Ökonom Prof. Dr. Hayri Kozanoğlu: Ab jetzt wird über die abkühlende Wirkung der drastischen Zinserhöhungen auf die Wirtschaft gesprochen

Der Ökonom Prof. Dr. Hayri Kozanoğlu erklärte: "Die Zentralbank (TCMB) hat den Leitzins um 500 Basispunkte auf 40 Prozent angehoben, um den Finanzmärkten zu gefallen. Natürlich war der bis zu den Wahlen am 28. Mai angewandte Zinssatz von 8,50 Prozent nicht nachhaltig. Ein 'Normalisierungs'-Szenario war unvermeidlich. Doch ab diesem Punkt wird über die abkühlende Wirkung der drastischen Zinserhöhungen auf die Wirtschaft gesprochen werden." Kozanoğlu bewertete die Situation nach der Zinserhöhung der TCMB um 500 Basispunkte.

12punto

Der Ökonom Prof. Dr. Hayri Kozanoğlu bewertete die Situation nach der Zinserhöhung der TCMB um 500 Basispunkte.

Die Einschätzungen von Kozanoğlu lauten wie folgt:

Erinnern wir uns zunächst an einen Punkt: Die Zentralbank hatte in ihrem letzten Inflationsbericht vom 2. November 2023 die Inflationsprognose für Ende 2024 von 33 Prozent auf 36 Prozent angehoben. Denn die 33 Prozent hatten keinerlei Glaubwürdigkeit mehr. Dennoch verstärkte diese Revision die Ansicht, dass die Zentralbank kein systematisches Inflationsziel verfolgt, sondern wie externe Analysten Aktualisierungen basierend auf wirtschaftlichen Entwicklungen vornimmt. Dies führte dazu, dass ihre Glaubwürdigkeit bei den "Märkten" in Frage gestellt wurde. Aus diesem Grund sah sich die Zentralbank gezwungen, eine mutige Zinserhöhung vorzunehmen. Zudem signalisierte sie, dass in den kommenden Monaten weitere, wenn auch langsamere, Zinserhöhungen folgen könnten.

Erinnern wir uns daran, dass das erklärte Hauptziel der Wirtschaftsführung darin bestand, ausländisches Kapital anzuziehen, um eine Zahlungsbilanzkrise abzuwenden. In der westlichen Welt beginnt die Weihnachtszeit. Bis Mitte Januar wird auf den Finanzmärkten eine gewisse Trägheit herrschen. Daher kann man sagen, dass durch die beschleunigte Zinserhöhung eine dringende Einladung ausgesprochen wurde.

Man kann vermuten, dass der mittelfristige Spielplan von Mehmet Şimşek und seinem Team wie folgt aussieht: Die Zinserhöhungen der Zentralbank werden sich sowohl auf die Einlagenzinsen als auch auf die Kreditzinsen auswirken. Der Anstieg der Lira-Einlagenzinsen wird wohlhabende Schichten dazu bewegen, ihr Geld eher auf Sparkonten anzulegen, anstatt es für den Konsum von Wohnungen, Autos, Haushaltsgeräten usw. auszugeben. Der Anstieg der Kreditzinsen wird es einerseits für Privatpersonen schwieriger machen, ihren Konsum durch Verschuldung aufrechtzuerhalten, und andererseits die Investitionen der Unternehmen verlangsamen. Sowohl über den Einlagen- als auch über den Kreditkanal wird dies einen Kaltwassereffekt auf die Binnennachfrage haben.

Dies wird einerseits das Wirtschaftswachstum stoppen und die Arbeitslosigkeit erhöhen, andererseits aber auch die Unzufriedenheit in der breiten Bevölkerung schüren. Als Gegenmaßnahme sind drei Schritte geplant. Erstens die vorübergehende Einfrierung der Kreditkartenzinssätze. Wenn man bedenkt, dass der Saldo der privaten Kreditkarten 1 Billion Lira überschritten hat, soll auf diese Weise verhindert werden, dass die Ausgaben derjenigen, die gerade so über die Runden kommen, vollständig zum Erliegen kommen und ihre Reaktionen zunehmen. Im Finanzstabilitätsbericht heißt es bereits, dass 62 Prozent der Kreditkartensalden aus Schulden bestehen, bei denen nur der Mindestbetrag gezahlt wurde und die nicht vollständig getilgt werden konnten. Das bedeutet, dass die Menschen die Zinsen zwar für hoch halten, ihre finanzielle Kraft aber nicht ausreicht, um alle Schulden auf Null zu setzen. Zweitens die Beibehaltung des Diskontsatzes bei den Rediskontkrediten für Exporteure. Auf diese Weise soll die Unterstützung für Devisen einbringende Geschäfte fortgesetzt werden. Dies soll deren Beschwerden über eine zu geringe Aufwertung der Wechselkurse vorbeugen. Aber der dritte und wichtigste Pfeiler sind die Lohnerhöhungen für Mindestlohnempfänger sowie für Beamte und Rentner zum Jahresbeginn. Auf diese Weise wird den Menschen mehr Bargeld in die Hände gegeben, und das Phänomen der Geldillusion wird in Kraft treten. Bis zu den Kommunalwahlen soll so verhindert werden, dass die Reaktionen der einfachen Bürger zunehmen.

Selbst der Inflationsbericht der Zentralbank räumt ein, dass die Inflation Mitte 2024 im Bereich von 70 bis 80 Prozent liegen wird. Die Maßnahme, die für einen Rückgang der Inflation im weiteren Jahresverlauf vorgesehen ist, ist die nur einmalige Erhöhung des Mindestlohns pro Jahr. Dies wird dazu führen, dass die Kaufkraft der Arbeitnehmer von Monat zu Monat sinkt und die Nachfrage schwächer wird. Gegen Ende 2024 wird sich die Wirtschaft deutlich verlangsamen und die Arbeitslosigkeit sprunghaft ansteigen.

Kehren wir zum Anfang zurück. Vergessen wir nicht, dass das eigentliche Ziel darin besteht, ausländisches Kapital anzuziehen. Ein Umfeld, in dem die Zinsen hoch bleiben, der Druck auf den Wechselkurs aufgrund der nachlassenden Importnachfrage relativ abnimmt und die Reserven eine Erholungstendenz zeigen, ist ideal für heißes Geld. Da die Wahlperiode hinter uns liegt, wird es auch nicht schwer sein, den Palast zu überzeugen. Das Duo Şimşek-Erkan wird damit auch seine Loyalität gegenüber den internationalen Finanzkreisen, aus denen sie stammen, bewiesen haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Team um Mehmet Şimşek und Gaye Erkan seine Ziele erreichen könnte, indem es die Wirtschaft durch eine drastisch gestraffte Geldpolitik einfriert. Dass dabei die Kaufkraft der einfachen Bürger sinkt, die Armut zunimmt und die Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellt, interessiert sie dabei wenig.