Aufsehenerregender Moment im Wahlkampf: Ehemalige DDR-Hymne auf AfD-Wahlkampfveranstaltung gesungen
Auf einer Wahlkampfveranstaltung der rechtsextremen AfD in Deutschland sorgte das Anstimmen der ehemaligen Nationalhymne der sozialistischen DDR für Diskussionen. Während die Teilnahme des AfD-Chefs Tino Chrupalla an der Hymne für Aufmerksamkeit sorgte, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Kabarettisten ein, der das Lied angestimmt hatte.
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Eine Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) in der Stadt Dessau-Roßlau im Bundesland Sachsen-Anhalt sorgte am Ende des Programms für Schlagzeilen. Statt der heutigen deutschen Nationalhymne wurde bei der Veranstaltung das Lied "Auferstanden aus Ruinen", die ehemalige Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik, angestimmt.
Der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla kündigte an, dass der Abschluss mit der deutschen Nationalhymne erfolgen werde. Doch der Kabarettist Uwe Steimle ergriff das Mikrofon und begann, das Werk zu singen, das zwischen 1949 und 1990 die offizielle Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik war.
Wie Sol Haber berichtet, wirkte Chrupalla zunächst überrascht, stimmte jedoch kurz darauf gemeinsam mit dem AfD-Spitzenkandidaten für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, und hunderten Anwesenden im Saal in die Hymne ein. Im Anschluss wurde die heutige deutsche Nationalhymne gespielt.
CHRUPALLA REAGIERT AUF KRITIK
Nach der Veranstaltung löste das Mitsingen der Hymne in der Öffentlichkeit eine Debatte aus, woraufhin Chrupalla auf die Kritik reagierte.
Chrupalla verwies auf die Textzeile "Deutschland, einig Vaterland" und argumentierte, dass diese Worte den Wunsch des deutschen Volkes nach Einheit repräsentierten.
Der AfD-Chef behauptete, dass das Singen der Hymne nachträglich "künstlich skandalisiert" worden sei.
Der Text der besagten Hymne, die zwischen 1949 und 1990 verwendet wurde, stammt von dem kommunistischen Dichter Johannes R. Becher, während die Musik von dem kommunistischen Komponisten Hanns Eisler komponiert wurde, der vor dem NS-Regime ins Exil fliehen musste.
AFD-DISKURS ZUR DDR FÄLLT AUF
Obwohl die AfD das politische und wirtschaftliche System der sozialistischen Ära kritisiert, verfügt sie über eine starke Wählerbasis, insbesondere in den Bundesländern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.
Die Partei stellt in ihrem nationalistischen Diskurs Probleme wie Arbeitslosigkeit, Deindustrialisierung, Bevölkerungsverlust und soziale Unsicherheit in den Vordergrund, die nach der deutschen Wiedervereinigung in den östlichen Bundesländern auftraten.
Während AfD-Funktionäre die Deutsche Demokratische Republik als "Diktatur" bezeichnen, nutzen sie die Nostalgie für diese Zeit in ihrer politischen Rhetorik, um den Unmut gegenüber Westdeutschland und der in Berlin ansässigen politischen Führung zu kanalisieren.
Daher wird das Anstimmen der ehemaligen DDR-Hymne bei der Veranstaltung weniger als eine Annäherung an die sozialistische Vergangenheit, sondern vielmehr als ein Beispiel für die Umdeutung historischer Symbole in einem anderen politischen Rahmen gewertet.
STAATSANWALTSCHAFTLICHE ERMITTLUNGEN GEGEN STEIMLE
Gegen Uwe Steimle, der die Hymne bei der Veranstaltung sang, leitete die Staatsanwaltschaft aufgrund einiger Äußerungen in seiner Rede ein Ermittlungsverfahren ein.
Es heißt, Steimle habe bei seiner Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz auf Claus von Stauffenberg angespielt, eine der Schlüsselfiguren des Attentatsversuchs auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944.
Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Steimles Äußerungen als Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten gewertet werden können.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. In Umfragen liegt die AfD in dem Bundesland vor der regierenden Christlich Demokratischen Union (CDU), während der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt vom Landesamt für Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft wird.
Die Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik:
"Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
lass uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint,
denn es muss uns doch gelingen,
dass die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.
Glück und Friede sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einigen,
schlagen wir des Volkes Feind.
Lasst das Licht des Friedens scheinen,
dass nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint.
Lasst uns pflügen, lasst uns bauen,
lernt und schafft wie nie zuvor,
und der Freiheit Kraft vertrauen,
lohnt sich unser Aufstieg nur.
Deutsche Jugend, bestes Streben
unsres Volks in dir vereint,
wirst du Deutschlands neues Leben.
Und die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint."