Stromnetz in Kuba erneut zusammengebrochen: Millionen von Ausfällen betroffen
Nach dem Ausfall des nationalen Stromnetzes konnten in Havanna bis zum Abend nur 5 Prozent der Abonnenten mit Strom versorgt werden.
12punto
Die lang anhaltende Energiekrise in Kuba hat sich durch einen erneuten vollständigen Ausfall des nationalen Stromnetzes weiter verschärft. Das kubanische Ministerium für Energie und Bergbau gab am Freitag den Zusammenbruch des nationalen Stromsystems bekannt und teilte mit, dass Arbeiten zur schrittweisen Wiederherstellung der Versorgung eingeleitet wurden.
Die jüngste Störung gilt als mindestens der sechste große Netzausfall im ganzen Land seit Januar. Während der Ausfall Millionen von Menschen betrifft, blieb die Stromwiederherstellung in der Hauptstadt Havanna auf einem sehr begrenzten Niveau.
Nach Angaben kubanischer Behörden war die primäre Ursache der Krise ein Defekt an den Hochspannungsleitungen im Westen und in der Mitte des Landes. Das Problem, das im westlichen Teil begann, breitete sich bis in die Region Matanzas aus; anschließend wurde auch das Stromnetz im Osten des Landes vom System getrennt. Die offizielle Zeitung Granma berichtete, dass ungünstige und wechselhafte Wetterbedingungen das Problem im Stromnetz verschärft hätten.
STROMVERSORGUNG IN HAVANNA NUR EINGESCHRÄNKT WIEDERHERGESTELLT
Offiziellen Daten zufolge konnten in Havanna, wo es etwa 862.000 Stromabonnenten gibt, bis zum Abend nur 5 Prozent der Nutzer wieder mit Strom versorgt werden. In Regionen wie Camagüey, Pinar del Río und Granma wurde mit dem Aufbau kleiner, unabhängiger Verteilungssysteme begonnen.
Es wurde berichtet, dass versucht wird, die Stromversorgung für Krankenhäuser und einige Notfalleinrichtungen vorrangig wieder in Betrieb zu nehmen. Dennoch beschränkten sich die Auswirkungen des Ausfalls nicht nur auf Wohngebiete; auch Transport, Arbeitsabläufe, Flugverkehr und Gesundheitsdienste waren direkt von den Störungen betroffen.
VERALTETE INFRASTRUKTUR UND KRAFTSTOFFMANGEL VERSCHÄRFEN DIE KRISE
Das Energiesystem Kubas ist aufgrund veralteter Wärmekraftwerke, eines Mangels an Ersatzteilen für die Wartung und eines gravierenden Kraftstoffmangels anfällig geworden. Selbst wenn das nationale Netz in Betrieb ist, kommt es in vielen Teilen des Landes zu lang anhaltenden Stromausfällen.
Es wird berichtet, dass die Stromausfälle in einigen Regionen 30 Stunden überschreiten und in manchen Teilen des Landes sogar bis zu 60 Stunden andauern können. Die lange Nichtverfügbarkeit von Strom erschwert auch grundlegende Bedürfnisse wie Kochen, Wasserversorgung, Internet- und Telefondienste.
Die kubanische Regierung führt die US-Sanktionen und Energiebeschränkungen als einen der Hauptgründe für die Ausfälle an. Washington hingegen argumentiert, dass die veraltete Infrastruktur und das staatlich gelenkte Wirtschaftsmodell eine Rolle bei den Energieproblemen auf der Insel spielen.
Es wird darauf hingewiesen, dass sich die Energiekrise nach der Verschärfung der Kraftstoffbeschränkungen gegen Kuba durch die US-Regierung unter Donald Trump im Januar weiter verschärft hat. Nach der Lieferung von Kraftstoff durch einen russischen Tanker im März seien keine weiteren nennenswerten Kraftstofflieferungen mehr nach Kuba erfolgt.