Die Sorgen der Rentner nehmen kein Ende! Prof. Dr. Duran Bülbül: 'Seit 2008 hat die SGK die Rechte der Rentner beschnitten'

Die Forderung nach einer 'gestaffelten Rente' von Bürgern, die die Regelung zur Frühverrentung (EYT) um wenige Tage oder Monate verpasst haben, bleibt ein aktuelles Thema. Prof. Dr. Duran Bülbül vom Fachbereich Finanzwissenschaften der Atılım-Universität erläuterte seine Einschätzungen zur gestaffelten Rente gegenüber 12punto.com.tr.

Ezgi Sivritepe

Ezgi SİVRİTEPE - 12punto.com.tr

Die Regelung zur Frühverrentung (EYT) trat am 1. März 2023 in Kraft. Für Bürger, die nach dem 8. September 1999 in das Sozialversicherungssystem eingetreten sind und nicht von dieser Regelung profitieren konnten, bleibt die gestaffelte Rente ein zentrales Thema. 

Obwohl der Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, Vedat Işıkhan, zu diesem Thema erklärte: "Wir arbeiten nicht an einer Regelung für Praktikumsversicherungen oder eine gestaffelte Rente", hält die Forderung der Bürger an. 

Prof. Dr. Duran Bülbül vom Fachbereich Finanzwissenschaften der Atılım-Universität äußerte sich gegenüber 12punto.com.tr zu diesem Thema.

"DIE REGIERUNG IST UNAUFRICHTIG"

Bülbül erklärte, dass der Begriff der gestaffelten Rente ein unbestimmtes Phänomen sei und sagte: "Grundsätzlich müsste für das System der gestaffelten Rente gemäß dem Sozialversicherungsgesetz eine 20-jährige Berechnung durchgeführt werden. Die für soziale Sicherheit und Finanzen zuständigen Ministerien müssten zusammenkommen und die Belastung aufzeigen, die diese gestaffelte Rente für das türkische Haushaltssystem und die soziale Sicherheit mit sich bringen würde. Aus diesem Grund betrachte ich das System der gestaffelten Rente eher als ein politisches Phänomen. Was die Umsetzung betrifft, halte ich die Regierung für unaufrichtig."

1 ARBEITNEHMER MÜSSTE 4 RENTNER FINANZIEREN

Bülbül bewertete das Arbeitssystem und erklärte, dass für die Nachhaltigkeit einer gestaffelten Rente ein Arbeitnehmer die Rente von vier Rentnern finanzieren müsste, und fügte hinzu: "Wenn wir uns unser Land in dieser Hinsicht ansehen, ist das Sozialversicherungsgesetz gestört." 

RENTE ALS SOZIALES RECHT

Bülbül betonte, dass die Rente ein soziales Recht sei und das Sozialversicherungssystem als grundlegendes Recht betrachtet werden müsse. Er äußerte sich wie folgt zu neuen Methoden für Rentenzahlungen:

"Man muss das Sozialversicherungssystem aus dem Rentensystem und dem Beitragssystem herauslösen. Bei der Sozialversicherungsanstalt (SGK) sollte man sich nur um die persönlichen Rechte und Rentenansprüche kümmern. Andere Beiträge sollten im Finanzministerium gesammelt werden. Einer der wichtigsten Gründe für das Haushaltsdefizit sind die Defizite der sozialen Sicherheit. Da die Beitragseinnahmen der sozialen Sicherheit nicht ausreichen, werden sie aus dem zentralen Haushalt gedeckt."

Bülbül wies darauf hin, dass das größte Problem der türkischen Wirtschaft 'Verluste und Leckagen' seien, und sagte: "Nach unseren Berechnungen auf Basis des Haushalts 2023 gibt es aufgrund der nicht ordnungsgemäßen Führung des Rentenbeitragssystems einen Verlust von 300 Milliarden in der sozialen Sicherheit. Das bedeutet, wenn wir dies korrekt zugewiesen hätten, wäre das Haushaltsdefizit geringer oder vielleicht gar nicht vorhanden gewesen." 

Bülbül unterstrich, dass die türkische Wirtschaft die Vorbereitungen für das Rentensystem nicht infrage stellen dürfe: "Die Rente ist ein Recht. Die SGK muss wissen, wer wann Anspruch auf dieses Recht hat. Die Wirtschaft kann das verkraften. Nach verfassungsrechtlichen und internationalen Normen muss man davon absehen, die Rente aus Arbeitnehmerbeiträgen zu finanzieren, und sie stattdessen in den Haushalt integrieren; die persönlichen Rechte der Rentner sollten auf diese Weise gedeckt werden."  

"MUSS DURCH STEUERN GEDECKT WERDEN"

Bülbül übte auch Kritik an der SGK und verglich die Zahlungen der vergangenen Jahre mit den heutigen. Bülbül sagte: "Seit 2008 beschneidet die SGK die Rechte der Rentner. Im Jahr 2002 erhielt eine Person, die tausend Lira Gehalt bezog, bei Renteneintritt 700 Lira. Aber nach 2008 haben sie das geändert, das ist das Problem der Rentner. Die Rentenberechnungssätze müssen korrigiert werden. Die Renten der Ruheständler müssen durch die Steuern der Bürger gedeckt werden." 

WAHLBESTECHUNG FÜR DIE BÜRGER

Bülbül erklärte, dass die Rentenzahlungen in den zentralen Haushalt aufgenommen werden sollten: "Die Mittel für diejenigen, die jedes Jahr in Rente gehen, sollten in den zentralen Haushalt eingestellt und aus diesem gedeckt werden. Das Rentensystem kann die gestaffelte Rente derzeit verkraften. Wenn Unregelmäßigkeiten und Korruption beendet werden, kann die türkische Wirtschaft auch die Rente verkraften; sie wird kein Haushaltsdefizit aufweisen; sie wird ein Land sein, das Kredite vergibt." 

Bülbül erklärte, dass es sich nicht um ein vom Bürger erkämpftes Recht handele, sondern dass den Bürgern zu Wahlzeiten Versprechen als Bestechung gegeben würden, und äußerte sich wie folgt:

"Es gibt kein Recht, das der Bürger durch Sensibilität erkämpft hat. Die politische Macht gibt nur Bestechungsgelder für den Wahlmechanismus und die Wahlzeit; der Bürger glaubt, er habe etwas für sich erreicht. In unserem Land haben Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen keinerlei Befugnisse in Bezug auf Grundrechte und Pflichten. Die Regierung gibt Renten nur dann als Bestechung für Stimmen aus, wenn sie es will. Das bedeutet, dass die demokratischen Normen dieses Landes nicht funktionieren."