Die Wahrnehmung Lettlands als „Frauenparadies“ entspricht nicht der Realität
Überzogene Behauptungen über das Geschlechterverhältnis in Lettland, das in sozialen Medien häufig als ideales Land für alleinstehende Männer dargestellt wird, basieren in Wahrheit auf einer Manipulation von Statistiken.
12punto
Das baltische Land Lettland erregt im Internet mit Beiträgen zum Thema „Männermangel“ großes Aufsehen. Insbesondere Kampagnen einiger indischer Tourismusunternehmen unter dem Motto „Lettland ruft dich“ sowie Videos, die suggerieren, dass Frauen dort Schwierigkeiten hätten, Männer zu finden, vermitteln das Bild, als sei das Land für alleinstehende Männer geradezu ein vorteilhafter Ort.
Es wird sogar häufig behauptet, dass Lettland aufgrund von Zahlen wie „Männermangel“ und „116 Frauen auf 100 Männer“ ein attraktives Reiseziel für alleinstehende Männer sei.
Einigen Beiträgen zufolge soll die weibliche Bevölkerung im Land um 15 % höher sein als die männliche, wobei auch auf extreme Beispiele wie „Ehemann-Vermietungsdienste“ verwiesen wird. Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese in den sozialen Medien verbreitete Wahrnehmung nicht der Realität entspricht.
Nach Angaben von Experten für Demografie und Analysten von Bevölkerungsdaten ist der Frauenüberschuss in Lettland größtenteils auf die ältere Bevölkerung zurückzuführen. In der Altersgruppe über 65 Jahren ist der Frauenanteil deutlich höher als der der Männer. Der Grund hierfür ist, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern deutlich niedriger ist als die von Frauen.
Das bedeutet: Auch wenn es in Lettland insgesamt einen Frauenüberschuss gibt, gilt dieser Unterschied nicht für die junge und mittlere Altersgruppe. Im Gegenteil: Unter jungen Menschen im heirats- und beziehungsfähigen Alter gibt es mehr Männer als Frauen. Experten betonen, dass die in den sozialen Medien kursierenden Videos über „Frauen, die keinen Partner finden können“, nicht der Wahrheit entsprechen, und unterstreichen, dass diese im Internet verbreiteten Geschichten meist aus Gründen des Tourismus und der Interaktion übertrieben werden.
Obwohl die Fehlinterpretation demografischer Gleichgewichte in der lettischen Gesellschaft falsche Erwartungen an das Land weckt, liegen die Fakten in den statistischen Details verborgen.
In letzter Zeit fanden solche Nachrichten sowohl in der Weltpresse als auch in den türkischen Medien Beachtung. Fuat Aydemir, der Lettland-Vorsitzende des Welt-Türkischen Wirtschaftsrates (DTIK), sprach gegenüber 12punto über das Thema und erklärte, dass die Behauptungen nicht der Realität entsprächen.
Aydemir äußerte sich wie folgt:
„Wir waren selbst sehr überrascht, als wir diese Nachrichten zum ersten Mal sahen. Besonders die Berichte über die einstündige Vermietung von Ehemännern stießen auf großes Interesse. Dies war jedoch lediglich eine Wahrnehmung und handelte sich um Inhalte, die auf Auflage und Klicks ausgelegt waren. Denn als wir das Thema untersuchten, wurde deutlich, dass Anzeigen für Hausreparaturen verzerrt und auf interessante Weise dargestellt wurden. Die weibliche Bevölkerung in Lettland ist sehr aktiv. Sie sind Teil des Arbeitslebens und der Bildungsstand der Frauen ist auf einem äußerst hohen Niveau. Die von einigen Kreisen zu schaffende Wahrnehmung, dass es in Lettland keine Männer mehr gebe, entspricht nicht der Wahrheit, sondern sind Fakten, die leicht aus offenen Quellen verifiziert werden können.“
(Fuat Aydemir - Vorstandsmitglied der Lettisch-Türkischen Handelskammer / Lettland-Vorsitzender des Welt-Türkischen Wirtschaftsrates)