Massud Peseschkian gewinnt Präsidentschaftswahl im Iran (Wer ist Massud Peseschkian?)

Der reformorientierte Kandidat Massud Peseschkian hat die Stichwahl der Präsidentschaftswahl im Iran gewonnen. Peseschkian ist damit der neunte Präsident des Landes.

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Der reformorientierte Abgeordnete aus Täbris und ehemalige Gesundheitsminister Massud Peseschkian hat in der Stichwahl der 14. Präsidentschaftswahl 53,7 Prozent der Stimmen erhalten und ist damit der neunte Präsident des Landes geworden.

Der Sprecher des Wahlzentrums des iranischen Innenministeriums, Mohsen Eslami, gab auf einer Pressekonferenz im Wahlzentrum des Ministeriums bekannt, dass die Stimmenauszählung der gestrigen Stichwahl abgeschlossen sei.

Eslami teilte mit, dass in den landesweit rund 59.000 Wahllokalen insgesamt 30.530.157 Stimmen abgegeben wurden und Peseschkian 16.384.403 Stimmen erhielt. Damit liegt der Stimmenanteil von Peseschkian bei 53,7 Prozent.

Eslami erklärte, dass der konservative Said Dschalili 13.538.179 Stimmen erhielt. Dschalilis Stimmenanteil blieb bei 44,4 Prozent.

Die Wahlbeteiligung in der Stichwahl lag bei 49,8 Prozent.

WER IST MASSUD PESESCHKIAN?

Massud Peseschkian, der die 14. Präsidentschaftswahl im Iran gegen seinen konservativen Rivalen Said Dschalili gewann und der neunte Präsident des Landes wurde, zeichnet sich nicht nur durch seine politische Vergangenheit, sondern auch durch seine eigene, unverwechselbare Haltung aus.

Der reformorientierte Politiker Peseschkian wurde am 29. September 1954 in der Stadt Mahabad als Kind einer iranisch-aserbaidschanischen Familie geboren und betonte bei jeder Gelegenheit, dass er stolz auf seine türkische Identität sei. Sein Nachname, Peseschkian, bedeutet auf Persisch "Ärzte"; er absolvierte die medizinische Fakultät der Universität Täbris. Während des Iran-Irak-Krieges von 1980 bis 1988 diente er sowohl als Kämpfer als auch als Arzt.

Nachdem er 1985 seine Ausbildung zum Allgemeinmediziner abgeschlossen hatte, setzte Peseschkian seine Ausbildung nach dem Krieg mit einer Facharztausbildung für Allgemeinchirurgie an der Universität für Medizinische Wissenschaften Täbris fort.

1993 erwarb er an der Universität für Medizinische Wissenschaften Täbris seinen Facharzttitel für Herzchirurgie und fungierte von 1994 bis 1999 als Rektor der Universität für Medizinische Wissenschaften Täbris.

VERLUST VON EHEFRAU UND SOHN BEI EINEM VERKEHRSUNFALL

Peseschkian verlor 1994 seine Frau Fatma Madschidi und einen Sohn bei einem Verkehrsunfall. Er zog seine verbleibenden zwei Söhne und eine Tochter alleine groß und heiratete nie wieder. Dieser Verlust und seine Geschichte der Aufopferung brachten ihm Sympathie und Respekt in der iranischen Gesellschaft ein, die ihn als mitfühlende und widerstandsfähige Persönlichkeit wahrnimmt.

Peseschkians politisches Leben begann 1997 mit seiner Ernennung zum stellvertretenden Gesundheitsminister unter dem ehemaligen Präsidenten Mohammad Chatami. Später, im Jahr 2001, wurde er unter Chatami zum Gesundheitsminister ernannt und behielt dieses Amt bis 2005.

Bei den Parlamentswahlen 2008 gelang es Peseschkian, als Abgeordneter für Täbris in das Parlament einzuziehen, und er vertrat Täbris seitdem über fünf Legislaturperioden hinweg.

