Appell von Tanju Özcan an die CHP-Führung: Fokus auf „Sine-i Millet“

Der Bürgermeister von Bolu, Tanju Özcan, reagierte scharf auf die Festnahme von Ekrem İmamoğlu. Özcan forderte: „Das Fass ist übergelaufen. Alle Abgeordneten und Bürgermeister der Opposition sollten zur ‚Sine-i Millet‘ (Rückkehr zum Volk) aufrufen.“

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Der Bürgermeister von Bolu, Tanju Özcan, reagierte auf seinem Social-Media-Account mit scharfen Worten auf die Festnahme des Bürgermeisters der Stadt Istanbul (İBB), Ekrem İmamoğlu, in den Morgenstunden. Özcan wies darauf hin, dass neben İmamoğlu zahlreiche weitere Personen unter dem Vorwurf von „Terror“ und „organisierter Kriminalität“ festgenommen wurden, und kritisierte die amtierende Regierung scharf.

„DAS FASS IST ÜBERGELAUFEN, DAS VOLK WIRD FÜR DUMM VERKAUFT“

In seinem Beitrag auf seinem persönlichen X-Account (ehemals Twitter) äußerte sich Özcan wie folgt:

„Das Fass ist nun übergelaufen. Der Bürgermeister von 16 Millionen Istanbulern und Präsidentschaftskandidat von 86 Millionen Bürgern, Herr Ekrem İmamoğlu, wurde in aller Herrgottsfrühe unter einem fadenscheinigen Vorwand wie einer angeblichen PKK/KCK-Ermittlung festgenommen. Verkaufen Sie das Volk nicht für dumm! Wollen Sie mit Ihrem armseligen Verstand den PKK/PYD-Anführer Apo aus dem Gefängnis holen und dafür İmamoğlu einsperren?“

„MEIN APPELL AN ALLE, EINSCHLIESSLICH DER PARTEIVORSITZENDEN“

Der Bürgermeister von Bolu richtete seinen Appell nicht nur an die CHP, sondern an alle Oppositionsparteien. In seiner Erklärung sagte Özcan:

„Ich wende mich an alle Parteivorsitzenden, einschließlich unseres eigenen Vorsitzenden; diese tyrannische Regierung ignoriert die durch das Volk gewählte Große Nationalversammlung der Türkei (TBMM). Sie lässt gewählte Bürgermeister nicht arbeiten und setzt sie aus nichtigen Gründen ab. Sie bereiten sich darauf vor, den Terroristenführer und Gründer der PKK/YPG freizulassen und stattdessen die durch die rechtmäßigen Stimmen des Volkes gewählten Amtsträger ins Gefängnis zu stecken.“

Özcan bezeichnete die Geschehnisse als ein Bild jenseits der Demokratie und fügte hinzu:

„In diesem Klima des Umsturzes scheint es weder für Abgeordnete noch für Bürgermeister möglich, dem Volk auf gesunde Weise zu dienen. Die Vorgänge zu normalisieren bedeutet, nach dem Motto ‚Was mich nicht beißt, soll tausend Jahre leben‘ zu handeln. Die Worte sind am Ende.“

„Die kollektive Rückkehr aller Abgeordneten und Bürgermeister der Opposition zur ‚Sine-i Millet‘ muss das wichtigste Thema auf der Tagesordnung sein. Dies muss ohne Zögern und ohne Ausnahmen umgesetzt werden. Lassen wir diese tyrannische Struktur sich vor dem edlen türkischen Volk und der Weltöffentlichkeit rechtfertigen.“

WAS IST „SINE-I MILLET“?

„Sine-i Millet“ ist ein Begriff, der in der jüngeren politischen Geschichte der Türkei häufig auftaucht. Er bedeutet, das Parlament zu verlassen, sich unter das Volk zu mischen, eine Volksbewegung zu starten und gegen die politische Macht oder die Herrschenden aufzubegehren.

Das Konzept wird in der politischen Arena als ein Mittel der Opposition interpretiert, um die Regierung zu zermürben.

Vor jeder Wahl in der Türkei gab es Diskussionen über eine „Sine-i Millet“. Bisher blieb dies jedoch lediglich ein politisches Druckmittel, und keine Partei hat diesen Schritt tatsächlich vollzogen.