„Nationales Kapital“ verliert in der türkischen Wirtschaft an Boden: Große Marken werden an ausländische Investoren übergeben

Die traditionsreichen Industrieunternehmen und strategisch wichtigen Marken der Türkei wechseln einer nach dem anderen den Besitzer. Aktienverkäufe und Filialschließungen großer Konzerne – von der Pharmaindustrie über Hygienepapier bis hin zu Energie und Einzelhandel – verdeutlichen den Druck, den das aktuelle Wirtschaftsklima auf das heimische Kapital ausübt.

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Die Nachrichten über Verkäufe und Schrumpfungsprozesse, die sich im ersten Quartal 2026 häufen, deuten auf eine neue Ära in der türkischen Geschäftswelt hin. Dass einheimische Hersteller mit einer Geschichte von einem halben Jahrhundert an ausländische Fonds übergeben werden und große Holdinggesellschaften ihre Aktien verkaufen, um ihre Liquidität zu stärken, wird an den Märkten als „Rückzug des nationalen Kapitals aus strategischen Bereichen“ interpretiert.

KRITISCHER VERLUST IN DER PHARMAINDUSTRIE: SANOVEL GEHÖRT NUN DEN BRITEN

Sanovel, 1983 gegründet und einer der größten Arzneimittelhersteller der Türkei, wurde an die in Großbritannien ansässige Afendis Capital Management übertragen. Auch wenn der Verkaufsprozess im Schatten familieninterner Streitigkeiten stand, löste die Aussage des ehemaligen Partners Zafer Toksöz, „ein Wert von einem halben Jahrhundert wurde an Ausländer verloren“, Sorgen um die Zukunft der heimischen Pharmaindustrie aus. Dass die Produktionsmacht in einem strategischen Sektor wie der Pharmazie unter die Kontrolle ausländischen Kapitals gerät, hat auch Diskussionen über die langfristige Versorgungssicherheit mit Medikamenten entfacht.

HYGIENEPAPIER-GIGANTEN SELPAK UND SOLO AUF DEM WEG NACH MALAYSIA

Die Eczacıbaşı Holding hat sich darauf geeinigt, das Unternehmen Sanipak, das die bekanntesten Marken der Türkei wie Selpak und Solo unter seinem Dach vereint, für 600 Millionen Dollar an die in Malaysia ansässige Arch Peninsula zu verkaufen. Der Verkauf dieser traditionsreichen Marken, die von einer Tochtergesellschaft der RGE Group übernommen wurden – im Besitz des indonesischen Milliardärs Sukanto Tanoto –, zeigt, dass der Marktanteil heimischer Akteure auf dem Konsumgütermarkt schrumpft.

STRATEGISCHE SCHRITTE DER KOÇ-GRUPPE: TÜPRAŞ-VERKAUF UND KOÇTAŞ-SCHLIESSUNGEN

Die Koç Holding, das größte Industrieunternehmen der Türkei, hat im Rahmen der Portfolio-Optimierung ebenfalls wichtige Entscheidungen getroffen:

Tüpraş-Aktienverkauf: Die Holding hat beschlossen, rund 30 Millionen Tüpraş-Aktien mittels eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens an institutionelle Investoren zu verkaufen. Dieser Schritt wird als Liquiditätsstrategie der Gruppe definiert und an den Märkten aufmerksam verfolgt.

Schrumpfung im Einzelhandel: Koçtaş, der Marktführer im Bereich Baumärkte, hat allein in Izmir in den ersten drei Monaten dieses Jahres 5 Filialen geschlossen. Dass die Anzahl der Filialen auf 15 gesunken ist, beweist, dass hohe Kosten und sinkende Kaufkraft selbst Einzelhandelsriesen zum Schrumpfen zwingen.

WIRTSCHAFTSJOURNALIST BORA ERDİN: „NATIONALES KAPITAL ZIEHT SICH AUS STRATEGISCHEN BEREICHEN ZURÜCK“

Der Wirtschaftsjournalist Bora Erdin führt den Verkauf strategischer Vermögenswerte oder die Schrumpfung heimischer Kapitalgruppen auf die steigenden nachhaltigen Produktionskosten zurück. Er warnt insbesondere davor, dass der Verlust an nationalem Kapital in Bereichen wie der Pharmazie, die Hochtechnologie und Unabhängigkeit erfordern, in Zukunft die Abhängigkeit von Importen erhöhen könnte.