Flucht aus Myanmar: Neues Gesetz sorgt für Unruhe im Land
Die Militärjunta, die vor drei Jahren in Myanmar die Macht übernahm, hat ein weitreichendes Wehrpflichtgesetz erlassen, um dem anhaltenden bewaffneten Widerstand im Land zu begegnen. Junge Menschen aus Myanmar, die nicht an die Front geschickt werden wollen, versuchen nun, das Land zu verlassen.
12PUNTO AUSLANDSREDAKTION
Nach dem Putsch in Myanmar vor drei Jahren wechselte die Führung, und es begannen landesweite Aufstände. Nachdem sich der Aufstand in weniger als einem Jahr zu einem bewaffneten Widerstand entwickelt hatte, fand sich das Land in einem Bürgerkrieg wieder. Obwohl die Führung in Myanmar die Situation nicht als Bürgerkrieg bezeichnet, führt die Armee des Landes einen Krieg an den „Frontlinien“ gegen den bewaffneten Widerstand.
Der anhaltende bewaffnete Widerstand gegen das Junta-Regime erschwert die Lage der Regierung im Land zunehmend. Die Führung, die vor allem in ländlichen Gebieten Schwierigkeiten hat, die Kontrolle zu behalten, kann an den Frontlinien keine Fortschritte erzielen.
MINDESTENS ZWEI JAHRE WEHRPFLICHT FÜR FRAUEN UND MÄNNER
Nachdem militärische Operationen keinen Erfolg brachten und sich der bewaffnete Widerstand ausweitete, beschloss die Junta-Regierung Myanmars, das Wehrpflichtgesetz zu ändern. Dem neuen Gesetz zufolge müssen alle Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren und alle Frauen im Alter von 18 bis 27 Jahren bis zu zwei Jahre lang in der Armee dienen. Zudem wurde gesetzlich festgelegt, dass Personen in Berufen wie Ärzten bis zu drei Jahre in der Armee bleiben müssen. Darüber hinaus sieht das neue Gesetz für diejenigen, die sich der Wehrpflicht entziehen, Freiheitsstrafen von drei bis fünf Jahren sowie Geldstrafen vor.
Das Gesetz existiert zwar bereits seit 2010, wird aber nun mit der neuen Entscheidung der Regierung in die Praxis umgesetzt.
JUNGE MENSCHEN FLIEHEN
Seit das Gesetzesänderungsvorhaben in Myanmar bekannt wurde, suchen junge Menschen nach Wegen, in andere Länder zu fliehen, allen voran in das Nachbarland Thailand. Wie CNN berichtet, befürchten Experten für die Region, dass die Situation in Myanmar eine massive Fluchtbewegung in Südostasien auslösen könnte. Der anhaltende Krieg in Myanmar hat bisher bereits Hunderttausende Menschen zu Flüchtlingen gemacht.
Junge Menschen im wehrpflichtigen Alter bildeten lange Schlangen vor den Konsulaten in der größten Stadt des Landes, Rangun, um Visa für andere Länder zu erhalten. Insbesondere das Konsulat des Nachbarlandes Thailand ist in den letzten Tagen überlastet, aber auch für europäische Länder und die USA haben zahlreiche Myanmare Anträge gestellt.
FAHNENFLUCHT, VERLUSTE UND MEUTEREIEN HABEN DIE ARMEE ERSCHÖPFT
Experten zufolge ist das Wehrpflichtgesetz ein verzweifelter Versuch des Junta-Regimes. Berichten von Medienorganisationen, die Myanmar beobachten, zufolge steht die myanmarische Armee aufgrund militärischer Verluste an der Front, zahlreicher Fahnenfluchten und Meutereien innerhalb der Armee kurz vor der Erschöpfung. Es bleibt fraglich, ob die Armee, die versucht, ihre Wunden mit dem Wehrpflichtgesetz zu heilen, die Mobilisierung erfolgreich umsetzen kann.
Nachrichtenquelle: 12punto
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