Tuğrul Türkeş reagiert auf Mehmet Uçums Äußerungen zum EGMR: „Geistige Umnachtung“
Der AKP-Abgeordnete für Ankara, Tuğrul Türkeş, stellt sich gegen die Debatte über einen Austritt aus der EMRK nach dem Kavala-Urteil und betont die Bedeutung des Rechtsstaats.
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Der AKP-Abgeordnete für Ankara, Tuğrul Türkeş, hat auf die Debatte über einen Austritt aus der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) reagiert, die nach dem vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verkündeten Urteil „Kavala Nr. 2“ im Fall Osman Kavala erneut aufgeflammt war.
In einer schriftlichen Erklärung mit dem Titel „Zur türkischen Rechtspolitik im Hinblick auf die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte“ kritisierte Türkeş die Diskussionen, die nach den Bewertungen des Chefberaters des Präsidenten, Mehmet Uçum, zum EGMR geführt wurden. Türkeş erinnerte daran, dass die Verbindungen der Türkei zum Europarat und zur EMRK auf eine lange Tradition zurückblicken, und betonte, dass diese Errungenschaften nicht ignoriert werden dürften.
Türkeş erklärte, dass die Türkei seit über 70 Jahren Mitglied des Europarats und Vertragspartei der EMRK sei. Er wies darauf hin, dass das Recht auf Individualbeschwerde 1987 und die obligatorische Zuständigkeit des EGMR 1990 anerkannt wurden.
REAKTION: „GEISTIGE UMNACHTUNG“
Türkeş betonte, dass die Türkei aufgrund ihrer geografischen Lage, ihrer historischen Erfahrung und ihrer geopolitischen Interessen eine mehrdimensionale Außenpolitik verfolgen müsse. Er merkte an, dass die Beziehungen zu Europa ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Politik seien und Themen wie die Europäische Union, die EMRK und der EGMR nicht als unwichtig abgetan werden könnten.
Laut Türkeş könnte das Ignorieren der Errungenschaften in diesem Bereich langfristig das Risiko rechtlicher, wirtschaftlicher und politischer Instabilität bergen. Der AKP-Abgeordnete bezeichnete einen solchen Ansatz als „eine regelrechte geistige Umnachtung“.
In seiner Erklärung betonte Türkeş die Bedeutung von Recht und Gerechtigkeit und erklärte, dass eine für alle gleichermaßen funktionierende Rechtsordnung die Grundvoraussetzung für Entwicklung, Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt sei. Er vertrat die Ansicht, dass Osman Kavala und ähnliche Fälle innerhalb der geltenden Rechtsnormen durch das „nationale Recht“ gelöst werden könnten und es dafür keiner Intervention externer Stellen bedürfe.
Türkeş erklärte, dass solche Probleme möglicherweise nicht aufträten, wenn die bestehende Verfassung und die Gesetze für alle gleichermaßen, fair und transparent angewendet würden. Dies sei auch der Grund gewesen, warum er vor etwa zwei Jahren diesbezügliche Initiativen ergriffen habe.
Türkeş betonte, dass juristische Entscheidungen unabhängig von politischen und ideologischen Debatten bewertet werden müssten. Es gehe nicht nur um Osman Kavala, sondern das eigentliche Thema sei der Gerechtigkeitsanspruch aller Bürger der Republik Türkei. Türkeş bezeichnete die Möglichkeit eines Austritts der Türkei aus der EMRK als „wahnsinnig“ und die Tatsache, dass hochrangige Verantwortungsträger diese Möglichkeit überhaupt zur Sprache brächten, als „kafkaeske Absurdität“.