Kritik von Erhan Adem (CHP) an Erdoğan: 'Es ist die Aufgabe des Staates, Schäden zu verhindern, nicht sie nur zu decken'
Erhan Adem, stellvertretender Vorsitzender der CHP für Landwirtschafts- und Forstpolitik, erklärte: 'Die Ankündigung von Präsident Erdoğan nach der Kabinettssitzung gestern, dass Landwirte ohne TARSİM-Versicherung je nach Schadenshöhe entschädigt werden sollen, hat in der landwirtschaftlichen Öffentlichkeit sowohl für Unsicherheit als auch für Misstrauen gesorgt.'
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Erhan Adem, stellvertretender Vorsitzender der CHP für Landwirtschafts- und Forstpolitik, äußerte sich zu den Erklärungen von Präsident Erdoğan nach der Kabinettssitzung: 'Welche Produkte fallen unter die Unterstützung? Wann werden die Zahlungen erfolgen? Warum fehlen wichtige Produkte wie Haselnüsse auf der veröffentlichten Liste? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Aber das eigentliche Problem ist: Warum wurde nicht verhindert, dass dieser Schaden überhaupt entsteht?'
In seiner schriftlichen Erklärung führte Adem weiter aus: 'Die Ankündigung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach der Kabinettssitzung, dass Landwirte ohne TARSİM-Versicherung je nach Schadenshöhe entschädigt werden sollen, hat in der Öffentlichkeit viele Fragen aufgeworfen und bei den Landwirten Besorgnis ausgelöst. Während Aprikosen, Trauben, Äpfel, Pfirsiche und Nektarinen unter den genannten Produkten aufgeführt sind, ist es ein schwerwiegendes Versäumnis, dass beispielsweise Haselnüsse, eines der wichtigsten Exportgüter der Türkei, nicht auf dieser Liste stehen. Werden auch viele andere Obstsorten vom Schutz ausgeschlossen? Nach welchen Kriterien wurde diese Entscheidung getroffen? Hat das Landwirtschaftsministerium die Erzeuger bei der Erstellung dieser Liste konsultiert?'
'EINE SCHLECHTE KOPIE DER VERGANGENHEIT'
Erhan Adem sagte: 'Diese gestrige Ankündigung an die Landwirte ist weit davon entfernt, die Probleme der Erzeuger zu lösen; im Gegenteil, sie wirkt wie eine schlechte Kopie der Vergangenheit. Wir haben diesen Film schon einmal gesehen. Auch bei der Dürre 2021 wurden ähnliche Hilfen angekündigt, nur bestimmte Produkte wurden einbezogen, und die Unterstützung verzögerte sich um Monate. Die Erzeuger dieses Landes werden bei jeder Naturkatastrophe und in jedem Krisenmoment allein gelassen. Wieder dieselbe Unsicherheit, wieder dasselbe mangelnde Vertrauen.'
'DAS PROBLEM IST NICHT DIE KATASTROPHE ODER DER FROST, SONDERN EINE REGIERUNG, DIE KEINE VORSORGE TRIFFT'
Adem erklärte: 'Die Ursache des Problems ist nicht nur Dürre, Frost oder Überschwemmung. Die eigentliche Ursache ist die Existenz einer Regierung, die trotz des Wissens, dass diese Katastrophen mittlerweile eine natürliche Realität sind, keinerlei Vorsorgemaßnahmen trifft. Wir stehen einer Mentalität gegenüber, die seit Jahren nicht in der Lage ist, die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen, die Landwirtschaft ignoriert, statt sie zu fördern, und die Landwirte ihrem Schicksal überlässt, statt sie zu unterstützen. Der Präsident tritt nach jeder Katastrophe auf und verspricht: 'Wir werden die Schäden decken'. Doch es ist nicht länger hinnehmbar, den Landwirten ihr verfassungsmäßiges Recht auf Unterstützung wie ein Almosen zu präsentieren. Der Herr Landwirtschaftsminister begnügt sich in diesem Prozess lediglich mit 'Gute Besserung'-Botschaften. Eine Institution, die die Landwirtschaft verwaltet, sollte nicht nur in Krisenzeiten, sondern immer vor Ort sein. Doch wann stand dieses Ministerium jemals an der Seite der Erzeuger?'
'WARUM KONNTE IMMER NOCH KEIN UMFASSENDES LANDWIRTSCHAFTLICHES VERSICHERUNGSSYSTEM GESCHAFFEN WERDEN?'
Adem fügte hinzu: 'Während die Landwirte dieses Landes heute bereits mit hohen Produktionskosten, Schulden, der Klimakrise, Wasserproblemen und Planlosigkeit kämpfen, werden sie nun auch noch mit Naturkatastrophen allein gelassen. Die Erzeuger wollen nicht mehr den Satz 'Wir werden Ihren Schaden decken' hören. Die Erzeuger wollen fragen, warum dieser Schaden nicht vorhersehbar war, warum er nicht verhindert werden konnte und warum sich nach jeder Katastrophe dasselbe Szenario wiederholt. Die Türkei erlebt eine große Krise in der Landwirtschaft, und den Preis dafür zahlen nicht nur die Erzeuger, sondern auch die Verbraucher. Wenn die Lebensmittelpreise explodieren und die Produktion zum Stillstand kommt, ist die Aussage 'Wir werden den Schaden decken' keine Lösung. Es bedarf nun präventiver Maßnahmen, die die landwirtschaftliche Zukunft dieses Landes sichern, transparenter Unterstützungssysteme, die den Schweiß der Erzeuger schützen, und einer vertrauenswürdigen Regierungsführung. Dieses Land steht bei seinen Landwirten in der Schuld. Diese Schuld kann nicht mit Schlagzeilen über 'frohe Botschaften' beglichen werden. Schulden werden durch rechtzeitige, faire, gleichberechtigte und nachhaltige Unterstützung beglichen. Die Produktionskraft der Türkei sind die Landwirte. Wer sie allein lässt, riskiert die Zukunft dieses Landes. Ein Land, das seine Landwirte vergisst, verliert seine Zukunft.'