Wird die USA den Auslieferungsantrag zurückziehen? Julian Assange könnte freikommen
Es wird behauptet, dass die USA entscheiden könnten, die Zeit, die Julian Assange bereits in Großbritannien im Gefängnis verbracht hat, als verbüßte Strafe anzuerkennen, wodurch Assange freikommen könnte.
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Es wird behauptet, dass das US-Justizministerium prüft, ob es dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange gestatten soll, sich schuldig zu bekennen, um einer Auslieferung an die USA wegen Spionagevorwürfen zu entgehen.
Dem Bericht des Wall Street Journal zufolge erklärten namentlich nicht genannte Quellen, dass eine mögliche Vereinbarung vorsehe, die fünf Jahre, die der WikiLeaks-Gründer im Londoner Belmarsh-Gefängnis verbracht hat, als Strafe anzurechnen und dass Assange sich des Fehlverhaltens im Umgang mit geheimen Informationen schuldig bekennen würde.
Dem Bericht zufolge haben Assanges Anwälte und US-Behörden in den letzten Monaten Vorgespräche geführt, um einen Entwurf für eine mögliche Einigung zu erstellen. Der Anwalt des inhaftierten Journalisten, Barry Pollack, erklärte jedoch, es gebe „keinerlei Anzeichen“ dafür, dass das Ministerium bereit sei, die Vereinbarung zu akzeptieren.
Sollte eine Einigung erzielt werden, würde der seit über einem Jahrzehnt andauernde Rechtsstreit enden. Assange wurde 2010 nach seiner Festnahme durch die britische Polizei aufgrund von Vorwürfen wegen Sexualdelikten, die er zurückwies, gegen Kaution freigelassen und suchte Zuflucht in der ecuadorianischen Botschaft in London. Nachdem Ecuador 2019 das Asylrecht aufgehoben hatte, wurde er erneut festgenommen und befindet sich seither in Belmarsh.
Das US-Justizministerium veröffentlichte zum Zeitpunkt seiner Festnahme in Großbritannien eine Anklageschrift gegen Assange, die 17 separate Spionagevorwürfe enthielt. Sollte der ehemalige WikiLeaks-Chef an die USA ausgeliefert und verurteilt werden, drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft.
Die Vorwürfe resultieren aus der Veröffentlichung verschiedener geheimer Materialien, darunter Pentagon-Dokumente, die mutmaßliche Kriegsverbrechen der USA im Irak und in Afghanistan detailliert beschreiben.
Das britische Innenministerium hatte die Überstellung von Assange an die USA im Jahr 2022 genehmigt, doch der gesundheitlich angeschlagene Assange, der fast fünf Jahre in Isolationshaft verbracht hat, hatte wiederholt Berufung eingelegt, wobei keine dieser Anträge erfolgreich war. Im vergangenen Monat hatte der britische High Court die Entscheidung darüber vertagt, ob Assange eine letzte Chance erhalten soll, seine Auslieferung anzufechten.
Dass Washington den Spionage-Act (Espionage Act) nutzt, um Assange vor Gericht zu stellen, obwohl der in Australien geborene Journalist die fraglichen geheimen Materialien lediglich veröffentlicht, aber nicht „gestohlen“ hat, hatte für Kontroversen gesorgt. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hatte sich geweigert, Anklage gegen Assange zu erheben, mit der Begründung, dass Assanges Tätigkeit sich nicht von der einer Zeitung unterscheide und daher durch den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung geschützt sei.