Steuerliche Kalkulation im türkischen Fußball ändert sich: Transferkosten könnten steigen

Der Experte für Fußballökonomie Evren Özcan erklärte, dass die steuerlichen Verpflichtungen von Fußballspielern in der neuen Ära die Transferkosten der Vereine in die Höhe treiben könnten.

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Der auf Fußballökonomie spezialisierte vereidigte Wirtschaftsprüfer Evren Özcan wies darauf hin, dass steuerliche Praktiken im türkischen Fußball auf dem Transfermarkt künftig eine entscheidendere Rolle spielen werden. Laut Özcan bleibt die Erwartung der Spieler an ein Nettoeinkommen zwar unverändert, doch die Frage, wer die Steuerlast trägt, wird die Gesamtkosten der Vereine direkt beeinflussen.

In der Sendung „Ters Köşe“ bei Radyospor erläuterte Özcan, dass die Vereine in der Süper Lig zwar Quellensteuern auf Spielergehälter abführen, für Fußballer mit hohem Einkommen jedoch zusätzlich eine Steuererklärungspflicht bestehe.

„Die Einkünfte der Sportler fallen unter die Kategorie der Lohneinkünfte. Für Spieler der Süper Lig führt der Verein Quellensteuer ab und zahlt diese an den Staat. Fußballer mit hohem Einkommen müssen jedoch zusätzlich eine eigene Steuererklärung abgeben.“

Özcan betonte, dass vertragliche Vereinbarungen, wonach die Steuer vom Verein übernommen wird, die Verantwortung des Spielers gegenüber der Finanzverwaltung nicht aufheben. „Der Steuerpflichtige ist der Fußballer selbst“, so Özcan, der hinzufügte, dass auch ausländische Spieler, die die Türkei verlassen, mit Steuernachforderungen aus vergangenen Zeiträumen konfrontiert werden können.

NEUE BELASTUNG FÜR TRANSFERKOSTEN

Özcan erklärte, dass sich die Transferverhandlungen ändern würden, falls die Steuerlast beim Spieler verbleibe. Da die Spieler von ihren geforderten Nettovergütungen nicht abrücken würden, könnten die Bruttokosten steigen.

„Egal ob türkisch oder ausländisch, die Nettozahlen, die die Spieler fordern, werden sich nicht ändern. Deshalb werden die Honorare steigen. Wer bisher 1 Lira erhielt, wird nun 1,20 verlangen.“

Özcan sagte, dass die Übernahme der Steuer durch den Verein bei der Verpflichtung ausländischer Spieler in die Türkei bisher einen wichtigen Vorteil dargestellt habe. Da sich diese Kalkulation in der neuen Ära jedoch ändern könnte, prognostizierte Özcan: „Die Transfersaison 2027-2028 wird finanziell nicht einfach werden.“

Özcan widersprach der Wahrnehmung, dass Fußballer keine Steuern zahlten, und betonte, dass von Sportlern mit hohen Gehältern erhebliche Steuerbeträge erhoben würden. Einige Fußballer zählten zu den Steuerrekordhaltern, weshalb die in der Öffentlichkeit verbreitete Vorstellung einer „Steueroase“ irreführend sei.

Özcan wies zudem darauf hin, dass Bildrechte einen bedeutenden Teil der Einkünfte außerhalb des Gehalts ausmachten. Er erklärte, dass einige Spitzenfußballer ihre Bildrechte über eigene Unternehmen kommerzialisierten und diese Einnahmequelle bei Sponsorenverträgen durch verschiedene Modelle von Vereinen und Sponsoren abgedeckt werden könne.

Spieler, die aus dem Ausland in die Türkei wechseln, würden die Steuerlast nun als einen Faktor betrachten, der die Transferentscheidung beeinflussen könne, so Özcan. Ligen mit Steuervorteilen, wie etwa in Saudi-Arabien, könnten hierbei einen Wettbewerbsvorteil haben. Özcan berichtete zudem, dass ein kürzlich geplanter Transfer aufgrund der Steuerlast nicht zustande gekommen sei.

Bezüglich der Vermittlerprovisionen sagte Özcan, dass die derzeitige Vergütungsstruktur im Hinblick auf Transparenz diskutiert werden müsse. Das von der FIFA geplante zentrale Zahlungssystem „Clearing House“ könne die Kontrolle bei Vermittlerzahlungen erhöhen, betonte Özcan und forderte, dass das Vermittlersystem auch in der Türkei transparenter gestaltet werden müsse.