Scharia-Regeln werden noch strenger durchgesetzt: Tugendgesetz ist in Kraft getreten
In Afghanistan ist das sogenannte 'Tugendgesetz' in Kraft getreten, das eine noch strengere Überwachung der Scharia-Regeln vorsieht.
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Die Taliban-Regierung in Afghanistan hat das sogenannte "Tugendgesetz" in Kraft gesetzt, das darauf abzielt, die bereits von der Religionspolizei überwachten Scharia-Regeln noch strenger durchzusetzen. Das afghanische Justizministerium gab Details zu dem Gesetz bekannt, das am 31. Juli in Kraft trat. Es wurde mitgeteilt, dass das Gesetz, welches unter anderem Kleidungsvorschriften für Frauen und ein Verbot von Homosexualität enthält, vom Taliban-Führer Hibatullah Achundsade gebilligt wurde.
Das Gesetz verpflichtet Frauen dazu, ihr Gesicht und ihren Körper in Umgebungen zu verhüllen, in denen sich Männer aufhalten, mit denen sie nicht direkt verwandt sind. Zudem erweitert es die Befugnisse der Religionspolizei, die seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 Verhaltensregeln auf Basis der Scharia überwacht. Das Gesetz schreibt auch Männern vor, Hosen zu tragen, die mindestens bis zum Knie reichen, und einen Bart zu tragen, der nicht zu kurz sein darf. Gleichzeitig werden im Rahmen des Gesetzes homosexuelle Beziehungen, Ehebruch und Glücksspiel sowie die Produktion und das Betrachten von Videos oder Bildern, die Lebewesen darstellen, strenger kontrolliert.
'INHALTE, DIE NICHT DER SCHARIA ENTSPRECHEN, DÜRFEN NICHT VERÖFFENTLICHT WERDEN'
Im Rahmen des Gesetzes können auch das Versäumen von Gebeten und Ungehorsam gegenüber Eltern bestraft werden. Dem neuen Gesetz zufolge dürfen Medien keine Inhalte veröffentlichen, die nicht der Scharia entsprechen, und keine Themen behandeln, die als Beleidigung für Muslime ausgelegt werden könnten.
Die Religionspolizei wird Verstöße zunächst abmahnen und kann bei weiteren Zuwiderhandlungen Geldstrafen, Ingewahrsamnahmen von bis zu drei Tagen sowie andere Sanktionen verhängen. Bei Wiederholung der Handlungen wird die Justiz eingeschaltet.
'SICHERHEITSKRÄFTE OHNE BART WURDEN ENTLASSEN'
Bereits zuvor hatte die Taliban-Verwaltung in Afghanistan Sicherheitskräfte entlassen, die sich weigerten, einen Bart zu tragen. In einem kürzlich vom Ministerium für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters veröffentlichten Jahresbericht wurde gemeldet, dass im vergangenen Jahr mehr als 13.000 Menschen wegen "sittenwidriger Handlungen" in Gewahrsam genommen wurden. In dem Bericht hieß es, etwa die Hälfte der Festgenommenen sei nach 24 Stunden wieder freigelassen worden; Angaben zu den Vorwürfen gegen die Inhaftierten oder deren Geschlecht wurden jedoch nicht gemacht.