Verbot für Touristengruppen

Die Stadtverwaltung von Venedig hat geführte Touristengruppen mit mehr als 25 Personen sowie die Verwendung von Megafonen untersagt.

12punto

Venedig, eine der Städte in Italien, die am stärksten unter den Auswirkungen des Massentourismus leidet, hat geführte Touristengruppen mit mehr als 25 Personen sowie die Verwendung von Megafonen verboten.

Die Entscheidung der Stadtverwaltung von Venedig tritt am 1. Juni 2024 in Kraft. Die Stadtverwaltung gab bekannt, dass die Maßnahme darauf abziele, einen „nachhaltigen Tourismus zu fördern“ und gleichzeitig „die Bewohner der Stadt zu schützen“. Wie Övgü Pınar von BBC Türkçe berichtet, wird es nicht mehr gestattet sein, Touristengruppen von mehr als 25 Personen durch das historische Stadtzentrum von Venedig sowie auf den Inseln Murano, Burano und Torcello zu führen.

Das Limit von 25 Personen gilt bereits in den städtischen Museen. Diese Zahl entspricht etwa der Hälfte der Kapazität eines Standard-Touristenbusses.

Auch laute Reiseführerdienste wie Megafone wurden mit der Begründung verboten, dass sie „Chaos und Belästigungen“ verursachen. Der durch den Massentourismus bedingte Bevölkerungsrückgang in Venedig schürt die Sorge, dass sich die Stadt in einen „Freizeitpark verwandelt“.

BEWOHNER IN SCHWIERIGER LAGE

Die zunehmende Umwandlung von Wohnraum im Stadtzentrum in touristische Unterkünfte und der damit verbundene Anstieg der Immobilienpreise machen die Stadt für ihre Bewohner zunehmend unbewohnbar.

Während die Bevölkerung im Zentrum von Venedig vor 70 Jahren noch bei etwa 175.000 lag, ist sie heute auf unter 50.000 gesunken. Im vergangenen September wurde zudem bekannt gegeben, dass die Zahl der Betten für touristische Unterkünfte in der Stadt die Einwohnerzahl übersteigt.

Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hatte im vergangenen Sommer darauf hingewiesen, dass Venedig aufgrund der Probleme, die unter anderem durch den Massentourismus verursacht werden, Gefahr läuft, „irreversible Veränderungen seines universellen Wertes“ zu erleiden. Aus diesem Grund hatte die UNESCO davor gewarnt, dass die Stadt auf die Liste des „gefährdeten Welterbes“ gesetzt werden könnte.

Auch aufgrund der Warnungen und Appelle internationaler Organisationen sowie lokaler Verbände hat die Stadtverwaltung in den letzten Jahren eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen des Massentourismus abzumildern. In diesem Rahmen wurde die Einfahrt großer Kreuzfahrtschiffe in das Stadtzentrum verboten und Kriterien für Kurzzeitvermietungen eingeführt.

EINFÜHRUNG EINER EINTRITTSGEBÜHR AB APRIL

Die seit langem diskutierte „Eintrittsgebühr“ wird ab April 2024 testweise eingeführt. Ab dem 25. April wird an stark frequentierten Tagen eine Gebühr von 5 Euro für Tagesbesucher erhoben.

Die Eintrittsgebühr gilt nicht für Personen, die in Hotels oder Unterkünften in der Stadt übernachten. Für jeden Tag, der in diesen Unterkünften verbracht wird, erhebt die Stadtverwaltung zudem eine Steuer. Auch dank solcher Maßnahmen wurde Venedig in diesem Jahr nicht von der UNESCO auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.