Die wirtschaftliche Dimension des Wettbewerbs zwischen den USA und China
Wirtschaftsnachrichten sind wichtig, um den Kurs der Politik und der Außenpolitik zu verstehen. Erste Hinweise auf aufstrebende und absteigende Mächte, neue Allianzen und Risse innerhalb dieser Bündnisse stammen oft aus den Wirtschaftsseiten. Ein Bericht in der Zeitung Sözcü vom 18. Oktober 2026 mit dem Titel „Als die USA diesen Schachzug Chinas bemerkten, war es bereits zu spät: Es hat die Welt mit Banken umzingelt“ enthielt wichtige Informationen, die die sich wandelnde Machtbalance der letzten Jahre verdeutlichen. Dem Bericht zufolge belegten chinesische Banken die ersten vier Plätze auf der Liste der größten Banken der Welt. Die größte Bank der USA schaffte es lediglich auf den fünften Platz. Das Gesamtvermögen der vier führenden chinesischen Banken überstieg 26 Billionen Dollar.
Dieser Erfolg Chinas im Bankensektor offenbart, wenn man ihn zusammen mit der Anzahl chinesischer Unternehmen unter den Top 100 und Top 500, der Anzahl chinesischer Universitäten in diesen Rankings, der Anzahl der Patente, der Zahl der chinesischen Milliardäre, dem Tempo der Herausbildung einer Mittelschicht sowie der Produktions-, Investitions-, Export- und Handelskapazität betrachtet, eine sehr einfache Wahrheit: den großen wirtschaftlichen Erfolg, den das Land mit dem Modell des „Sozialismus chinesischer Prägung“ erzielt hat. Es ist nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Bei Berechnungen auf Basis der Kaufkraftparität hat es die USA bereits überholt.
Erinnern wir uns: 1990 produzierten die USA noch 5,4-mal mehr als China. Heute hat China die USA in der Produktion überholt. Einigen Experten zufolge wird China Mitte der 2040er Jahre die USA überholen und zur größten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Heute ist China der größte Handelspartner von rund 150 Ländern und erzielt in seinem Handel mit 106 Ländern einen Überschuss. Mit einem Außenhandelsvolumen von 52,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025 wurde es auch zum größten Außenhandelspartner der Türkei.
Dieser wirtschaftliche Erfolg Chinas wird weltweit kurz als das „chinesische Wunder“ bezeichnet. Gegen diese Schritte, Vorstöße und Angriffe Chinas in Wirtschaft und Außenpolitik haben die USA kaum etwas entgegenzusetzen. Während des Kalten Krieges befürwortete Henry Kissinger, der berühmte Politikwissenschaftler, außenpolitische Experte, nationale Sicherheitsberater und spätere Außenminister der USA, eine Annäherung seines Landes an China, um die UdSSR zu schwächen. In seiner Zeit als nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten initiierte er 1971 mit der sogenannten „Ping-Pong-Diplomatie“ die ersten Schritte. Auf diese Weise begann der Prozess der Normalisierung der bilateralen Beziehungen und der Entspannung.
Später gab es in den USA Stimmen, die meinten, es wäre vorteilhaft für die USA, wenn man die von Kissinger praktizierte Diplomatie umkehren würde, um Chinas Aufstieg zu verhindern – also diesmal die Unterstützung Russlands gegen China zu suchen. Doch da weder die Welt, noch die USA, noch China dieselben wie früher sind, hatte dieser Gedanke keine Aussicht auf Erfolg. Dass dies so ist, hat sich gezeigt. Und zwar in vielen Regionen, Ländern und an vielen Fronten. Man sah es in Syrien. Man sah es in der Ukraine. Man sah es im Iran. Die Aggressivität der USA hat die ohnehin guten Beziehungen zwischen Russland und China weiter gefestigt. Die USA begannen, mehr Probleme mit ihren europäischen Verbündeten zu bekommen. Aufgrund ihres rücksichtslosen Vorgehens in Venezuela und insbesondere ihrer uneingeschränkten Unterstützung für die Aggression Israels ist die ohnehin hohe Anti-USA-Stimmung weltweit weiter gestiegen.
WICHTIGE ELEMENTE DER US-HEGEMONIE
Wir wissen, dass die US-Hegemonie auf drei Grundpfeilern ruht. Der erste ist die Wirtschaft, die Industrie, die Technologie und der US-Dollar. Der zweite ist die militärische Stärke der USA, ihre rund 800 großen und kleinen Stützpunkte weltweit, insbesondere ihre Luftwaffe und Marine. Der dritte Pfeiler ist die Kulturindustrie der USA, die Verbreitung der englischen Sprache, die US-Kultur, Musik, das Kino, der Lebensstil, die akademische Welt, die Denkfabriken – kurz gesagt: die Elemente der „Soft Power“ und der öffentlichen Diplomatie. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die USA eine sehr einflussreiche, imperialistische Macht sind, die ihre Marine und den Dollar als „Hard Power“-Elemente sowie ihre Sprache und Kultur als „Soft Power“-Elemente einsetzt.
Wir wissen auch, dass der Rückgang der wirtschaftlichen Macht der USA zwangsläufig auch ihre politische und „Soft Power“ schwächt. Dies führt natürlich dazu, dass die USA in Panik geraten, nervös und besorgt werden. Die Panik der USA hat nicht nur politische, militärische oder diplomatische Gründe. Vor allem gibt es wirtschaftliche Gründe. Mit ihren Vorstößen gegen China über Handelskriege und Zölle haben die USA nicht das erreicht, was sie sich erhofft hatten. China hat keinen Rückzieher gemacht. Es hat reagiert. Die Handelskriege trafen letztlich auch die USA selbst und ihre europäischen Verbündeten. Diese Maßnahmen der USA brachten weder bei der Inflation noch bei Beschäftigung, Export oder Handel die erwarteten Ergebnisse.
Kurz gesagt: So wie der wirtschaftliche Rückgang den Handlungsspielraum der USA in der Außenpolitik schwächt, so spiegelt sich die wirtschaftliche und technologische Entwicklung Chinas in seiner Außenpolitik, seiner internationalen Sichtbarkeit und seinem Ansehen wider.