Italiens Entscheidung zur Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien spaltet Europa

Nach dem massiven Migrationsstrom von Marokko in die spanische Exklave Ceuta hat Italiens Entscheidung, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr mit Spanien auszusetzen, eine Krise in Europa ausgelöst.

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Wie die Zeitung Sözcü berichtet, hat der Übertritt von Zehntausenden Migranten von Marokko in die spanische autonome Stadt Ceuta in Nordafrika eine neue Krise innerhalb der Europäischen Union entfacht. Italiens Entscheidung, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr mit Spanien unter Berufung auf den Migrationsstrom vorübergehend auszusetzen, hat die Debatte weiter angeheizt.

Obwohl die spanische Regierung erklärte, dass fast alle Migranten, die Ceuta erreicht hatten, nach Marokko zurückgekehrt seien, haben die Bilder des Andrangs an der Grenze international für großes Aufsehen gesorgt.

AUSSERGEWÖHNLICHE MASSNAHMEN AUS ITALIEN

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte an, dass man zum Schutz der nationalen Sicherheit das Schengen-Abkommen für See- und Luftverbindungen mit Spanien aussetze und Grenzkontrollen wieder einführe. Der italienische Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, dass diese Maßnahme den gesamten August über in Kraft bleiben werde.

Da Ceuta jedoch ohnehin nicht zum Schengen-Raum gehört, wurden Fragen laut, welchen praktischen Nutzen dieser Schritt Italiens haben soll. Die italienische Presse und die Opposition betonen, dass unklar sei, wie die Kontrollen durchgeführt werden sollen, und warnen vor einem großen Chaos an den Flughäfen während der Sommersaison.

KRITIK AN DER INNENPOLITIK

Oppositionsparteien in Italien werfen der Regierung Meloni vor, die Angst vor Migration zu nutzen, um die rechtsextreme Wählerschaft vor den anstehenden Wahlen zu konsolidieren. Die Generalsekretärin der Demokratischen Partei, Elly Schlein, bezeichnete das Vorgehen der Regierung als ideologisch motiviert und warf Meloni vor, "wie ein Agent Trumps in Europa zu agieren".

Auch der Generalsekretär der Europäischen Demokratischen Partei im Europäischen Parlament, Sandro Gozi, argumentierte, dass die Entscheidung nicht gegen den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez gerichtet sei, sondern ein Schachzug gegen die rechtsextremen Konkurrenten in Italien darstelle.

HARTE REAKTION AUS SPANIEN

Die Reaktion aus Spanien auf die Entscheidung Italiens ließ nicht lange auf sich warten. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska erinnerte daran, dass Ceuta kein Teil des Schengen-Raums sei, und erklärte, dass das Thema für politische Zwecke instrumentalisiert werde.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez sandte ein Schreiben an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, in dem er seine Besorgnis über die Haltung einiger europäischer Regierungen zum Ausdruck brachte. Sanchez betonte, dass man die Grenzkontrolle in weniger als 48 Stunden wiederhergestellt und fast alle Migranten zurückgeführt habe.

Sanchez unterstrich, dass Spanien über eine der sichersten Außengrenzen der EU verfüge, und wies darauf hin, dass die Zahl der irregulären Migranten, die über italienische Grenzen in die EU gelangen, doppelt so hoch sei wie in Spanien. Sanchez forderte eine dringende Sondersitzung der EU-Innenminister, um eine gemeinsame Lösung zu finden.