Produktion sinkt, Gewinn bricht Rekorde: Wie hat der saudische Ölriese Aramco auf den Krieg reagiert?

Trotz der Konflikte in der Region und des Produktionsrückgangs ist der Gewinn des saudischen Ölriesen Aramco stark gestiegen. Dieser Gewinn spiegelt sich jedoch nicht im gleichen Maße in der gesamten nationalen Wirtschaft wider.

12punto

PRODUKTION GESUNKEN, PREISE IN DIE HÖHE GESCHOSSEN

Aramco, das staatliche Ölunternehmen Saudi-Arabiens, gab bekannt, dass sein Gewinn im zweiten Quartal 2026 das höchste Niveau seit 2022 erreicht hat. Trotz der Störungen im Seeverkehr im Persischen Golf aufgrund des Iran-Krieges und des Rückgangs der saudischen Ölproduktion überstieg der bereinigte Quartalsgewinn von Aramco 33 Milliarden Dollar.

Obwohl das Produktionsvolumen des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 25 Prozent zurückging, konnte der Anstieg der Ölpreise um mehr als 60 Prozent diese Lücke mehr als ausgleichen. Experten zufolge gehört Aramco, das zu niedrigen Kosten produziert, zu den Unternehmen, die am meisten von den steigenden Preisen in Krisenzeiten profitieren. Nicht nur bei Rohöl, sondern auch in den Bereichen Raffinerie und Marketing verdoppelte sich der Gewinn in diesem Zeitraum nahezu.

ALTERNATIVE EXPORTROUTE: DIE OST-WEST-PIPELINE

Die geopolitischen Spannungen haben die Abhängigkeit von der Straße von Hormus für Öllieferungen erneut in den Fokus gerückt. Saudi-Arabien konnte die Risiken im Seeverkehr mindern, indem es mehr als 70 Prozent seiner Exporte auf die Ost-West-Pipeline umleitete, die zum Hafen von Yanbu am Roten Meer führt.

Diese Pipeline mit einer Kapazität von etwa fünf Millionen Barrel pro Tag spielte eine entscheidende Rolle dabei, dass Aramco seine Aktivitäten aufrechterhalten konnte. Unternehmenschef Amin Nasser betonte, dass der Betrieb trotz beispielloser Störungen dank jahrzehntelanger Planung und der vorhandenen Diversifizierung ununterbrochen fortgesetzt werden konnte.

HAT SICH DER GEWINN VON ARAMCO AUF DIE LANDESWIRTSCHAFT AUSGEWIRKT?

Ein Großteil der massiven Einnahmen von Aramco wird durch Dividendenzahlungen direkt an die saudische Regierung und den Public Investment Fund (PIF) übertragen. Doch dieses glänzende Bild in der Bilanz des Unternehmens spiegelt sich nicht in gleicher Weise in der gesamten saudischen Wirtschaft wider. Offiziellen Daten zufolge schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im zweiten Quartal um 5 Prozent.

Ökonomen weisen darauf hin, dass die hohen Ölpreise zwar die Einnahmen von Aramco steigerten, der Rückgang des Volumens an produzierten Waren und Dienstleistungen jedoch die Wirtschaft belastete. Zudem schmälern die aufgrund der Konflikte gestiegenen Versicherungs- und Transportkosten einen Teil der erzielten Mehreinnahmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt, dass eine lang anhaltende Krise das Vertrauen der Investoren untergraben und das Programm „Vision 2030“, das auf das Wachstum der Nicht-Öl-Sektoren des Landes abzielt, behindern könnte. Experten betonen, dass Saudi-Arabien trotz kurzfristiger Gewinnsteigerungen vor allem regionale Stabilität benötige.