Prof. Dr. Süleyman İrvan: 'Das Problem ist nicht die Anzahl der Kriminalitätsmeldungen, sondern die Art der Darstellung'

Prof. Dr. Süleyman İrvan bewertet die Auswirkungen von Kriminalitätsmeldungen in den Medien auf die Gesellschaft und betont, dass Nachrichten über Straftaten im Rahmen ethischer Grundsätze präsentiert werden müssen. İrvan, der sagt: „Entscheidend ist, wie die Nachricht vermittelt wird“, weist darauf hin, dass die Sprache der Medien eine Kultur der Angst nähren kann.

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Kriminalitätsmeldungen, die in den Medien häufig vorkommen, erzeugen unterschiedliche psychologische Auswirkungen auf die Gesellschaft. Prof. Dr. Süleyman İrvan, Leiter des Fachbereichs Journalismus an der Kommunikationsfakultät der Üsküdar-Universität, bewertete den Stellenwert von Kriminalitätsnachrichten auf der Medienagenda und deren Einfluss auf die Gesellschaft. İrvan erklärte, dass eine vollständige Abschaffung oder Reduzierung von Kriminalitätsmeldungen keine Lösung sei; das eigentliche Problem liege in der Art und Weise, wie diese Nachrichten präsentiert werden.

Hier sind die wichtigsten Punkte aus den Erklärungen von Prof. Dr. Süleyman İrvan, Leiter des Fachbereichs Journalismus an der Kommunikationsfakultät der Üsküdar-Universität: 

''NICHT DIE ANZAHL DER KRIMINALITÄTSMELDUNGEN IST DAS PROBLEM, SONDERN DIE ART DER DARSTELLUNG!''

Heutzutage räumen die Medien Kriminalitätsmeldungen viel Platz ein. Dies hat verschiedene psychologische Auswirkungen auf die Zuschauer. Prof. Dr. Süleyman İrvan, der den Stellenwert von Kriminalitätsnachrichten auf der Medienagenda und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft bewertete, erklärte, dass die Häufigkeit solcher Meldungen insbesondere bei Fernsehzuschauern einen Effekt erzeugen kann, der als „Mean-World-Syndrom“ (Syndrom der grausamen Welt) bezeichnet wird.

Auf die Frage, ob eine Verringerung der Dichte an Kriminalitätsmeldungen das gesellschaftliche Vertrauen stärken würde, sagte Prof. Dr. İrvan: „Wir sollten die Lösung nicht in der Reduzierung von Kriminalitätsmeldungen suchen, sondern darin, sie im Rahmen ethischer Grundsätze zu präsentieren. Nicht die Anzahl der Kriminalitätsmeldungen verursacht das Problem, sondern die Art ihrer Darstellung.“ 

Prof. Dr. Süleyman İrvan, Leiter des Fachbereichs Journalismus an der Kommunikationsfakultät der Üsküdar-Universität, bewertete den Stellenwert von Kriminalitätsnachrichten auf der Medienagenda und deren Einfluss auf die Gesellschaft.

KRIMINALITÄTSMELDUNGEN HABEN EINEN HOHEN NACHRICHTENWERT 

Prof. Dr. Süleyman İrvan wies darauf hin, dass der Hauptgrund für die Präsenz von Kriminalitätsmeldungen in den Nachrichtenbulletins deren hoher Nachrichtenwert sei. Prof. Dr. İrvan erklärte, dass Kriminalitätsereignisse wie Diebstahl oder Mord Sicherheitsbedenken in der Gesellschaft auslösten und dies das Interesse an den Nachrichten erhöhe: „Für Medienorganisationen ist die Berichterstattung über Kriminalität keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Welche Ereignisse jedoch zur Nachricht gemacht werden und wie sie präsentiert werden, hängt von den jeweiligen redaktionellen Richtlinien der Medienorganisation ab.“

FÜHRT ZUM ''MEAN-WORLD-SYNDROM''

Prof. Dr. İrvan erklärte, dass die Häufigkeit von Kriminalitätsmeldungen insbesondere bei Fernsehzuschauern das sogenannte „Mean-World-Syndrom“ auslösen könne, und sagte, dass Zuschauer, die ständig mit Nachrichten über Straftaten konfrontiert werden, ihre Wohnorte als gefährlicher wahrnehmen könnten, als sie tatsächlich sind.

Er betonte, dass sich diese Situation auch im täglichen Leben widerspiegele und zu einem wachsenden Gefühl der Unsicherheit bei den Individuen führe. Er verwies darauf, dass die Menschen in den 2000er Jahren, als im Fernsehen ständig über Handtaschenraub berichtet wurde, begannen, vorsichtiger und wachsamer zu sein.

Auf die Frage, ob die ständige Hervorhebung von Kriminalitätsmeldungen eine Kultur der Angst schaffe, erklärte Prof. Dr. İrvan, dass für eine definitive Antwort wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich seien, fügte jedoch hinzu: „Selbst wenn die Medien keine Kultur der Angst schaffen, werden sie diese zumindest nähren.“

GEWALTMELDUNGEN KÖNNEN ''MORALISCHE EMPÖRUNG'' AUSLÖSEN 

Prof. Dr. İrvan wies darauf hin, dass die häufige Darstellung von gewalthaltigen Nachrichten in der Gesellschaft „moralische Empörung“ auslösen könne, und sagte, dass Ereignisse wie Frauenmorde und Kindesmissbrauch in der Öffentlichkeit für Aufruhr sorgten. Unter Verweis auf den Fall des Mordes an Narin vor einigen Monaten erklärte Prof. Dr. İrvan, dass das Interesse der Medien an solchen Ereignissen dazu führe, dass Verfahren schneller abgeschlossen und die Täter härter bestraft würden.

WIR MÜSSEN DIE LÖSUNG IN ETHISCHEN GRUNDSÄTZEN SUCHEN

Bezüglich der Frage, ob eine Verringerung der Dichte an Kriminalitätsmeldungen das gesellschaftliche Vertrauen stärken würde, sagte Prof. Dr. İrvan: „Wir sollten die Lösung nicht in der Reduzierung von Kriminalitätsmeldungen suchen, sondern darin, sie im Rahmen ethischer Grundsätze zu präsentieren. Nicht die Anzahl der Kriminalitätsmeldungen verursacht das Problem, sondern die Art ihrer Darstellung. Das Problem ist die sensationelle Art der Berichterstattung und die Entstehung einer Wahrnehmung von Straflosigkeit in der Gesellschaft. Die Gesellschaft erwartet, dass Straftäter fair und schnell bestraft werden. Die Verantwortung, das Vertrauen in die Justiz zu stärken, liegt nicht bei den Medien, sondern bei den Justizinstitutionen.“

Prof. Dr. Süleyman İrvan fügte hinzu, dass Kriminalitätsmeldungen zwar die gesellschaftlichen Sicherheitsbedenken erhöhen könnten, die Rolle der Medien jedoch darin bestehe, die Gesellschaft im Rahmen ethischer Grundsätze vollständig und korrekt zu informieren.