Großteil der 37 Billionen Euro an Ersparnissen in Europa liegt auf niedrig verzinsten Konten

Die ESMA-Vorsitzende Verena Ross erklärte, dass fragmentierte Kapitalmärkte und eine schwache Investitionskultur das Wachstumspotenzial Europas einschränken.

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Ein erheblicher Teil der rund 37 Billionen Euro an Ersparnissen, die sich in den Händen der privaten Haushalte in der Europäischen Union befinden, liegt auf niedrig verzinsten Bankkonten. Laut Verena Ross, der Vorsitzenden der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), verlangsamt dieses Bild sowohl den Vermögensaufbau der Einzelpersonen als auch den Zugang von Unternehmen zu Finanzierungsquellen außerhalb von Bankkrediten.

Ross wies in einer Stellungnahme gegenüber Euronews darauf hin, dass die Kapitalmärkte in Europa nach wie vor nicht ausreichend integriert seien. Die ESMA-Vorsitzende erklärte: „Heute haben wir in Europa anstelle eines einzigen Marktes meist 27 nationale Märkte mit jeweils unterschiedlichen Regeln.“

Auch die von der Europäischen Kommission vorangetriebene Initiative für eine „Spar- und Investitionsunion“ sucht nach einer Lösung für dieses Problem. Mit dem Programm soll eine stärkere Integration der Kapitalmärkte erreicht, die Abhängigkeit der Unternehmen von Bankkrediten verringert und das Angebot an grenzüberschreitenden Anlagemöglichkeiten für Investoren erweitert werden.

INVESTITIONSKULTUR UND TIEFE DER MÄRKTE

Experten zufolge liegt einer der grundlegenden Unterschiede zwischen Europa und den USA in den Anlagegewohnheiten. Während Privatpersonen in den USA ihre Altersvorsorge häufiger über die Kapitalmärkte anlegen, verbleibt der Großteil der Ersparnisse in Europa auf Einlagenkonten.

Ross wies darauf hin, dass dieser Unterschied auch mit der Struktur der Rentensysteme zusammenhänge. Da staatlich geförderte, umlagefinanzierte Rentensysteme in den USA im Vergleich zu Europa begrenzter seien, würden Einzelpersonen dazu motiviert, mehr zu investieren, um ihr zukünftiges Einkommen abzusichern.

Nach Ansicht der ESMA-Vorsitzenden ist die Steigerung der Finanzkompetenz von entscheidender Bedeutung, damit die Ersparnisse in Europa in produktive Investitionen fließen können. Es wird betont, dass verständlichere Informationssysteme und digitale Plattformen, auf denen Anlageinstrumente verglichen werden können, notwendig seien, damit Anleger Risiken, Kosten und Chancen besser bewerten können.

Die Vertiefung der Kapitalmärkte ist auch für Unternehmen von Bedeutung. Ein Großteil der Unternehmensfinanzierung in Europa erfolgt nach wie vor über Bankkredite. In Zeiten, in denen sich die Kreditbedingungen verschärfen, kann diese Abhängigkeit die Anfälligkeit erhöhen, insbesondere für Unternehmen mit Wachstums- und Investitionsplänen.

Ross erklärte, dass die Umlenkung von Haushaltsersparnissen in produktivere Bereiche ein „Win-Win“-Ergebnis für Anleger und Unternehmen bringen könne. Ein liquiderer und anlegerfreundlicherer Kapitalmarkt könne zum Wachstum, zur Innovationskraft und zur globalen Wettbewerbsfähigkeit Europas beitragen.

Ross warnte zudem davor, sich bei Anlageentscheidungen zu sehr auf Social-Media-Influencer und KI-basierte Tools zu verlassen. Während sie einräumte, dass künstliche Intelligenz Chancen für Anleger bieten könne, wies Ross darauf hin, dass diese Instrumente mitunter fehlerhafte oder voreingenommene Informationen produzieren könnten.