Vergewaltigungsskandal in Frankreich treibt Menschen auf die Straße

In Frankreich hat die Entscheidung eines Richters, den Prozess um den 71-jährigen Dominique Pelicot zu vertagen, für Empörung gesorgt. Pelicot wird beschuldigt, mindestens 50 verschiedene Männer in sein Haus eingeladen zu haben, um seine Ehefrau zu vergewaltigen, nachdem er ihr zuvor Medikamente verabreicht hatte.

İHA

In Frankreich hat die Entscheidung eines Richters in dem Skandal um den 71-jährigen Dominique Pelicot, der mindestens 50 verschiedene Männer in sein Haus eingeladen haben soll, um seine mit Medikamenten betäubte Ehefrau vergewaltigen zu lassen, für Wut gesorgt. Vor dem Gericht in der französischen Stadt Avignon stieß die Ankündigung von Richter Roger Arata, dass der Prozess vertagt werde, da Dominique Pelicot krankheitsbedingt nicht erscheinen könne, auf heftige Kritik.

Nach der Vertagung des Prozesses organisierten Frauenrechtsorganisationen im ganzen Land Proteste für die 72-jährige Gisele Pelicot, die Opfer der Gruppenvergewaltigungen wurde. Die Demonstrationen fanden in Paris, Marseille, Lyon, Annecy, Rouen, Rennes, Tours, Clermont-Ferrand, Montpellier und Nizza statt.

Tausende Frauen versammelten sich auf dem Place de la République in Paris und verurteilten die Entscheidung des Gerichts. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Die Scham muss die Seite wechseln", "Opfer, wir glauben euch, Vergewaltiger, wir sehen euch", "Stoppt die Gewalt gegen Frauen und Kinder" und "Alle 3 Tage ein Femizid, alle 7 Minuten eine Vergewaltigung".

MEHR ALS DREITAUSEND FOTOS UND VIDEOS GEFUNDEN

Dominique Pelicot wurde 2020 erstmals von einem Sicherheitsmitarbeiter in einem Supermarkt dabei erwischt, wie er heimlich Fotos unter die Röcke von Frauen machte. Nach dem Vorfall fand die Polizei auf Pelicots Telefon und Computer Aufnahmen seiner Ehefrau. Gisele Pelicot, die aufgrund der Medikamenteneinwirkung nichts von den sexuellen Übergriffen wusste, verließ ihren Ehemann, nachdem sie von der Polizei informiert worden war.

Spätere Ermittlungen ergaben, dass Pelicot die Männer über eine Website in das gemeinsame Haus mit seiner Ehefrau eingeladen hatte. Berichten der französischen Presse zufolge hatte Pelicot den Männern bestimmte Regeln auferlegt, wie etwa nicht laut zu sprechen, ihre Kleidung in der Küche auszuziehen und kein Parfüm zu benutzen.

Nach etwa zweijährigen Ermittlungen konnte die Polizei 50 der 72 Verdächtigen im Alter zwischen 22 und 70 Jahren identifizieren. Auf dem Computer von Dominique Pelicot wurden mehr als 3.800 Fotos und Videos von den Taten gefunden.