Ehemaliger YARSAV-Vorsitzender Eminağaoğlu über Akın Gürlek: „Ein Novum in der Geschichte der Republik“

Der ehemalige Vorsitzende der YARSAV, Ömer Faruk Eminağaoğlu, bezeichnete die Ernennung von Akın Gürlek zum Justizminister während dessen aktiver Dienstzeit als „ein Novum in der Geschichte der Republik“. Eminağaoğlu erklärte, diese Ernennung sei ein konkreter Beweis für die Politisierung der Justiz.

12punto

Der ehemalige Vorsitzende der Vereinigung der Richter und Staatsanwälte (YARSAV), Ömer Faruk Eminağaoğlu, äußerte sich gegenüber 12punto zur Ernennung von Akın Gürlek zum Justizminister.

Akın Gürlek, der die Ermittlungen gegen CHP-geführte Kommunen leitete und die Operation gegen Ekrem İmamoğlu steuerte, wurde mit dem im Amtsblatt vom 10. Februar 2026 veröffentlichten Ernennungsdekret des Präsidenten Nr. 2026/51 zum Justizminister ernannt. Der ehemalige Vorsitzende der Vereinigung der Richter und Staatsanwälte (YARSAV), Ömer Faruk Eminağaoğlu, sprach gegenüber 12punto über diese Entscheidung.

„ERSTMALS IN DER GESCHICHTE DER REPUBLIK“

Eminağaoğlu bewertete den Ernennungsprozess von Akın Gürlek und dessen Hintergründe wie folgt:

Gemäß Artikel 140 der Verfassung kann ein Staatsanwalt nicht in ein offizielles Amt berufen werden, das nicht gesetzlich vorgesehen ist, ohne zuvor zurückzutreten. Akın Gürlek muss, so nehme ich an, seit gestern zurückgetreten sein.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik wurde ein Staatsanwalt während seiner aktiven Dienstzeit vom parteigebundenen Präsidenten zum Justizminister ernannt. Dies ist ein sehr konkretes Beispiel dafür, wie stark die Justiz politisiert wurde und in welchem Zustand sich die richterliche Unabhängigkeit befindet.

Die Leistung, die Akın Gürlek bei seiner Tätigkeit in Istanbul erbracht hat, dürfte zu dieser Ernennung geführt haben. Akın Gürlek wird nun auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Hohen Rates der Richter und Staatsanwälte (HSK) tätig sein. Das bedeutet, dass das, was in Istanbul geschehen ist, nun überall in der Türkei über den HSK geschehen kann. Man sollte auch nicht vergessen, dass er durch die Ernennung zum Minister nun auch in den Genuss eines Schutzschildes der Immunität kommt.

„DIE PROBLEME NEHMEN IMMER WEITER ZU“

Auf die Frage, welche Atmosphäre die Türkei nach dieser Entscheidung erwarte, antwortete Eminağaoğlu: „Die Probleme in der Türkei nehmen von Tag zu Tag zu. Weder die Große Nationalversammlung der Türkei noch die Justiz können die Regierung einschränken. Es gibt keine verfassungsmäßige Institution mehr, in deren Struktur nicht eingegriffen wurde. Die Justiz ist über ihre Instrumentalisierung hinaus zu einer Waffe geworden.

Es bleibt keine andere Wahl, als gemeinsam mit unserem Volk zu kämpfen, angeführt von den Anwaltskammern, demokratischen Massenorganisationen, der Presse und allen Oppositionsparteien.“

„DER KAMPF MUSS WEITERGEHEN“

Eminağaoğlu erklärte, wofür die Berufung Gürleks zum Justizminister ein Zeichen sei: „Die Wahlen rücken immer näher. Im Hinblick auf das Wahlrecht haben die Wahlrichter keinerlei verfassungsrechtliche Absicherung. Wahlrichter werden an ihren jeweiligen Standorten per Losverfahren aus den ‚Freiwilligen‘ bestimmt. Die AKP hat die Regelung geändert, wonach der dienstälteste Richter zum Wahlrichter ernannt wurde. Nun wird es entweder niemanden geben, der sich freiwillig für das Losverfahren meldet, oder wenn bei der Auslosung Personen herauskommen, die der AKP nicht gefallen, kann der HSK diese Personen an einen anderen Ort versetzen. Viele Probleme, ähnlich denen in Istanbul…

Kurz gesagt, es ist eine Zeit, in der die Justiz für Rechte und Freiheiten keine Garantie, sondern eine Gefahr darstellt; eine Zeit, in der nicht die Rechtsstaatlichkeit, sondern die Macht des Stärkeren das Recht bestimmt. Natürlich muss man den Rechtsstaat verteidigen und den Kampf fortsetzen.“

Nachricht: Cenk Başboğaoğlu