Könnte vor den Menschen eine hochentwickelte Zivilisation auf der Erde gelebt haben? Was besagt die Silur-Hypothese?

Die Arbeit von Adam Frank und Gavin Schmidt erörtert, ob Spuren einer möglichen Zivilisation von vor Millionen von Jahren in den geologischen Aufzeichnungen gesucht werden können.

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Könnte vor Millionen von Jahren eine technologisch hochentwickelte Zivilisation auf der Erde entstanden und wieder verschwunden sein? Die „Silur-Hypothese“, die von dem Astrophysiker Adam Frank und dem NASA-Wissenschaftler Gavin Schmidt aufgeworfen wurde, versucht nicht, diese Frage endgültig zu beantworten, sondern diskutiert vielmehr, wie eine solche Möglichkeit wissenschaftlich überprüft werden könnte.

Die Idee von Frank und Schmidt nahm während eines Gesprächs im Jahr 2017 Gestalt an. Die Diskussion, die mit Franks Frage „Erleben auch Außerirdische einen Klimawandel?“ begann, entwickelte sich in eine andere Richtung, als Schmidt fragte, ob man heute bemerken würde, wenn vor den Menschen eine hochentwickelte Zivilisation auf der Erde gelebt hätte. Die beiden Wissenschaftler übertrugen dieses Gedankenexperiment später in einen 2018 veröffentlichten Artikel.

Der Name der Hypothese ist von einer hochentwickelten Reptilienrasse aus der Serie „Doctor Who“ inspiriert. Die Studie konzentriert sich jedoch nicht darauf, eine Behauptung aus der Popkultur zu beweisen, sondern darauf, anhand von Geologie, Klimawissenschaft und Fossilienaufzeichnungen zu verstehen, ob technologische Aktivitäten in der fernen Vergangenheit Spuren hinterlassen würden.

WAS KÖNNEN GEOLOGISCHE AUFZEICHNUNGEN VERRATEN?

Die grundlegende Frage, die die Forscher behandeln, lautet: Wenn eine Zivilisation in der Vergangenheit große Mengen an Energie verbraucht, die Chemie des Planeten verändert und dann aufgehört hätte zu existieren, was wäre nach Millionen von Jahren noch übrig? Das Auffinden direkter physischer Überreste wie Gebäude, Straßen oder Städte ist in diesem Maßstab äußerst schwierig. Tektonische Bewegungen, Erosion und vulkanische Prozesse zerstören einen Großteil der Strukturen an der Oberfläche im Laufe der Zeit.

Fossilienaufzeichnungen weisen eine ähnliche Einschränkung auf. Nur ein sehr kleiner Teil der Lebewesen, die auf der Erde existiert haben, versteinert; noch weniger davon können von Wissenschaftlern gefunden werden. Daher wird es theoretisch als möglich angesehen, dass direkte biologische Spuren einer kurzlebigen, hypothetischen Zivilisation übersehen werden könnten.

Frank und Schmidt konzentrieren sich daher eher auf chemische Spuren. Es wird bewertet, dass Elemente wie großflächige Kohlenstoffemissionen, Schwermetalle, Kunststoffe, landwirtschaftliche Chemikalien und schwer abbaubare Stoffe Anzeichen hinterlassen könnten, die lange Zeit in Sedimentschichten verbleiben. Die Forscher weisen darauf hin, dass auch die menschliche Zivilisation nach Millionen von Jahren an einem solchen „Technofossil“-Fußabdruck erkannt werden könnte.

Eines der in der Studie hervorgehobenen Beispiele ist das Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum. Es ist bekannt, dass in dieser Zeit vor etwa 55 Millionen Jahren die globalen Temperaturen um etwa 8 Grad anstiegen, große Mengen an Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt wurden und die Ökosysteme unter starkem Druck standen. Die Ursache für dieses Ereignis ist nicht eindeutig geklärt; massive vulkanische Aktivitäten oder plötzliche Methanfreisetzungen zählen zu den möglichen Erklärungen.

Dennoch sagen Frank und Schmidt nicht, dass sie persönlich an diese Hypothese glauben. Der Ansatz der beiden Wissenschaftler besteht nicht darin zu sagen: „So etwas ist passiert“, sondern die Frage „Wie würden wir es merken, wenn es passiert wäre?“ innerhalb wissenschaftlicher Grenzen zu diskutieren.

Auch Jan Zalasiewicz, Geologe und Paläontologe an der Universität Leicester, bewertet die Idee als ein zum Nachdenken anregendes Experiment. Laut Zalasiewicz ist es zwar schwer, die Existenz intelligenter, aber nicht technologischer Lebewesen in der Vergangenheit vollständig auszuschließen, doch von einer Zivilisation, die Städte baut, Metalle verarbeitet, Kunststoffe herstellt und große Mengen an Abfall hinterlässt, wäre zu erwarten, dass sie deutliche Spuren in den geologischen Aufzeichnungen hinterlässt.