Schwankungen bei Angebot und Nachfrage im Stromsektor könnten den Übergang zu sauberer Energie erschweren
Prof. Dr. Ozan Erdinç wies darauf hin, dass natürliche Rückgänge bei der aus sauberen Energiequellen gewonnenen Stromleistung den Übergang zu vollständig erneuerbaren Energien erschweren könnten.
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Der 26. Januar, der Gründungstag der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), wurde durch einen im vergangenen Jahr gefassten Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Internationalen Tag der sauberen Energie erklärt.
Mit diesem Beschluss, der darauf abzielt, das Bewusstsein für die Verringerung der Nutzung fossiler Brennstoffe, die die globale Erwärmung verursachen, und für die Bedeutung des Übergangs zu sauberer Energie zu schärfen, soll die Zusammenarbeit zwischen den Ländern sowie der Austausch von Wissen und Daten gefördert werden.
Saubere Energie, die aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind gewonnen wird, gilt als umweltfreundlich, da sie keine Treibhausgasemissionen erzeugt und die Atmosphäre nicht verschmutzt.
Berichten der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge wurden weltweit im vergangenen Jahr 510 Gigawatt an erneuerbarer Energiekapazität in Betrieb genommen, was einem Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und die gesamte Kapazität auf 4.217 Gigawatt brachte. 75 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf Investitionen in Solarenergie.
Es wird darauf hingewiesen, dass die weltweite Kapazität an erneuerbaren Energien bis 2030 das 2,5-fache des heutigen Niveaus erreichen könnte, wobei 95 Prozent dieses Wachstums auf Solar- und Windenergieprojekte zurückzuführen sein werden. Zudem wird prognostiziert, dass erneuerbare Energiequellen bis 2025 die Kohle, die derzeit den größten Anteil an der Stromerzeugung hält, überholen werden.
Parallel zur weltweiten Entwicklung steigt auch in der Türkei der Anteil erneuerbarer Energien an der installierten Stromleistung. Nach Angaben des Ministeriums für Energie und natürliche Ressourcen erreichte die installierte Stromleistung der Türkei Ende Dezember 2023 106.668 Megawatt, wovon 53,3 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammten.
Während die Wasserkraft mit 30 Prozent den größten Anteil an den erneuerbaren Energien hält, entfielen 11,1 Prozent auf Windenergie und 10,6 Prozent auf Solarenergie. 23,8 Prozent der Stromerzeugung erfolgten durch Erdgas und 20,5 Prozent durch Kohle.
"ENERGIEBEDARF IN METROPOLEN WIRD IN 7-8 JAHREN UM 50 PROZENT STEIGEN"
In einem Gespräch mit einem AA-Korrespondenten erklärte Prof. Dr. Ozan Erdinç, Dozent am Fachbereich Elektrotechnik der Fakultät für Elektro- und Elektroniktechnik der Technischen Universität Yıldız (YTÜ), dass der Strombedarf eines durchschnittlichen Endverbrauchers durch die technologischen Entwicklungen der letzten 20 Jahre stark gestiegen sei.
Erdinç sagte: "Während elektrische Energie für den individuellen Endverbraucher in der Vergangenheit ein Teil unseres Lebens war, ist sie heute auf einem Niveau der Abhängigkeit. In naher Zukunft wird sie so essenziell sein wie Essen und Trinken."
Erdinç teilte die Prognose, dass der Strombedarf in den Metropolen und wachsenden Bezirken der Türkei in einem Zeitraum von 7 bis 8 Jahren um mindestens 50 Prozent und in einem Zeitraum von 15 Jahren um das Doppelte steigen werde, und betonte in diesem Zusammenhang die wichtige Rolle der erneuerbaren Energiequellen.
Erdinç fuhr wie folgt fort:
"Angebot und Nachfrage bei elektrischer Energie müssen ständig im Gleichgewicht sein. Wetterbedingte Veränderungen, wie etwa Bewölkung oder nachlassender Wind, können jedoch die Wind- und Solarenergieproduktion beeinflussen. Diese Variabilität stellt ein Problem für die Stromnetze dar. Es ist wichtig, dass konventionelle Kraftwerke schnell einspringen können, um natürliche Rückgänge bei der aus sauberen Energiequellen gewonnenen Stromleistung auszugleichen. Dies könnte das Erreichen des Ziels von 100 Prozent erneuerbarer Energie erschweren."
Erdinç wies darauf hin, dass erneuerbare Energiequellen die Abhängigkeit von konventionellen Quellen verringern und den CO2-Ausstoß senken, was politische Prozesse beeinflusse. Er bewertete zudem die Kernenergie als eine wichtige Ressource, da sie das Potenzial habe, die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern und die Grundlast der Industrie zu decken.