Kehrt die Börse in eine Ära mit „weniger Kursgewinnen“ bei Börsengängen zurück?
Geht die Ära der „täglichen Kursgewinne“ bei Börsengängen, die im Rahmen der „Gleichverteilungspraxis“ Millionen von Anlegern anzogen und die Borsa İstanbul auf über 8 Millionen Investoren anwachsen ließen, zu Ende?
12punto
Die geldpolitischen Lockerungen, die infolge der Unterstützungsprogramme während der Covid-Pandemie weltweit und in der Türkei eingeführt wurden, führten zu langanhaltenden Rallyes an den Börsen. In der Türkei erlebte die Borsa İstanbul eine ihrer goldenen Ären, da sie aufgrund der geldpolitischen Expansion, der niedrigen Zinsen und der unter Druck gehaltenen Wechselkurse alternativlos wurde. Dieser Aufschwung an der Börse steigerte auch den Appetit der Unternehmen auf Börsengänge. Die Gewinne, die Anleger, welche während der Phase der experimentellen Geldpolitik in der Türkei mangels Alternativen an die Börse drängten, mit gut performenden Unternehmen erzielten, zogen auch Investoren an, die den Aktienmarkt zuvor nicht kannten.
Im Jahr 2023 gingen 56 Unternehmen an die Börse, wobei der Gesamterlös 79,8 Milliarden Lira bzw. 3,3 Milliarden US-Dollar erreichte. In den letzten drei Jahren stieg die Zahl der Börsengänge auf 143, während der Gesamterlös 120,2 Milliarden Lira, also 6,9 Milliarden US-Dollar, betrug.
Die jüngsten Entwicklungen signalisieren jedoch, dass das goldene Zeitalter der Börsengänge, das etwa drei Jahre andauerte, zu Ende geht. Von den 7 Unternehmen, die im Dezember an die Börse gingen, fielen 5 unter ihren Ausgabepreis.
Die restriktive Geldpolitik, die die Einlagenzinsen auf über 50 Prozent steigen ließ, sowie die Unsicherheiten darüber, wie sich die 2024 anzuwendende Inflationsrechnungslegung auf die Unternehmensbewertungen auswirken wird, deuten auf eine vorsichtigere Phase an der Börse hin. Die Haltung der ausländischen Investoren, die mit dem wachsenden Vertrauen in die Wirtschaftspolitik einhergeht, zählt zu den entscheidendsten Faktoren für das Jahr 2024.