Renommierter Sportjournalist Atilla Türker: Unsere Vereine stecken im Schuldensumpf
Der renommierte Sportjournalist Atilla Türker, der seit Jahren mit seinen Berichten und Artikeln die Agenda bestimmt, hat den türkischen Fußball analysiert: "Für viele Fußballer, die nicht einmal 1 Million Lira wert sind, werden 3 bis 5 Millionen Lira gezahlt. Die Differenz kann in den Taschen einiger Leute landen."
12punto
Der türkische Fußball kommt seit Jahren nicht aus dem Chaos heraus. Obwohl es in letzter Zeit auf Vereinsebene kleinere Erfolge gab, halten die Probleme in sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht an.
Atilla Türker bewertete die Misserfolge im türkischen Fußball und deren Ursachen gegenüber 12punto. Türker erklärte, dass ein Großteil der Vereine schlecht geführt werde und hinter verschlossenen Türen Verträge zwischen böswilligen Funktionären und Spielerberatern unterzeichnet würden.
Türker, der den türkischen Fußball einer genauen Analyse unterzog, sagte Folgendes:
Warum erleben türkische Mannschaften lokal eine Führungskrise? Warum fordern die Fans bei der kleinsten Erfolglosigkeit den Rücktritt der Vereinsführung?
Im türkischen Sport gibt es leider keine gesunde Struktur. Von den Verbänden bis zu den Vereinen, von den Verbänden bis zu den Sportmedien herrscht im Allgemeinen eine gewisse Führungslosigkeit…
Ein sehr bedeutender Teil unserer Vereine wird leider schlecht geführt. Aufgrund der Mentalität, nur den Tag zu retten, wird der Nachwuchsarbeit und den jungen Spielern nicht die nötige Bedeutung beigemessen.
Die große Mehrheit unserer Vereine mit Profimannschaften steckt im Schuldensumpf. Man darf neben der schlechten Führung auch die Existenz böswilliger Funktionäre nicht vergessen. Dass die Vereinskassen aufgrund mangelnder Kontrolle geleert werden, ist eine weitere Tatsache.
Viele Personen, deren Kompetenz nur auf ihrem eigenen Anspruch beruht, übernehmen die Vereinsführung und führen zu schlechten Ergebnissen.
Besonders in den letzten Jahren gab es bedeutende Veränderungen im Profil der Fans. Aufgrund von Faktoren wie unverantwortlichen Äußerungen der Vereinsfunktionäre, provokanten Berichten eines Teils der Medien und dem Entgleisen der sozialen Medien ist auch das Verhalten der Fußballfans gestört worden. Das Bild der Anhängerschaft hat sich verändert, eine hooliganartige Struktur ist entstanden.
Unsere Menschen, die aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ohnehin sehr angespannt sind, suchen ihr Ventil nun bei den Spielen.
Diese Hooligan-Struktur brachte auch Reaktionen mit sich. Bei der kleinsten Erfolglosigkeit intensivierten sich die Reaktionen gegenüber Schiedsrichtern, Vereinsfunktionären und Fußballern. Auch die Sportmedien bleiben von dieser Reaktion natürlich nicht verschont.
TRAINER WERDEN ALS OPFER AUSGEWÄHLT
Ausländische Trainer können in unserem Land nicht lange bleiben, und die in unserem Land ausgebildeten türkischen Trainer gehen nicht ins Ausland oder ziehen es vor, nicht zu gehen. Was ist der Grund für diese Situation?
Wenn erfolglose Ergebnisse erzielt werden, wird die größte und vorrangige Rechnung den Trainern präsentiert. In unserem Land gibt es ein unglaubliches Trainersterben. Besonders wenn wir den Vergleich mit Europa ziehen, ist das Bild bei uns leider sehr schlecht. Wir sind nicht geduldig, wir wählen den einfachen Weg. Was ist der einfache Weg? Die durch Wahlen ins Amt gekommene Vereinsführung sieht den Trainer als das schwächste Glied. Da man mit den Fußballern weitermachen will, werden die Trainer als Opfer ausgewählt.
Was sind die Hauptursachen für die finanziellen Probleme in den Vereinen und warum bleiben die dafür entwickelten Lösungen unzureichend?
Unsere Vereine werden im Allgemeinen sehr schlecht geführt. Wenn es nur beim schlechten Management bliebe, wäre es noch gut, aber auch böswillige Personen treiben in der Gemeinschaft ihr Unwesen. In einem Umfeld, in dem Millionen von Dollar durch die Luft fliegen, können leider sehr schlimme Situationen entstehen. In den Vereinen führen meist nur 2-3 Personen die Transfers durch; wenn auch nur eine dieser Personen böswillig ist oder ihr Handwerk nicht versteht, kann die Kasse dieses Vereins in kurzer Zeit leer sein. Für viele Fußballer, die nicht einmal 1 Million Lira wert sind, werden 3 bis 5 Millionen Lira gezahlt. Die Differenz kann in den Taschen einiger Leute landen. Wie passiert das? Zwischen dem böswilligen Funktionär und dem Spielerberater werden hinter verschlossenen Türen Verträge unterzeichnet. Viele Namen, die Hand in Hand mit Beratern ihren Verein in den Ruin getrieben haben, sind in dieser Gemeinschaft wohlbekannt.
Der Kontrollmechanismus in den Vereinen funktioniert leider nicht gut. Bei Transfers wird das Geld verschwenderisch ausgegeben. Es kommt ja schließlich nicht aus der Tasche des Funktionärs! Wegen falscher Transfers fliegt das Geld nur so davon. Viele Funktionäre, die bei der Führung ihrer eigenen Unternehmen sehr akribisch sind, können bei der Vereinsführung unverantwortlich und unvorsichtig sein. Außer in Ausnahmefällen wird im Allgemeinen niemand zur Rechenschaft gezogen.