Bemerkenswerter journalistischer Kommentar aus dem AKP-Lager zum Kılıçdaroğlu-Interview: 'Das sind Dinge, die so sein müssen'

Mücahit Birinci, ein ehemaliger Funktionär der AKP, äußerte sich zu den Kritikern, die den Journalisten vorwarfen, Kemal Kılıçdaroğlu während eines Live-Auftritts bei Sözcü TV zu hart befragt zu haben: "Wir haben uns so lange von dieser Realität entfernt, dass wir Schwierigkeiten haben, uns daran zu gewöhnen. Dabei ist das überall sonst genau so."

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Die Live-Sendung auf Sözcü TV, in der der CHP-Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu zu Gast war, wurde zum Diskussionsthema in den regierungsnahen Medien. Während der Ton der Fragen an Kılıçdaroğlu und die Reaktionen während der Sendung von einigen regierungsnahen Autoren und Journalisten als "Verhörraum" interpretiert wurden, gab es vor allem Kritik am Format der Sendung.

Mücahit Birinci, ehemaliges Mitglied des Zentralen Entscheidungs- und Verwaltungskomitees (MKYK) der AKP, nahm eine andere Bewertung vor. In seiner Stellungnahme betonte er, dass es natürlich sei, wenn Journalisten einem Oppositionsführer kritische und drängende Fragen stellten. Birinci merkte an, dass solche Sendungen in den türkischen Medien schon lange nicht mehr stattgefunden hätten.

 

Birinci äußerte sich auf der Social-Media-Plattform X wie folgt:

"Über die Sendung bei Sözcü TV wird viel gesprochen. Ich möchte ebenfalls meine Meinung dazu äußern.

Wie Sie wissen, hatte ich bereits erwähnt, dass es mutig von Herrn Kemal war, dort aufzutreten, noch bevor ich den Inhalt gesehen hatte. Nun hatte ich die Gelegenheit, mir die Sendung anzusehen:

Ich möchte auch ein paar Worte zum Inhalt sagen:

Also Freunde, das mit den Journalisten, die ihn in die Enge getrieben haben usw. – lassen Sie das beiseite. Das sind Dinge, die so sein müssen. Da wir uns schon lange von dieser Realität entfernt haben, konnte unser System das nicht verkraften. Ein Journalist kann die unangenehmste Frage auf die provokanteste Weise stellen. Überall auf der Welt, außer bei uns, ist das so. 

Wir können diesen Journalisten nichts vorwerfen. Zum Beispiel haben wir im Weißen Haus zwischen Trump und den Journalisten hundertmal mehr Streit, Beleidigungen, harte Fragen, Druck, Manipulationen sowie Szenen von Rauswürfen erlebt. Das ist eigentlich ein Zustand, der in der Natur des Journalismus liegt. 

Manchmal stoße ich in den sozialen Medien auf Pressekonferenzen von vor zehn Jahren. Es gibt eine unglaubliche Veränderung.

Heute würde derselbe Journalist dieselben Fragen nicht einmal im Traum stellen können. Leider ist das auch unser Defizit... Das muss man zugeben. 

Wenn wir es aus dieser Perspektive betrachten und den Inhalt bewerten, dann sind die einzigen Schuldigen hier Herr Kemal, der an der Sendung teilgenommen hat, und seine Berater, die ihn dort auftreten ließen. Ja, es war ein ziviler Mut, ja, der Mut von Herrn Kemal wird in Erinnerung bleiben, aber mein Bruder, sie haben den Mann während der gesamten Sendung wie einen Sandsack behandelt. Kann man das zulassen!?

Wie ich schon am Tag der Sendung sagte: Özgür Özel soll doch mal bei uns bei TGRT zu Gast sein, dann werden wir sehen. Es gibt ein Sprichwort auf der Straße: Wenn sicher ist, dass du eine Tracht Prügel bekommst, dann lässt du dich nicht auf diesen Kampf ein. Wenn man natürlich sagt: 'Ich habe keine Angst'...

Dann holst du dir mutig eine Tracht Prügel ab. Aber am Ende bekommst du sie trotzdem... 

Liebe Grüße, einen schönen Sonntag."