In welcher Sprache denken gehörlose Menschen?

Um die Frage zu beantworten, in welcher Sprache gehörlose Menschen denken, werden der Zeitpunkt des Spracherwerbs, die Art des Hörverlusts und die Entwicklung des Gehirns in kritischen Phasen berücksichtigt. Untersuchungen zeigen, dass die Denksprache nicht auf eine einzige Form reduziert werden kann.

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Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Denkprozesse von Menschen, die von Geburt an gehörlos sind und in jungen Jahren weder Zugang zur Gebärdensprache noch zur Lautsprache hatten, nicht auf sprachlichen Strukturen basieren.

Es wird darauf hingewiesen, dass die mentalen Repräsentationen dieser Personen auf Objektbildern, Darstellungen körperlicher Bewegungen, emotionalen Zuständen und konzeptionellen Assoziationen beruhen, die nicht an Geräusche gebunden sind.

Wird die kritische Phase zwischen dem 0. und 6. Lebensjahr, in der der Spracherwerb stattfindet, verpasst, entwickeln sich die Sprachzentren des Gehirns nicht vollständig, und das Denken verläuft eher in Form von visuell-räumlichen Abläufen.

BEI FRÜHEM ERWERB DER GEBÄRDENSPRACHE BASIERT DER INTERNE DENKPROZESS AUF DER GEBÄRDENSPRACHE

Erkenntnisse stützen die Annahme, dass bei Personen, die in jungen Jahren mit der Türkischen Gebärdensprache (TİD), der Amerikanischen Gebärdensprache (ASL) oder einer anderen Gebärdensprache aufwachsen, der Denkprozess in der erlernten Gebärdensprache abläuft.

Es wird festgehalten, dass die Gebärdensprache vom Gehirn als vollwertige Sprache verarbeitet wird und Grammatik, Syntax sowie Wortschatz die Struktur des inneren Monologs bilden.

Daher wird betont, dass der bei hörenden Menschen beobachtete Prozess des „inneren Sprechens“ bei gehörlosen Menschen in Form von „mentaler Gebärdensprache“ stattfindet.

BEI PERSONEN MIT SPÄTEREM HÖRVERLUST BLEIBT DIE LAUTSPRACHE IM GEIST PRÄSENT

Wissenschaftliche Quellen berichten, dass bei Personen, die erst später im Leben einen Hörverlust erleiden, der Denkprozess an die zuvor erlernte Lautsprache gebunden bleibt.

Es wird darauf hingewiesen, dass die mentale Sprache – sei es Türkisch, Kurdisch, Englisch oder die jeweilige Muttersprache – auch nach dem Hörverlust als inneres Sprechen fortbesteht und dieser Umstand zu keinem Bruch in der Denkstruktur führt.

BEI ZWEISPRACHIGKEIT ENTSTEHT EINE HYBRIDE KOGNITIVE STRUKTUR

Es wird dargelegt, dass Personen, die sowohl die Gebärdensprache als auch die Lautsprache erworben haben, kognitiv als zweisprachig gelten.

Bei diesen Personen zeigt sich, dass die Denksprache eine flexiblere Struktur aufweist, die aus der Gebärdensprache, der Lautsprache oder einer Mischung aus beiden bestehen kann.

Dies ähnelt den mentalen Sprachwechseln, die bei Personen beobachtet werden, die zwei Lautsprachen fließend beherrschen.

DIE DENKSPRACHE HÄNGT EHER VOM ZEITPUNKT DES SPRACHERWERBS ALS VOM HÖRVERLUST AB

Es wird betont, dass es auf die Frage, in welcher Sprache gehörlose Menschen denken, keine pauschale Antwort gibt und dass die Grundlage des Denkens je nach Spracherwerbsprozess variiert.