Neuer Wehrdienstplan in Deutschland

Um den Personalmangel in der Bundeswehr zu beheben, bereitet Deutschland den Übergang zu einem Modell vor, das zunächst auf Freiwilligkeit basiert und später eine Wehrpflicht vorsieht. Dem neuen Modell des Verteidigungsministeriums zufolge sollen ab 2028 alle 18-jährigen Männer wehrpflichtig werden; ab 2031 könnten jährlich 40.000 junge Menschen eingezogen werden.

İHA

In Deutschland ist ein neues Modell des Verteidigungsministeriums zur Behebung des Personalmangels in der Bundeswehr an die Presse gelangt. Medienberichten zufolge wird Verteidigungsminister Boris Pistorius den Gesetzentwurf für den neuen Wehrdienst Ende August dem Kabinett vorlegen.

Dem Entwurf zufolge sollen ab dem 1. Januar 2026 alle jungen Männer und Frauen ein Formular erhalten. Während das Ausfüllen für Männer verpflichtend sein soll, besteht für Frauen keine solche Pflicht. Die Formulare sollen dazu dienen, die Bereitschaft der jungen Menschen für einen Dienst in der Bundeswehr zu ermitteln. Wer freiwillig dienen möchte, wird zur medizinischen Untersuchung geschickt. Kandidaten, die in der Bundeswehr dienen wollen und die medizinische Untersuchung bestehen, werden anschließend ihren Einheiten zugewiesen.

ZUERST FREIWILLIG, DANN WEHRPFLICHT

Nach dem neuen Wehrdienstmodell des deutschen Verteidigungsministeriums werden ab 2028 alle 18-jährigen Männer wehrpflichtig, auch wenn sie sich nicht für den freiwilligen Wehrdienst entschieden haben.

ANREIZE FÜR DEN WEHRDIENST

Das deutsche Verteidigungsministerium plant zudem eine Reihe von Anreizen, um den freiwilligen Wehrdienst attraktiver zu gestalten. So sollen freiwillige Wehrdienstleistende in einigen Bundesländern beispielsweise günstigeren Zugang zu Führerscheinen erhalten, deren Gesamtkosten sich auf bis zu 6.000 Euro belaufen können. Freiwillige Soldaten erhalten eine gute Bezahlung und bei längerer Dienstzeit eine Treueprämie. Zudem sollen Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung im zivilen Leben geboten sowie die Teilnahme an Sprachkursen und das Erlernen mehrerer Sprachen erleichtert werden. Wer eine Karriere in der Bundeswehr anstrebt, soll ein höheres Gehalt sowie Vorteile wie kostenlose Unterkunft, Gesundheitsversorgung, kostenlose Zugreisen und preisgünstige Verpflegung erhalten.

Die Wehrpflicht wurde in Deutschland 2011 ausgesetzt. Der Gesetzentwurf des Verteidigungsministeriums soll jedoch Klauseln enthalten, die eine Reaktivierung der Wehrpflicht ermöglichen. Sollte der durch die Sicherheitslage gestiegene Bedarf an Soldaten nicht durch freiwilliges Personal gedeckt werden können, könnte die Wehrpflicht mit Zustimmung des Bundestages wieder eingeführt werden.

JÄHRLICH 40.000 NEUE SOLDATEN

Das neue Wehrdienstmodell des deutschen Verteidigungsministeriums sieht vor, dass die Zahl der Soldaten in der Bundeswehr jährlich um durchschnittlich 3.000 bis 5.000 steigt. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, würden ab 2031 jährlich 40.000 neue Soldaten in die Armee eintreten.

Im Rahmen der aufgrund der russischen Bedrohung neu definierten NATO-Ziele ist geplant, die Zahl der Soldaten in der Bundeswehr schrittweise auf 460.000 zu erhöhen. Derzeit dienen etwa 182.000 Soldaten in der Bundeswehr.