Antwort auf Vorwürfe von Filiz Deniz, die Öcalan-Protokolle veröffentlichte: Journalisten sind keine Beauftragten für Verhandlungen
Filiz Deniz, Chefredakteurin von Rastî Haber, wies die Vorwürfe der „Sabotage“ zurück, die ihr aufgrund der Veröffentlichung der Öcalan-Protokolle entgegengebracht wurden.
Die Debatte, die durch die Veröffentlichung von Gesprächsprotokollen ausgelöst wurde, die dem auf Imralı inhaftierten Anführer der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, zugeschrieben werden, hält an. Filiz Deniz, Chefredakteurin von Rastî Haber, die im Februar Notizen eines angeblichen Treffens zwischen Öcalan und der PKK-Führung in Kandil veröffentlichte, reagierte auf die gegen sie erhobenen Vorwürfe.
In den von Rastî Haber veröffentlichten Protokollen wurde behauptet, dass Öcalan über allgemeine politische Einschätzungen hinausging und einige Namen innerhalb der PKK offen kritisierte. Nach der Veröffentlichung dementierten die DEM-Partei, der Terroristenführer Öcalan und die Terrororganisation PKK die Protokolle jeweils separat. Über die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı wurde zudem ein Dementi verbreitet, das als staatlich motiviert bezeichnet wurde.
Deniz erklärte in ihrem veröffentlichten Text, dass sie nach Erhalt der Protokolle tagelang an den Dokumenten gearbeitet hätten und zu dem Schluss gekommen seien, dass es sich um ein „Dokument mit sehr hohem Nachrichtenwert“ handele. Deniz betonte, dass die Debatte nach der Veröffentlichung zu einem Thema von öffentlichem Interesse geworden sei, und unterstrich, dass der Leser in ihrem journalistischen Verständnis nicht als passive Person betrachtet werden dürfe, die geschützt werden müsse.
Denn in meinem journalistischen Verständnis ist der Leser kein Kind, für das andere entscheiden, welche Informationen es verkraften kann und welche nicht.
Deniz erinnerte daran, dass ihnen aufgrund der veröffentlichten Dokumente vorgeworfen wurde, „den Prozess zu sabotieren“, und argumentierte, dass es auf einen gefährlichen Punkt hindeute, wenn nicht journalistische Kriterien, sondern die Bedürfnisse politischer Prozesse darüber entscheiden, ob ein Dokument veröffentlicht wird oder nicht.
Ein Journalist ist kein Beauftragter für Verhandlungen. Auch nicht für den Staat. Und auch nicht für eine Partei oder eine Organisation. Die Verantwortung des Journalisten liegt in erster Linie bei der Öffentlichkeit.
DEBATTE ÜBER UNABHÄNGIGKEIT
Deniz erklärte, dass sie nach der Veröffentlichung in den sozialen Medien zur Zielscheibe geworden seien, die Nachricht nach einer Weile in den Hintergrund gedrängt und der Journalist selbst zum Ziel gemacht worden sei. Laut Deniz hat die Debatte auch die Grenzen des unabhängigen Journalismus in der kurdischen Presse wieder auf die Tagesordnung gesetzt.
Deniz wies darauf hin, dass der staatliche Druck seit Jahren bekannt sei; die Inhaftierung von Journalisten, Verhaftungen, die Schließung von Zeitungen und die Sperrung von Internetseiten seien Teil dieses Bildes. Deniz merkte jedoch an, dass es nicht ausreiche, das Problem der freien Presse allein mit staatlichem Druck zu erklären, und sagte, dass auch der Einfluss politischer Bewegungen, Parteien und Organisationen auf die Presse diskutiert werden müsse.
Die Chefredakteurin von Rastî Haber erklärte, dass sie die gleichen Notizen wieder veröffentlichen würde, wenn sie ihr heute erneut in die Hände fielen. Deniz betonte, dass es bei der Angelegenheit nicht mehr nur um die fraglichen Protokolle gehe, sondern das eigentliche Problem darin bestehe, „wer entscheidet, was die kurdische Öffentlichkeit wissen darf und was nicht“.
Deniz argumentierte, dass der Journalismus Grenzen habe, wie etwa Menschenleben, Sicherheit, Privatsphäre, Verifizierung und Quellenschutz; „politischer Komfort“ gehöre jedoch nicht dazu. Sie erklärte, dass eine Nachricht nicht unter dem Vorwand zurückgehalten werden könne, dass ein politischer Prozess belastet oder eine Organisation verärgert werden könnte.
Nachrichtenquelle: 12punto
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