Sie haben alles einzeln geschildert: Ein 'Palästina-Brief' der BBC an Al Jazeera gleicht einem Geständnis

Berichten zufolge haben Korrespondenten des britischen Senders BBC einen Brief an Al Jazeera geschickt, in dem sie ihre eigene Institution kritisieren. Sie werfen dem Sender vor, eine pro-israelische Haltung einzunehmen und palästinensischen Zivilisten im Vergleich zu Israelis in der Berichterstattung über den Konflikt zwischen Israel und Palästina nicht genügend Raum zu geben.

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Wie aus einem Bericht vonAl Jazeera hervorgeht, sollen acht in Großbritannien ansässige Mitarbeiter derBBC einen Brief an Al Jazeera gesendet haben. Darin äußerten sie die Ansicht, dass ihr Arbeitgeber im Israel-Hamas-Konflikt eine pro-israelische Haltung einnehme und palästinensischen Zivilisten im Vergleich zu Israelis nicht ausreichend Gehör verschaffe.

In dem Schreiben beschuldigten die Korrespondenten ihre Institution, eine voreingenommene Haltung zugunsten Israels einzunehmen.

"DIE BBC VERWENDET BEGRIFFE WIE MASSAKER NUR FÜR DIE HAMAS"

In dem Brief heißt es, dass die BBC in ihrer Berichterstattung über die mutmaßlichen Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraineeinen anderen Maßstab anlegt einer„Haltung, die der BBC im israelisch-palästinensischen Konflikt vorgeworfen wird, „Doppelmoral bei der Darstellung von Zivilisten“ angewendet zu haben.

In dem Brief heißt es: „Die BBC hat es versäumt, die Geschichte korrekt zu erzählen, indem sie die Behauptungen Israels nicht kritisch hinterfragt hat, und konnte daher der Öffentlichkeit nicht dabei helfen, die Menschenrechtsverletzungen im Gazastreifen zu verstehen.“

In dem Schreiben, das darauf hinweist, dass seit dem 7. Oktober Tausende Palästinenser getötet wurden, heißt es: „Ab welcher Zahl wird es hoch genug sein, um unsere redaktionelle Haltung zu ändern?“

In dem Brief erklärten die BBC-Korrespondenten, dass die Institution Begriffe wie„Massaker“und„Grausamkeit“„nur für die Hamas verwende und die Hamas als einzigen Anstifter und Täter der Gewalt in der Region darstelle“.

„HUMANITÄRE BERICHTERSTATTUNG KAM ZU KURZ“

In dem Brief heißt es: „Wir fordern die BBC auf, die evidenzbasierten Erkenntnisse offizieller und unparteiischer humanitärer Organisationen besser widerzuspiegeln und diese zu würdigen.“

Darüber hinaus forderten die BBC-Mitarbeiter ihre Institution dazu auf, „sicherzustellen, dass die Gleichbehandlung aller Zivilisten im Mittelpunkt ihrer Berichterstattung steht“.

In dem Brief wurde darauf hingewiesen, dass die BBC in ihrer Berichterstattung den bei den Angriffen getöteten Israelis breiten Raum einräume, und folgende Einschätzung vorgenommen:

„Im Gegensatz dazu blieb eine menschliche Berichterstattung über palästinensische Zivilisten aus. Zu sagen, dass die BBC aufgrund der Schwierigkeiten beim Zugang zum Gazastreifen die Geschichten aus Gaza nicht besser vermitteln könne, ist eine schwache Ausrede. Dies könnte beispielsweise dadurch erreicht werden, dass über Wochen hinweg individuelle Geschichten erzählt und verfolgt werden. Es wurden auch nur sehr wenige Versuche unternommen, die Fülle an Inhalten der mutigen Journalisten in Gaza und im Westjordanland in den sozialen Medien voll auszuschöpfen.“

In dem Brief wurde zudem erklärt, dass die BBC ihrem Publikum keine wichtigen Informationen über die Geschichte der israelischen Besatzung und das Leid der Palästinenser vermittle.

STELLUNGNAHME DER BBC

Ein Sprecher der BBC antwortete in einer E-Mail an Al Jazeera auf die genannten Vorwürfe wie folgt: „Während unserer gesamten Berichterstattung über den Konflikt hat die BBC die verheerenden humanitären Kosten für die in Gaza und Israel lebenden Zivilisten deutlich aufgezeigt.“

Der Sprecher sandte zudem eine Liste mit Beispielen für die Berichterstattung der BBC über den Krieg sowie menschliche Geschichten über das Leid der Palästinenser.