Ägyptens Nichtbeteiligung am Mekka-Pakt wird in Kairo debattiert: Ausgleichspolitik und regionale Risiken im Fokus
Dass Ägypten dem von der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan unterzeichneten Verteidigungsabkommen nicht beigetreten ist, hat in Kairo zu Spekulationen über eine vorsichtige regionale Ausgleichspolitik geführt.
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Dass Ägypten dem gemeinsamen Verteidigungsabkommen, das die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan am 7. August in Mekka unterzeichnet haben, nicht beigetreten ist, sorgt in der arabischen Presse und in diplomatischen Kreisen für Diskussionen. Die Unterzeichner des als „Mekka-Pakt“ bezeichneten Abkommens betonen, dass der Text gegen kein Land gerichtet sei und für weitere Staaten offenstehe.
Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der pakistanische Außenminister Ishaq Dar betonten, dass es sich um eine Verteidigungskooperation handele, die sich nicht gegen Dritte richte. Auch Außenminister Hakan Fidan bezeichnete Ägypten in einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu als „natürlichen Partner“ der drei Unterzeichnerstaaten und deutete an, dass ein späterer Beitritt möglich sei.
Dass Fidan am 13. und 14. August zu Gesprächen nach Ägypten reist, hat die Debatte über Kairos Haltung weiter befeuert. Analysen in der arabischen Presse legen jedoch nahe, dass Ägyptens distanzierte Haltung gegenüber dem Abkommen nicht nur eine rein technische verteidigungspolitische Entscheidung ist, sondern mit einer umfassenderen außenpolitischen Kalkulation zusammenhängt.
KAIROS VORBEHALTE
Wie BBC Monitoring berichtet, dominiert in der ägyptischen Presse die Ansicht, dass Kairo es vermeidet, voreilige Schritte zu unternehmen. Emadeddin Hussein, Redakteur der Zeitung Al-Shorouk, schrieb, Ägypten sei seit Monaten über das Abkommen informiert gewesen und „alle Optionen“ lägen auf dem Tisch. Laut Hussein agiert Kairo vorsichtig in einem Umfeld, in dem die Parteien regionaler Konflikte versuchen, Ägypten und die Region in eine breitere Gleichung hineinzuziehen.
Das unabhängige digitale Medienhaus Mada Masr behauptete, Ägypten sei zwar zur Teilnahme eingeladen worden, habe dies jedoch abgelehnt. Eine in dem Bericht zitierte pakistanische Quelle erklärte, Kairo betrachte das Abkommen nicht nur als Verteidigungskooperation, sondern auch als „politische Ausrichtung“.
Diplomaten aus der arabischen Welt zufolge spielt bei Ägyptens Haltung auch das sensible Gleichgewicht in den Beziehungen zur Türkei, zu Griechenland und zur Republik Zypern eine Rolle. In diesem Zusammenhang wird zudem darauf hingewiesen, dass die wachsende wirtschaftliche Zusammenarbeit Kairos mit Indien es erschwere, sich einem Verteidigungsabkommen mit Pakistan anzuschließen.
DER JEMEN- UND IRAN-FAKTOR
In den Kommentaren zu Ägyptens Entscheidung werden auch der Jemen und der Iran hervorgehoben. Saudi-Arabien führt die Koalition an, die im Jemen militärisch zugunsten der Regierung gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen interveniert. Daher wird angenommen, dass Kairo das Risiko einkalkuliert, durch den Pakt in eine schärfere Konfrontation mit dem Iran oder anderen Akteuren im Jemen gezogen zu werden.
Der Militärexperte Mohammed al-Shahawi bezeichnete Ägyptens Entscheidung gegen eine Teilnahme gegenüber dem russischen Sender RT Arabic als „bewusst und kalkuliert“. Al-Shahawi verwies zudem auf Kairos Vermittlungsbemühungen, die darauf abzielen, eine Ausweitung der Konflikte in der Region zu verhindern.
Der in Saudi-Arabien ansässige Militärexperte Osama Mahmoud Kabeer erklärte ebenfalls, dass Kairos Haltung die Sorge um die nationale Sicherheit und den Wunsch widerspiegele, eine Eskalation regionaler Konflikte zu vermeiden.
Dennoch sind einige Kommentatoren der Ansicht, dass Ägyptens anfängliche Nichtunterzeichnung nicht bedeute, dass die Tür vollständig verschlossen sei. Der in den USA lebende Journalist Mohammed Shahud argumentierte, dass Ägyptens derzeitige Nichtbeteiligung nicht als dauerhafte Absage interpretiert werden sollte.
Der ehemalige ägyptische Diplomat Masum Merzuk erinnerte daran, dass Kairo am 21. Juni ein Treffen mit den Paktstaaten abgehalten habe, und betonte, dass Ägyptens Fernbleiben vom Abkommen „Fragen aufwirft, die klare Antworten erfordern“. Diese Einschätzungen zeigen, dass der Mekka-Pakt nicht nur von den Unterzeichnerstaaten, sondern auch im Hinblick auf das regionale Machtgefüge genau beobachtet wird.