Gefängnisse in der Türkei sind überfüllt
Die Auslastung der Gefängnisse in der Türkei hat einen neuen Rekord erreicht, wobei die Kapazität um mehr als 100.000 Plätze überschritten wurde. Während die Gesamtzahl der Inhaftierten in 403 Justizvollzugsanstalten auf fast 412.000 gestiegen ist, fällt insbesondere die Überbelegung in den geschlossenen Vollzugsanstalten auf.
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Die Überbelegung in den türkischen Gefängnissen hat laut aktuellen Daten ein neues Rekordniveau erreicht. Während die Gesamtkapazität der 403 Gefängnisse auf 304.956 Plätze festgelegt ist, stieg die Zahl der dort inhaftierten Personen auf 412.991. Damit wurde die Kapazität der Gefängnisse um mehr als 35 Prozent überschritten, und die Zahl der Häftlinge, die über die Kapazitätsgrenze hinaus untergebracht sind, liegt bei über 108.000. Dieser Anstieg ist besonders in den geschlossenen Vollzugsanstalten deutlich; innerhalb eines Monats verzeichnete die Gesamtauslastung der Gefängnisse einen Anstieg um 5,6 Prozent.
Wie aus einem Bericht von Cumhuriyet hervorgeht, befinden sich 114.418 Personen in offenen und 298.573 Personen in geschlossenen Vollzugsanstalten. Die Zahl der in geschlossenen Einrichtungen untergebrachten Häftlinge stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,73 Prozent und macht 72,3 Prozent der Gesamtzahl aus. Den Großteil der Inhaftierten bilden 348.735 Verurteilte, während die Zahl der Untersuchungshäftlinge mit 64.256 registriert wurde.
SITUATION VON KINDERN UND MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN IN GEFÄNGNISSEN
Besonders die Präsenz schutzbedürftiger Gruppen in den Gefängnissen ist besorgniserregend. In den Haftanstalten leben 891 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren gemeinsam mit ihren Müttern. Insgesamt sind 4.524 Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren als Untersuchungshäftlinge oder Verurteilte untergebracht, davon sind 216 Mädchen. Zudem befinden sich 476 inhaftierte Menschen mit Behinderungen in den Gefängnissen; unter den Behinderungen überwiegen Seh-, Hör- und orthopädische Beeinträchtigungen. Die Zahl der Häftlinge über 65 Jahren hat 6.572 erreicht.
Auch die Daten zu inhaftierten Frauen zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Im Vergleich zum Vormonat gab es einen Anstieg der Zahl inhaftierter Frauen um 2,01 Prozent auf 19.728. Obwohl der Anteil der Frauen an der Gesamtbevölkerung gering ist, weisen Experten darauf hin, dass Frauen in Gefängnissen unverhältnismäßig häufig Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind, und bewerten dies als Spiegelbild der geschlechtsspezifischen Ungleichheit.
BILDUNG, ARBEIT UND ALLTAG
Es wurde verzeichnet, dass 77.014 Häftlinge ihre Ausbildung fortsetzen und 58.500 einer versicherungspflichtigen Arbeit nachgehen. Darüber hinaus befinden sich 200 LGBTI+-Häftlinge und 14.276 ausländische Staatsangehörige in den Gefängnissen.
Die täglichen Verpflegungskosten in den Gefängnissen wurden für das Jahr 2025 für Verurteilte, Untersuchungshäftlinge und Personal auf 144 TL festgelegt; für Kinder sowie schwangere und stillende Frauen liegt der Betrag bei 275 TL.
DIE LAGE VERSCHLECHTERT SICH VON TAG ZU TAG
Die zunehmende Überbelegung der Gefängnisse in der Türkei führt insbesondere für kranke, ältere, weibliche und minderjährige Häftlinge zu erheblichen Risiken. Der Platzmangel und die überfüllten Umgebungen erzeugen negative Bedingungen, die einen ernsthaften Druck auf die physische und psychosoziale Verfassung der Häftlinge ausüben. Experten erklären, dass das Strafvollzugssystem nicht nur unter numerischen, sondern auch unter strukturellen Problemen leidet und die derzeitigen Bedingungen ein bedeutendes Menschenrechtsproblem darstellen, das nach einer Lösung verlangt.