Behauptung des Guardian: Israelische Regierung nutzte Tarn-Denkfabrik, um KI-Chatbots zu beeinflussen
Laut einer Untersuchung des Guardian war die Website namens Hanover Institute Teil eines Netzwerks, das israelische Thesen in Form von akademischen Berichten in KI-Systeme einspeiste.
Eine vom Guardian veröffentlichte Untersuchung hat aufgedeckt, dass die israelische Regierung eine Tarn-Denkfabrik für eine umfassende Einflusskampagne nutzte, die darauf abzielte, die Antworten von KI-Chatbots zu beeinflussen. Dem Bericht zufolge veröffentlichte die unter dem Namen „Hanover Institute for Public Policy“ eingerichtete Website Inhalte, die Kritik an Israels Gaza- und Palästinapolitik unter dem Deckmantel akademischer Berichte beantworteten.
In der Untersuchung wurde festgestellt, dass die besagte Struktur zwar wie eine echte Institution präsentiert wurde, jedoch in keinem Land über eine juristische Person, eine offizielle Adresse oder einen bekannten Mitarbeiterstab verfügte. Auch Identitätsinformationen zu den Autoren der auf der Website veröffentlichten Berichte fehlten.
Unterlagen des US-Justizministeriums zeigen, dass das in New York ansässige Medienproduktionsunternehmen Piro Inc. die Website des Hanover Institute als Teil der im Auftrag der israelischen Regierung durchgeführten Aktivitäten gemeldet hat. Diese Meldung erfolgte im Rahmen des Foreign Agents Registration Act (FARA) von 1938.
ÜBER 560.000 WÖRTER IN NEUN TAGEN
Der Analyse des Guardian zufolge veröffentlichte die Website zwischen dem 6. und 14. August 124 Berichte mit durchschnittlich 4.500 Wörtern. Während die Gesamtproduktion in diesem Neun-Tage-Zeitraum 560.000 Wörter überstieg, wurden am 12. und 13. August allein 73 Berichte mit etwa 354.000 Wörtern in das System hochgeladen.
Ein Großteil der Überschriften wurde so formuliert, dass sie den Suchanfragen ähnelten, die Nutzer an KI-Bots stellen könnten. Zu diesen gehörten Fragen wie „Ist Antizionismus Antisemitismus?“, „Hat Israel die Palästinenser von ihrem Land vertrieben?“ und „Begeht Israel in Gaza einen Völkermord?“.
Es wurde berichtet, dass in den Texten intensiv auf Institutionen und Dokumente wie die Weltbank, UN-Einrichtungen, Amnesty International, das Palästinensische Zentrale Statistikbüro und die Völkermordkonvention verwiesen wurde. Diese Methode sollte den Inhalten den Anschein akademischer Glaubwürdigkeit verleihen.
Nick Cleveland-Stout, Forscher am Quincy Institute, erklärte, dass die Website von außen den Eindruck einer professionellen akademischen Einrichtung erwecke: „Das Design, die Logos und andere Elemente sehen gut aus. Aber je mehr man die Texte liest, desto mehr erkennt man, dass ein erheblicher Teil der Inhalte keinen Sinn ergibt.“
ZIEL WAREN KI-QUELLEN
Der Untersuchung zufolge enthielt der Quellcode des Hanover Institute eine „llms.txt“-Datei, die KI-Crawlern eine Inhaltsübersicht lieferte. Es wurde darauf hingewiesen, dass diese Struktur mit der Plattform Res verbunden ist, die darauf abzielt, die Zitierung von Websites durch Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Claude und Gemini zu erleichtern.
Der Gründer von Res, Hai Tran, wird in den Unterlagen des US-Justizministeriums zu Piro als „digitaler Stratege“ und Subunternehmer geführt. Laut Cleveland-Stout besteht das eigentliche Ziel der Operation nicht nur darin, in den unmittelbaren Antworten von Chatbots zitiert zu werden, sondern sicherzustellen, dass diese Narrative in Zukunft in die Trainingsdaten von KI-Modellen einfließen.
Den FARA-Unterlagen zufolge erhielt Piro im Rahmen der Aktivitäten für die israelische Regierung zwei separate Arbeitsaufträge im Wert von insgesamt 1 Million Dollar. Piro und Clock Tower X, die zum selben Netzwerk gehören, arbeiteten demnach als Subunternehmer für die in Frankfurt ansässige Havas Media Germany.
In offiziellen US-Unterlagen ist zu sehen, dass Havas Media im Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026 rund 24,9 Millionen Dollar an die Unternehmen Clock Tower X und Targeted Communications Global überwies. In einem Vertrag zwischen Havas und einem amerikanischen Unternehmen wurde der Ausdruck „Einsatz von Websites und Inhalten zur Erzeugung von Framing-Ergebnissen in GPT-Konversationen“ festgehalten.
Dem Bericht zufolge vergab LaPam, die offizielle Werbeagentur der israelischen Regierung, hochbudgetierte Projekte ohne Ausschreibung an Havas-Tochtergesellschaften; im März 2023 wurde ein Vertrag über 58,3 Millionen Dollar für ausländische Medienaktivitäten unterzeichnet. Der Guardian teilte mit, er habe Piro, Havas Media und LaPam mit den Vorwürfen konfrontiert, bis zum Redaktionsschluss jedoch keine Antwort erhalten zu haben.
Das israelische Außenministerium hingegen behauptete, dass in den USA keine Einflussoperationen durchgeführt würden. Daniel Rosenberg, Mitbegründer von Piro, behauptete, das Unternehmen sei damit beauftragt worden, Desinformation über Israel mit verifizierbaren Daten zu bekämpfen.
Die Wirkung der Kampagnen wurde auch innerhalb Israels diskutiert. Ein israelischer Beamter sagte gegenüber Ynet: „Die Regierung hat viel Geld bezahlt, aber die Situation hat sich nur verschlechtert.“ Dennoch wurde darauf hingewiesen, dass der israelische Außenminister Gideon Sa’ar ein Budget von 181,6 Millionen Dollar für internationale öffentliche Diplomatie bereitgestellt und für 2026 und 2027 weitere 666,3 Millionen Dollar an zusätzlichen Mitteln zugewiesen habe.
Nachrichtenquelle: 12punto
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