patienten nicht, schämen wir uns nicht, sprechen wir darüber und leisten wir Unterstützung."