Vatikan-ähnlicher 'Bektaschi-Staat' soll in Albanien gegründet werden
Albanien plant die Gründung eines Mikrostaates in Tirana, der auf dem Bektaschi-Orden basiert. Wie berichtet wird, soll dieser Vatikan-ähnliche Staat auf 'Toleranz und Religionsfreiheit' gründen. Premierminister Rama erklärt, das Projekt ziele darauf ab, der Welt eine 'tolerantere Version des Islam' zu präsentieren.
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12PUNTO AUSLANDSREDAKTION
Albanien bereitet die Gründung eines unabhängigen Mikrostaates in Tirana vor, der auf dem Bektaschi-Orden aufbauen soll. Der albanische Premierminister Edi Rama erklärte, der zu gründende Staat werde eine 'tolerante Interpretation des Islam' repräsentieren. Das Projekt zielt darauf ab, nach dem 'Vatikan-Modell' eine souveräne staatliche Struktur zu schaffen. Der Bektaschi-Staat, der auf einer Fläche von 109 Hektar errichtet werden soll, wird auf 'Religionsfreiheit' und 'Toleranz' basieren.
Rama betonte, dass der neu zu gründende Staat auf den Glaubenssätzen und Lehren des Bektaschi-Ordens errichtet werde. Mit der Umsetzung des Plans würde dieser Mikrostaat nach einem dem Vatikan ähnlichen Modell verwaltet werden und der 'kleinste Staat der Welt' sein.
Gegenüber der amerikanischen Zeitung New York Times (NYT) erklärte Rama, der zu gründende Staat ziele darauf ab, 'eine tolerante Version des Islam zu fördern, auf die Albanien stolz ist'.
Während angekündigt wurde, dass die Pläne im kommenden Jahr bekannt gegeben werden, heißt es, Albanien wolle mit diesem Projekt die religiöse Vielfalt in der Region unterstreichen.
Andererseits wurde in der NYT kommentiert, dass der Iran das Projekt aus sektiererischen Gründen ablehnen könnte. Edi Rama erklärte, er kümmere sich nicht um mögliche Reaktionen aus dem Iran. Nach den Cyberangriffen auf Albanien im Jahr 2022 waren die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen worden. Mit dem Projekt des Bektaschi-Staates scheint eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zum Iran wahrscheinlich.
Der albanische Premierminister Edi Rama
GESETZ FÜR 'VATIKAN-MODELL' IN VORBEREITUNG
Der Staat, der auf einem 109 Hektar großen Gelände in der Hauptstadt Tirana errichtet werden soll, wird wie der Vatikan über eine eigene Verwaltung und eigene Pässe verfügen. Ein Team aus Rechtsexperten arbeitet derzeit an dem Gesetzentwurf, der die Souveränität des neuen Staates definieren soll.
Der Entwurf muss vom Parlament gebilligt werden, das von Ramas Sozialistischer Partei kontrolliert wird. Es ist jedoch noch unklar, welche Länder diesen Mikrostaat anerkennen werden.
Albanien ist eines der Länder, in denen der Bektaschi-Glaube weltweit am stärksten verbreitet ist
WIE WIRD DIE STRUKTUR DES 'BEKTASCHI-STAATES' AUSSEHEN?
Die Führung des neuen Staates wird der als 'Baba Mondi' bekannte Bektaschi-Anführer Edmond Brahimaj übernehmen. Baba Mondi erklärte, der Staat werde nach einem System verwaltet, das auf den Grundpfeilern der Toleranz beruhe.
Im Gegensatz zu traditionellen islamischen Regeln wird der Bektaschi-Staat kein Alkoholverbot durchsetzen und nicht in die Kleidungswahl von Frauen eingreifen. Zudem wird es keinerlei Einschränkungen des Lebensstils geben.
Für den Bektaschi-Staat wird eine kleine Nachrichtendienst-Einheit eingerichtet, jedoch wird es keine Armee, keine Grenzwachen und keine Gerichte geben.
Als Passfarbe wurde 'Grün' gewählt, das mit dem Islam assoziiert wird. Baba Mondi betonte die Notwendigkeit dieses Staates für den Bektaschi-Orden mit den Worten: 'Wir verdienen einen Staat. Wir sind diejenigen, die die Wahrheit über den Islam sagen.'
Bektaschi-Anführer Edmond Brahimaj
WAS IST DER BEKTASCHISMUS?
Der Bektaschismus ist eine sufistische Interpretation des Islam, die an die Existenz Gottes, an den Koran als wahres Buch und an den Propheten Mohammed als letzten Propheten glaubt. Er erkennt Ali ibn Abi Talib als das erste Glied in der Kette der Heiligen an.
Der Bektaschismus verbreitete sich im 13. Jahrhundert in Anatolien durch die Lehren von Hadschi Bektasch-i Veli und nimmt heute in Albanien einen bedeutenden Stellenwert ein.
Albaniens Projekt eines Bektaschi-Staates zieht weiterhin weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Ob das Projekt erfolgreich sein wird, hängt davon ab, wie es in der internationalen Gemeinschaft aufgenommen wird.
Bektaschi-Anführer interpretierten die Entscheidung zur Staatsgründung als die Wahrnehmung ihrer 'Rechte'