Kerosinpreise nach der Hormus-Krise auf Rekordhoch

Aufgrund der militärischen Spannungen in der Straße von Hormus haben sich die weltweiten Kerosinpreise im letzten Monat fast verdoppelt; die Branche schlägt Krisenalarm.

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Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran sowie die Vergeltungsmaßnahmen der Teheraner Führung haben den kommerziellen Verkehr in der Straße von Hormus, dem Ausgangspunkt des Persischen Golfs, erheblich beeinträchtigt. Die Störungen in der Meerenge, einer der wichtigsten Energieadern der Weltwirtschaft, haben seit dem 27. Februar zu einem außergewöhnlichen Anstieg der Kerosinpreise geführt.

Nach den jüngsten Daten der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) stieg der Barrelpreis für Kerosin, der am 27. Februar noch bei 99,4 Dollar lag, innerhalb von nur einem Monat um 95,2 Prozent auf 195,2 Dollar am 27. März. Dieser Anstieg deutet auf einen Angebotsschock hin, wie ihn die Branche seit langem nicht mehr gesehen hat. Der Preis für Kerosin pro Tonne erreichte sogar 1.541 Dollar.

Die Märkte in Europa, Afrika und Asien, die direkt vom Nahen Osten abhängig sind, stehen aufgrund dieser Verknappung unter großem Versorgungsdruck. Analysen zufolge werden etwa 20 Prozent des weltweiten Erdöls, also rund 20 Millionen Barrel pro Tag, durch die Straße von Hormus transportiert. Während der Großteil dieser Menge aus Rohöl besteht, machen Erdölprodukte, allen voran Kerosin, den verbleibenden Teil aus.

Nach dem Ausbruch des USA/Israel-Iran-Krieges am 28. Februar führten die gestiegenen Sicherheitsrisiken in Hormus und der nahezu zum Erliegen gekommene Transport zu einer drastischen Verknappung des weltweiten Ölangebots. Während die Risikoprämien im Energiesektor stiegen, kletterten auch die Brent-Ölpreise auf über 100 Dollar. Längere Lieferzeiten und steigende Versicherungskosten belasten den Markt zusätzlich.

EUROPÄISCHER MARKT IST BEI DER VERSORGUNG AM ANFÄLLIGSTEN

Laut einer Analyse von S&P Global Energy geht etwa ein Drittel der täglichen Kerosinexporte der Region nach Europa. Während täglich durchschnittlich 177.000 Barrel Kerosin allein nach Nordwesteuropa geliefert werden, gehen 31.000 Barrel nach Südeuropa und in das östliche Mittelmeer sowie 100.000 Barrel nach Afrika. Die Mengen, die Asien und das Rote Meer erreichen, liegen bei 17.000 bzw. 34.000 Barrel.

Europa, das am stärksten vom Persischen Golf abhängig ist, gilt als eine der anfälligsten Regionen bei möglichen Angebotsschocks. IATA-Daten zeigen, dass etwa 30 Prozent des europäischen Kerosinbedarfs aus dieser Region gedeckt werden. Aufgrund der Versorgungsengpässe in der Region ist auch die Abhängigkeit von kommerziellen Lagerbeständen in Europa gestiegen. In ähnlicher Weise sind auch asiatische Länder wie Indien und China direkt von der Einschränkung des durch die Straße von Hormus fließenden Öls betroffen.

Der Platts-Index bestätigte ebenfalls, dass die Kerosinpreise für Nordwesteuropa im letzten Monat inklusive Versicherung und Fracht von 873,2 Dollar auf 1.704,5 Dollar gestiegen sind. In diesem Zeitraum erreichte der Preisanstieg fast 95 Prozent.

STEIGENDE KEROSINPREISE SETZEN FLUGGESELLSCHAFTEN UNTER DRUCK

Da Kerosin einen der größten Posten bei den Betriebskosten von Fluggesellschaften darstellt, schlägt sich der Preisschock auch in den Ticketpreisen nieder. Branchenakteure sind der Ansicht, dass dieser Druck kurzfristig anhalten wird.

Scott Kirby, CEO von United Airlines, einer der größten Fluggesellschaften der Welt, sagte letzte Woche: „Damit unser Unternehmen die steigenden Kerosinkosten decken kann, müssen die Flugticketpreise um 20 Prozent steigen.“

Die Auswirkungen der Krise in der Straße von Hormus werden in der kommenden Zeit voraussichtlich weiterhin durch steigende Kosten im Luftverkehr und die damit verbundenen neuen Preiserhöhungen bei Flugtickets spürbar sein.