Anklageschrift gegen IMM findet breites Echo in der Weltpresse: 'Die Justiz wurde zum Instrument der Politik'

Die gegen den Bürgermeister von Istanbul (IMM), Ekrem İmamoğlu, erstellte Anklageschrift, die eine Haftstrafe von bis zu 2.352 Jahren vorsieht, hat in der Weltpresse ein breites Echo ausgelöst. Internationale Medien bewerten den Fall als einen kritischen Wendepunkt für die Türkei in Bezug auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

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Die Anklageschrift gegen den inhaftierten Präsidentschaftskandidaten der CHP und Bürgermeister von Istanbul (IMM), Ekrem İmamoğlu, in der eine Haftstrafe von bis zu 2.352 Jahren gefordert wird, hat in der internationalen Presse breiten Raum eingenommen.

Führende Publikationen weltweit interpretierten diesen Fall als eine große Bewährungsprobe für die demokratischen Standards, die rechtsstaatlichen Prinzipien und den Wahlwettbewerb in der Türkei.

Dass die Anklageschrift mehr als 3.000 Seiten umfasst und 142 separate Anklagepunkte enthält, verstärkte die Einschätzungen, dass dies Teil einer groß angelegten politischen Operation sein könnte. In den Berichten wurde zudem betont, dass İmamoğlu als der „stärkste politische Rivale“ des AKP-Vorsitzenden und Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan angesehen wird.

BBC NEWS: „AUSSERGEWÖHNLICH UMFASSENDE POLITISCHE ERMITTLUNG“

Die BBC bezeichnete die erstellte Anklageschrift als „eine der umfassendsten politischen Ermittlungen der letzten Jahre“. In dem Bericht wurde darauf hingewiesen, dass İmamoğlu sich wegen 142 separater Anklagepunkte verantworten muss und die Verhaftung „die größte Protestwelle des letzten Jahrzehnts“ ausgelöst hat.

In der Berichterstattung wurde zudem ausführlich auf die Erklärungen der CHP-Führung eingegangen, wonach „dieser Prozess nicht rechtlicher, sondern rein politischer Natur“ sei.

FINANCIAL TIMES: „BEISPIELLOSE STRAFFORDERUNG“

Die Financial Times (FT) bewertete die Anklageschrift als „einen Prozess, der darauf abzielt, İmamoğlu politisch vollständig auszuschalten“.

Während die Zeitung die im Dossier enthaltene Behauptung eines öffentlichen Schadens in Höhe von 160 Milliarden TL als ungewöhnlich bezeichnete, erinnerte sie an die Proteste nach der Verhaftung im März sowie an die Interventionen der Zentralbank zur Stützung der Lira.

Laut FT könnte der Fall langfristige Folgen für die politische Stabilität und die Investitionssicherheit der Türkei haben.

BLOOMBERG: „MÄRKTE ERSCHÜTTERT, RISIKOWAHNEHMUNG GESTIEGEN“

Bloomberg behandelte den Fall unter dem Aspekt seiner wirtschaftlichen Auswirkungen.

In dem Bericht wurde festgestellt, dass es nach der Bekanntgabe der Anklageschrift zu starken Kursverlusten an der Börse Istanbul und einem Anstieg der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen kam, was die Sorgen ausländischer Investoren hinsichtlich der rechtlichen Vorhersehbarkeit verstärkt habe.

Bloomberg äußerte zudem, dass der Fall die Machtverhältnisse innerhalb der CHP und die mögliche Rolle von İmamoğlu bei den Wahlen 2028 beeinflussen könnte.

THE NEW YORK TIMES: „DIE JUSTIZ WURDE ZUM INSTRUMENT DER POLITIK“

Die New York Times (NYT) kommentierte die Anklageschrift als „ein neues Beispiel dafür, wie Erdoğan seinen Einfluss auf die Justiz festigt“.

In dem Bericht wurde erwähnt, dass die Staatsanwaltschaft İmamoğlu als „Anführer einer Organisation“ bezeichnet und den Vergleich mit einer „die Stadt umspannenden Struktur“ verwendet habe.

Die NYT wies zudem darauf hin, dass Istanbul für Erdoğan eine strategische und symbolische Bedeutung habe, und schrieb, dass die Erfolge von İmamoğlu bei den Wahlen 2019 und 2024 für die Regierung eine „psychologische Schwelle“ darstellten.

DER SPIEGEL: „EIN INSZENIERTER PROZESS“

Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel bezeichnete die Anklageschrift als „inszeniert“.

In dem Bericht wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Anschuldigungen den Eindruck eines „zerfahrenen, inkonsistenten und von politischen Motiven getriebenen Dossiers“ erweckten.

Das Magazin zitierte zudem den Anwalt von İmamoğlu mit den Worten: „Dieser Prozess speist sich aus Angst; diese Angst ist die Möglichkeit, dass İmamoğlu Erdoğan besiegen könnte.“ Es wurde zudem daran erinnert, dass es nach der Verhaftung landesweit zu großflächigen Protesten gekommen war.