Merz und seine Nettozahler-Verbündeten kritisieren den 2-Billionen-Euro-Haushaltsplan der EU
Bundeskanzler Merz forderte gemeinsam mit den Regierungschefs fünf weiterer EU-Staaten massive Kürzungen am Haushaltsvorschlag der Kommission für den Zeitraum 2028-2034.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat gemeinsam mit anderen Nettozahler-Ländern eine ablehnende Haltung gegenüber dem Haushaltsvorschlag der Europäischen Kommission für den Zeitraum 2028-2034 in Höhe von rund 2 Billionen Euro eingenommen. An dem Treffen in Berlin nahmen die Regierungschefs aus Österreich, Dänemark und Finnland teil, während die Führungskräfte aus den Niederlanden und Schweden per Videokonferenz zugeschaltet waren.
Merz erklärte in seiner Stellungnahme im Bundeskanzleramt, dass die von Brüssel vorgesehene Budgeterhöhung nicht mit den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vereinbar sei. Der deutsche Bundeskanzler betonte, dass diese Kritik nicht als „Geiz“ missverstanden werden dürfe, und fügte hinzu: „Wir sind nicht geizig.“
Die sechs in Berlin zusammengekommenen Länder gehören zu den größten Nettozahlern in den EU-Haushalt. Merz erklärte, dass diese Gruppe fast 40 Prozent des Gesamthaushalts der 27-köpfigen Union finanziere und zudem etwa 70 Prozent der bilateralen Hilfen für die Ukraine trage.

FORDERUNG NACH HAUSHALTSKÜRZUNGEN
Der aktuelle siebenjährige Finanzrahmen der Europäischen Union für den Zeitraum 2021-2027 beläuft sich auf etwa 1,2 Billionen Euro. Die Europäische Kommission schlägt für den Zeitraum 2028-2034 einen Rahmen von rund 2 Billionen Euro vor, was unter Berücksichtigung der Inflation einer realen Steigerung von 60 Prozent entspricht.
Merz argumentierte, dass dieser Vorschlag in einer Zeit, in der alle Mitgliedstaaten nach Einsparungen in ihren öffentlichen Haushalten suchten, „nicht finanzierbar“ sei. Der Kanzler äußerte: „Wir in dieser Gruppe sind uns einig: Die Vorschläge müssen um Hunderte Milliarden Euro gekürzt werden. Diese Kürzungen müssen ausnahmslos alle Bereiche umfassen.“
Merz forderte zudem nicht nur eine Verkleinerung des Haushalts, sondern auch eine strukturelle Erneuerung. „Wir können die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mit einem Haushalt des 20. Jahrhunderts bewältigen“, sagte Merz und betonte, dass Ressourcen in Bereiche wie die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Verteidigungsfähigkeit gelenkt werden müssten.

Auch der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker forderte mehr Einsparungen und Reformen. Während Stocker betonte: „Niemand kann uns vorwerfen, nicht bereit zu sein, unseren Beitrag zu leisten“, setzte er ein distanziertes Zeichen gegenüber Merz’ Forderung nach Kürzungen in allen Bereichen, indem er darauf hinwies, dass die Agrar- und Regionalentwicklungsfonds für Österreich „niemals vergessen“ werden dürften.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte, der EU-Haushalt könne zwar größer sein als heute, aber der vorliegende Vorschlag sei „definitiv zu hoch“ angesetzt. In einer gemeinsamen Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass im aktuellen Haushaltszeitraum rund 300 Milliarden Euro an Mitteln von den Mitgliedstaaten nicht abgerufen und somit nicht genutzt wurden.
Demgegenüber steht ein breiter Block innerhalb der Union, der einen größeren Haushalt unterstützt. Einige Nettoempfänger-Länder, darunter die baltischen Staaten, Polen, Ungarn, Italien und Portugal, fordern insbesondere, dass bei den Agrar- und Regionalentwicklungsfonds keine Kürzungen vorgenommen werden.
ANDERE BOTSCHAFT VON VON DER LEYEN
Zeitgleich zum Treffen in Berlin verteidigte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, in Paris die Notwendigkeit einer Budgeterhöhung. „Der kommende Haushalt wird das finanzielle Rückgrat unserer Unabhängigkeit sein“, sagte von der Leyen und verwies auf die geopolitische Position Europas gegenüber China, Russland und den USA.
Die Kommissionspräsidentin erklärte, dass Europa bei der Festlegung neuer Ziele auch die notwendigen Ressourcen zur Finanzierung bereitstellen müsse. Dieser Ansatz deutet darauf hin, dass die Verhandlungen, die im Herbst beginnen, aufgrund der Kürzungswünsche von Merz und seinen Verbündeten hart werden dürften.

Auch das Thema Verteidigung rückte bei den Gesprächen in den Vordergrund. Der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo erinnerte daran, dass sein Land eine 1340 Kilometer lange Landgrenze zu Russland habe, und betonte, dass der neue Haushalt die Sicherheits-, Infrastruktur- und Wirtschaftsbedürfnisse an der Ostgrenze berücksichtigen müsse.
Die erste kritische Phase im Verhandlungsprozess wird der Kompromissvorschlag sein, den Irland als amtierende EU-Ratspräsidentschaft Anfang Oktober vorlegen soll. Die Mitgliedstaaten haben bis Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2027 Zeit, um eine Einigung zu erzielen. Andernfalls wird befürchtet, dass der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich die Verhandlungen über Monate hinweg blockieren könnte.
Nachrichtenquelle: 12punto
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