TKP-Generalsekretär Kemal Okuyan zur Lösung des Kurdenkonflikts: „Das Problem wird sich weiter verschärfen“
Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP), Kemal Okuyan, argumentierte in seiner Bewertung des Rahmen-Gesetzes und des Lösungsprozesses, dass dieser Prozess neue Probleme schaffen werde.
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Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP), Kemal Okuyan, äußerte sich zum sogenannten Lösungsprozess und dem in der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) verabschiedeten Rahmen-Gesetz. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal soL betonte Okuyan, dass der Prozess im Zusammenhang mit der Innenpolitik der Türkei und ihrer regionalen Ausrichtung betrachtet werden müsse.
Okuyan widersprach der Darstellung, dass der aktuelle Prozess eine Lösung darstelle, und warnte: „Das Kurdenproblem wird sich weiter verschärfen.“ Der TKP-Vorsitzende erklärte: „Das Kurdenproblem wird jetzt dazu benutzt, den Weg für eine Transformation zu ebnen und dafür Unterstützung zu finden. Das ist keine Lösung. Die Türkei steuert unter dem NATO-Schirm auf neue Konflikte zu.“
BETONUNG DES RAHMEN-GESETZES
Bei der Erläuterung, warum die TKP das in der TBMM verabschiedete Rahmen-Gesetz ablehnt, argumentierte Okuyan, dass die Debatte nicht auf Begriffe wie „Waffenstillstand“, „Frieden“ oder „Konsens“ beschränkt werden dürfe. Er wies darauf hin, dass man eine „Übereinstimmung der Richtung“ zwischen den Entwicklungen in der Region, der Umstrukturierung der türkischen Innenpolitik und den außenpolitischen Präferenzen der Regierung sehe.
Okuyan betonte, dass die Haltung der TKP nicht auf eine „weder-noch“-Position reduziert werden könne. „Hier geht es um ein Programm, wie dieses Land wieder auf die Beine kommen soll“, sagte er. Laut Okuyan könne eine Diskussion über das Kurdenproblem nicht unabhängig von den Themen Arbeit, Laizismus, Republik und Imperialismus geführt werden.
Okuyan behauptete, die Regierung bringe die These vor, dass „wenn das Kurdenproblem gelöst wird, alle Probleme der Türkei gelöst sind“, und dass auch aus dem Umfeld der DEM-Partei entsprechende Einschätzungen kämen. Er argumentierte jedoch, dass Wohlstand, Frieden und Demokratie nicht möglich seien, solange ein Programm zur Unterdrückung der Arbeiterklasse, zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit der NATO und zur Umsetzung neuer regionaler Vorstöße mit den USA in Kraft sei.
Unter Bezugnahme auf die historische Rolle der Republik behauptete Okuyan, der aktuelle Prozess ziele darauf ab, den gesellschaftlichen Widerstand zu brechen. „Die Probleme der Türkei können nicht durch ethnische Codes oder religiöse Referenzen gelöst werden“, sagte Okuyan und fügte hinzu, dass auch die Politik der Verbote und der Leugnung zu den Faktoren gehöre, die das Problem blockierten.
OPERATION GEGEN SÜLEYMANCILAR UND POLITISCHES TIMING
Okuyan äußerte sich auch zum Zeitpunkt der Operation gegen die Süleymancılar-Gemeinschaft. Er erklärte, dass Sekten und religiöse Orden in der Türkei zu einem untrennbaren Bestandteil des politischen und wirtschaftlichen Systems geworden seien. Diese Strukturen seien sowohl innerhalb der Parteien einflussreich als auch zu wirtschaftlichen Machtzentren geworden.
Okuyan, der behauptete, dass die Vorbereitungen für die Operation bereits Monate zuvor getroffen worden seien, sagte: „Man muss sich fragen, warum gerade jetzt. Ich denke, einer der Gründe ist definitiv das Rahmen-Gesetz.“ Laut Okuyan wolle die Regierung denjenigen, die dem Lösungsprozess kritisch gegenüberstehen, die Botschaft senden: „Wir greifen auch gegen Sekten durch.“
Okuyan wies darauf hin, dass die gesamte Struktur der Sekten ein Problem darstelle, und lenkte die Aufmerksamkeit auf die wirtschaftliche Macht der Süleymancılar. Er kritisierte, dass der Staat zwar die Ausgaben einiger Kommunen prüfe, aber jahrelang zu den großen Vermögenswerten dieser Strukturen geschwiegen habe, und bezeichnete die Sekten als unregistriert und unkontrolliert.
Okuyan bewertete auch die Haltung von Özgür Özel zum Entwurf des Rahmen-Gesetzes. Er sagte, dass Berechnungen auf Basis der parlamentarischen Arithmetik nicht ausreichten, um die Probleme des Landes zu erklären, und betonte, dass wichtige Fragen nicht mit „kleinlichen Kalkulationen“ angegangen werden könnten.
Auf die Frage nach der allgemeinen Haltung der Linken antwortete Okuyan, dass er bis auf einen begrenzten Teil keinen klaren Widerspruch sehe und fügte hinzu: „Letztendlich ist wieder ein ‚Nicht genug, aber ja‘ entstanden.“