KEINE SCHEU VOR HARTER KRITIK, UNTERSTÜTZUNG GUTER BEZIEHUNGEN ZUM WESTEN

Peseschkian scheute sich nicht vor scharfer Kritik an der Haltung der Regierung gegenüber Oppositionellen. Nach den Ereignissen, die auf die Präsidentschaftswahl 2009 folgten, hielt er eine Rede im Parlament, in der er das Eingreifen der Sicherheitskräfte kritisierte, was zu Spannungen mit konservativen Abgeordneten führte.

Peseschkian, der sich für die Präsidentschaftswahl 2013 bewarb, seine Kandidatur jedoch später zurückzog, fungierte 2016 vier Jahre lang als stellvertretender Parlamentspräsident des Iran. In dieser Zeit setzte er sich für das Atomabkommen und gute Beziehungen zum Westen ein.

Seine Bewerbung für die Präsidentschaftswahl 2021 wurde vom Wächterrat abgelehnt. Bei den Parlamentswahlen am 1. März zog er jedoch erneut als Abgeordneter für Täbris in das Parlament ein.

ÄUSSERUNGEN NACH DEM TOD VON MAHSA AMINI

Nachdem im September 2022 eine junge Frau namens Mahsa Amini in Polizeigewahrsam gestorben war, sprach Peseschkian in einer Sendung des staatlichen Fernsehens und erklärte, dass die Eingriffe aufgrund des obligatorischen Kopftuchgesetzes die Situation verschlimmerten und beendet werden müssten.

Peseschkian sagte: "Wir wollen, dass unsere Kinder tugendhaft sind, aber wenn diese Verhaltensweisen sie von der Religion entfremden, sollten wir diese Methode nicht fortsetzen."

VERSPRACH LÖSUNGEN FÜR WIRTSCHAFT UND GERECHTIGKEIT

Peseschkian, der die offene Unterstützung von Persönlichkeiten wie den ehemaligen Präsidenten Mohammad Chatami und Hassan Rohani sowie dem ehemaligen Außenminister Mohammad Dschawad Sarif erhielt, betonte in seinen Wahlkampagnen die Probleme der "ethnischen und konfessionellen Diskriminierung" sowie das obligatorische Kopftuch. Er versprach, die Probleme in den Bereichen Wirtschaft und Gerechtigkeit zu lösen.

Peseschkian versprach zudem, die Internetzensur weitgehend aufzuheben, und erklärte, dass wichtige Reformen in der Innen- und Außenpolitik sowie der Aufbau besserer Beziehungen zum Westen notwendig seien.

Peseschkian ist der erste Reformer, der seit 2005 zum Präsidenten des Iran gewählt wurde.

ERSTE STELLUNGNAHME VON PESESCHKIAN

Massud Peseschkian, der die Präsidentschaftswahl im Iran in der Stichwahl mit 53,7 Prozent der Stimmen gewann, erklärte, dass der vor ihnen liegende Weg schwierig sei und sie diesen ohne Zusammenhalt und Vertrauen nicht bewältigen könnten.

In seiner ersten Botschaft an die Öffentlichkeit über seinen X-Account schrieb Peseschkian: "Liebes iranisches Volk, die Wahlen sind vorbei. Dies ist der Beginn unseres Zusammenhalts. Wir können den schwierigen Weg, der vor uns liegt, nicht ohne Zusammenhalt und Vertrauen bewältigen. Ich reiche euch die Hand und schwöre bei meiner Ehre, dass ich euch auf diesem Weg nicht allein lassen werde."

Den offiziellen Ergebnissen der Stichwahl der Präsidentschaftswahl im Iran zufolge gelang es dem reformorientierten Abgeordneten aus Täbris und ehemaligen Gesundheitsminister Massud Peseschkian, mit 53,7 Prozent der Stimmen der 9. Präsident des Landes zu werden.