Zentralbankchef Fatih Karahan zur Zinspolitik: „Wir beobachten die Lage aufmerksam“

Bei einem Treffen mit Investoren in London signalisierte Zentralbankchef Fatih Karahan ein vorsichtiges Vorgehen in Bezug auf mögliche Zinssenkungen.

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Die türkische Wirtschaftsführung hat ihre Kontakte zu internationalen Investoren diesmal in London intensiviert. Finanzminister Mehmet Şimşek traf im Rahmen des Islamic Finance Summit, der in Zusammenarbeit mit dem Verband der türkischen Beteiligungsbanken und der britischen Exportfinanzierungsbehörde (UK Export Finance) organisiert wurde, zwei Tage lang mit Investoren zusammen.

Im Anschluss an diese Kontakte führte auch der Gouverneur der Zentralbank der Republik Türkei (TCMB), Fatih Karahan, kritische Gespräche hinter verschlossenen Türen mit Investoren.

Zu den wichtigsten Botschaften, die Karahan bei den Treffen in London vermittelte, gehörte sein vorsichtiger Ansatz bei Zinssenkungen. Informationen zufolge betonte Karahan, dass die Einlagentrends der lokalen Sparer ein wichtiger Indikator für politische Entscheidungen seien.

Investoren, die an den nicht-öffentlichen Treffen teilnahmen und anonym bleiben wollten, erklärten, dass die TCMB bei ihren Zinsentscheidungen einen vorsichtigen Kurs verfolge. Den Teilnehmern zufolge vermittelten Karahan und sein Team die Botschaft: „Eine Zinssenkung ist möglich, aber die Marktgleichgewichte und das Sparverhalten in Lira müssen berücksichtigt werden.“

ERWARTUNGEN FÜR DEN 24. JULI: STEHT EINE SENKUNG BEVOR?

Die Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (PPK) der Zentralbank am 24. Juli wird mit Spannung erwartet. Einige Analysten prognostizieren, dass aufgrund der niedriger ausgefallenen Inflationsdaten und des nachlassenden Marktdrucks bei dieser Sitzung eine Zinssenkung beschlossen werden könnte. Die Unsicherheit über das Ausmaß einer möglichen Senkung bleibt jedoch bestehen.

ERHÖHUNG DER QUELLENSTEUER HAT DIE BILANZ VERÄNDERT

Eine der wichtigen Entwicklungen, die die Erwartungen an eine Zinssenkung verkomplizieren, war die Erhöhung der Quellensteuersätze auf Einlagen und Investmentfonds in türkischer Lira (TL) in der vergangenen Woche. Dieser Schritt warf an den Märkten die Frage auf: „Ist das ein Signal für eine Zinssenkung oder ein Versuch, das Sparverhalten zu korrigieren?“

BLOOMBERG: „RISIKO EINER FLUCHT IN FREMDWÄHRUNG“

In einer Analyse von Bloomberg News wurde darauf hingewiesen, dass die Erhöhung der Steuern auf TL-Vermögenswerte durch die Türkei die Entdollarisierungspolitik der Zentralbank erschweren könnte. In dem Bericht hieß es:

„Höhere Steuern auf Lira-Instrumente könnten Sparer dazu veranlassen, sich auf Fremdwährungsanlagen zu konzentrieren. Dies könnte neue Risiken für die Inflation bergen.“

ANALYSTEN ERWARTEN SENKUNG UM 2,5 BIS 3,5 PROZENTPUNKTE

Die Zentralbank, die die Zinsen im Juni bei 46 Prozent beließ, hatte im Entscheidungsprotokoll erstmals ein Signal für eine Zinssenkung gegeben. Die Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass bei der Sitzung am 24. Juli eine Senkung um 2,5 bis 3,5 Prozentpunkte zur Debatte steht.