Das Geheimnis des Vulkantsunamis in der Ägäis nach 400 Jahren gelüftet

Wissenschaftler haben entdeckt, dass die von Augenzeugen beschriebene Naturkatastrophe nur durch einen Erdrutsch erklärt werden kann, der auf einen explosiven Ausbruch folgte.

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Der Ausbruch des Unterwasservulkans Kolumbo in der Ägäis im Jahr 1650 löste einen verheerenden Tsunami aus, wie historische Augenzeugenberichte belegen. Nun hat eine Forschergruppe unter der Leitung von Dr. Jens Karstens vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung den Unterwasserkrater des Kolumbo mit modernen bildgebenden Verfahren untersucht und diese historischen Ereignisse rekonstruiert.

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Die Wissenschaftler entdeckten, dass diese von Augenzeugen beschriebene Naturkatastrophe nur durch einen Erdrutsch erklärt werden kann, der auf einen explosiven Ausbruch folgte. Die Ergebnisse wurden gestern in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Wie Populer Science Türkçe berichtet, war die Eruption über mehrere Wochen hinweg von der griechischen Insel Santorin aus zu sehen. Ende des Sommers 1650 berichteten Menschen, dass sich die Farbe des Wassers veränderte und das Wasser zu kochen begann. Etwa 7 km nordöstlich von Santorin stieg ein Unterwasservulkan aus dem Meer empor und begann, glühende Gesteinsbrocken auszustoßen.

Während dieser Zeit waren Flammen und Blitze zu sehen, und der Himmel verdunkelte sich durch Rauchwolken. Danach zog sich das Wasser plötzlich zurück, um nur wenige Sekunden später auf die Küste zuzuströmen und Wellen zu bilden, die eine Höhe von 20 Metern erreichten. Nach einem gewaltigen Knall, der sogar an den ägäischen Küsten zu hören war, regnete es Bimsstein und Asche auf die umliegenden Inseln. Einige Menschen kamen durch eine austretende giftige Gaswolke ums Leben.

Dr. Jens Karstens, Meeresgeophysiker am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, sagt: „Wir kennen diese Details der historischen Kolumbo-Eruption aus Berichten jener Zeit, die ein französischer Vulkanologe im 19. Jahrhundert zusammengetragen und veröffentlicht hat.“ Doch wie kam es zu diesen verheerenden Ereignissen? Um die Antwort zu finden, reiste Karstens 2019 mit deutschen und griechischen Kollegen in die Ägäis, um den Vulkankrater mit spezieller Technologie zu untersuchen. „Wir haben versucht zu verstehen, wie der Tsunami entstand und warum der Vulkan so heftig ausbrach“, sagt er.

Das Forschungsteam, das mit dem inzwischen außer Dienst gestellten Forschungsschiff POSEIDON in See stach, erstellte mithilfe dreidimensionaler seismischer Methoden ein 3D-Bild des Kraters, der heute 18 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. Der Koautor der Studie, Dr. Gareth Crutchley, sagt: „Auf diese Weise konnten wir in das Innere des Vulkans blicken.“ Die 3D-Bildgebungsmethode zeigte, dass der Krater einen Durchmesser von 2,5 Kilometern und eine Tiefe von 500 Metern aufweist, was auf eine wirklich gewaltige Eruption schließen lässt. Zudem zeigten die erstellten seismischen Profile eine erhebliche Verformung an der Seite des Vulkankegels. „Dieser Teil des Vulkans ist definitiv abgerutscht“, sagt Crutchley.

Anschließend verglichen die Forscher in detektivischer Kleinarbeit verschiedene Mechanismen, die den Tsunami ausgelöst haben könnten, mit den Berichten der historischen Augenzeugen. Sie kamen zu dem Schluss, dass der Tsunami nur durch einen Erdrutsch erklärt werden kann, der auf den Vulkanausbruch folgte. Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden gestern in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Durch die Kombination der 3D-Seismik mit computergestützten Simulationen konnten die Forscher zeigen, wie hoch die Wellen gewesen wären, wenn sie allein durch die Eruption entstanden wären. „Demnach wären an einem bestimmten Ort sechs Meter hohe Wellen zu erwarten gewesen“, sagt Karstens. „Aber aus den Augenzeugenberichten wissen wir, dass sie dort 20 Meter erreichten.“ Zudem wurde berichtet, dass sich das Meer an einer anderen Stelle zunächst zurückzog. In der Computersimulation erreicht jedoch zuerst ein Wellenberg die Küste. Daher kann die Eruption das Tsunami-Ereignis nicht allein erklären. Bezieht man jedoch den Erdrutsch in die Simulationen mit ein, stimmen die Daten mit den historischen Beobachtungen überein.