Mahfi Eğilmez warnt: Sind Zinsen die Ursache und Inflation das Ergebnis?
Der Ökonom Mahfi Eğilmez analysierte die wirtschaftlichen Krisenprozesse der Türkei von der Vergangenheit bis zur Gegenwart und erläuterte die Auswirkungen falscher Zinspolitik auf die Inflation. Eğilmez wies auf die Tatsache hin, dass Zinssenkungen die Inflation anheizen, und betonte, dass wirtschaftliche Probleme nicht allein durch Geldpolitik gelöst werden können.
12punto
Der Ökonom Mahfi Eğilmez erklärte detailliert, wie die Türkei von einer Krise in die nächste geriet und warum das wirtschaftliche Gleichgewicht gestört wurde. Eğilmez wies auf den Einfluss der Zinsen auf die Inflation hin und stellte klar, dass die Inflation ein Ergebnis sei, das nicht allein durch Zinspolitik kontrolliert werden könne.
Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan verteidigte seine Politik der Zinssenkungen mit der Aussage: "Zinsen sind die Ursache, die Inflation ist das Ergebnis". Er erklärte, dass er nicht mit denjenigen zusammenarbeiten werde, die Zinserhöhungen befürworten, und leitete am 3. September 2021 unter Berufung auf das „Nas“-Prinzip den Prozess der Zinssenkungen ein.
Die Zentralbank senkte den Leitzins, der 2021 noch bei 19 Prozent lag, schrittweise auf 8,5 Prozent. In diesem Zeitraum stiegen die Wechselkurse jedoch rapide an. Der Dollar erreichte 36,52 TL, der Euro 39,67 TL. Mit dem Amtsantritt von Mehmet Şimşek als Finanzminister wurden die Zinsen zwar wieder angehoben, doch die erhoffte Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage blieb aus.
EĞİLMEZ: ''WENN DIE ZINSEN SINKEN, STEIGT DIE INFLATION''
Der Ökonom Mahfi Eğilmez erläuterte in seinem Artikel für T24 erneut den Zusammenhang zwischen Zinsen und Inflation. Eğilmez betonte, dass bei Zinssenkungen die Inflation steige und die Zinsen erhöht werden müssten, um Preisstabilität zu gewährleisten.
Eğilmez bewertete die vergangenen Krisen der Türkei und erinnerte daran, dass die Erholung nach der Wirtschaftskrise von 2001 durch gezielte Maßnahmen erreicht wurde. Er erklärte, dass die Türkei die Krise damals dank IWF-Unterstützung, einer klaren Zinspolitik, Haushaltsdisziplin und Bankenreformen überwinden konnte.
Im weiteren Verlauf führten jedoch die Verschlechterung der Beziehungen zur Europäischen Union, die Aussetzung von Strukturreformen und die Schwächung der öffentlichen Verwaltung durch den Übergang zum Präsidialsystem im Jahr 2018 zu einer Störung des wirtschaftlichen Gleichgewichts. Die Zinssenkungen bei gleichzeitig steigender Inflation im Jahr 2021 vertieften die Krise weiter.
DAS THEMA WÄHRUNGSGESCHÜTZTE EINLAGEN
Eğilmez erklärte, dass die Bürger aufgrund der Zinssenkungen in Fremdwährungen flüchteten und daraufhin das System der währungsgeschützten Einlagen (KKM) eingeführt wurde, um diesen Trend zu stoppen. Die Belastung durch KKM für die Wirtschaft nahm jedoch stetig zu, und ein Großteil der öffentlichen Ressourcen floss in dieses System.
Mitte 2023 wechselte die Wirtschaftsführung und ein neues Programm wurde aufgelegt. Dieses Programm konzentrierte sich jedoch ausschließlich auf die Geldpolitik, ohne Maßnahmen gegen die Verschwendung bei den öffentlichen Ausgaben zu ergreifen. Eğilmez betonte, dass die wirtschaftlichen Probleme fortbestehen würden, solange keine grundlegenden Änderungen in der Finanzpolitik vorgenommen würden.
TOTER-KATZEN-SPRUNG
Eğilmez bezeichnete die vorübergehenden Anstiege in der Industrieproduktion als „Toter-Katzen-Sprung“ (Dead Cat Bounce) und erklärte, dass die kurzzeitige Erholung der Industrieproduktion Ende 2024 nicht nachhaltig sei. Er betonte, dass die Industrie, die von Deviseneinnahmen abhängig ist, aufgrund von Investitionsmangel und hohen Zinsen unter Druck stehe.
STRUKTURREFORMEN
Mahfi Eğilmez sagte, dass die Türkei sich nicht nur auf die Zinspolitik, sondern auf Strukturreformen konzentrieren müsse, um aus der Wirtschaftskrise herauszukommen. Laut Eğilmez müssen folgende Punkte umgesetzt werden:
Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung müssen als Grundlage dienen
Eine Steuerreform muss durchgeführt werden
Öffentliche Ausgaben müssen unter Kontrolle gebracht werden
Das Anreizsystem muss korrekt eingesetzt werden