Warnung von Morgan Stanley zur US-Staatsverschuldung: Das eigentliche Risiko ist die Umschichtung der Anleger in Anleihen
Während die US-Bundesschulden die Marke von 40 Billionen Dollar überschreiten, weist Morgan Stanley darauf hin, dass der eigentliche Wendepunkt für die Märkte durch eine verstärkte Hinwendung zu Anleihen eintreten könnte.
Das Überschreiten der Marke von 40 Billionen Dollar bei den US-Bundesschulden hat die Debatten über die finanzielle Lage des Landes erneut angeheizt. Nach Einschätzung von Morgan Stanley gibt es jedoch derzeit keine Anzeichen für weitverbreiteten Stress an den Märkten. Das Institut weist darauf hin, dass der entscheidende Punkt, den es zu beobachten gilt, weniger die nominale Höhe der Schulden ist, sondern die mögliche Veränderung im Anlegerverhalten.
Andrew Sheets, Leiter der globalen Rentenforschung bei Morgan Stanley, erklärte, dass die USA in ihrer rund 240-jährigen Geschichte etwa 20 Billionen Dollar an Bundesschulden angehäuft hätten, während in den letzten 10 Jahren weitere 20 Billionen Dollar zum Schuldenbestand hinzugekommen seien.
Dennoch wird betont, dass die Bilanzen des Privatsektors im Vergleich zu früheren Krisenzeiten widerstandsfähiger sind. Dass der rasante Anstieg der Staatsverschuldung nicht von einer gleich großen Verschuldungswelle bei Unternehmen und privaten Haushalten begleitet wird, gilt als einer der Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber dem Hochzinsumfeld stärken.
Das Verhältnis der Verschuldung privater Haushalte zum Bruttoinlandsprodukt in den USA ist von etwa 70 Prozent im Jahr 2000 und 74 Prozent im Jahr 2019 auf heute rund 67 Prozent gesunken. Zudem begrenzt die Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Verbraucher in der Niedrigzinsphase auf langfristige Hypotheken mit festen Zinssätzen gesetzt hat, die Auswirkungen der aktuellen hohen Zinsen auf die Haushaltsbudgets.
DIE KRITISCHE SCHWELLE, DIE DIE MÄRKTE BEOBACHTEN
In der Analyse von Morgan Stanley wird darauf hingewiesen, dass das Risiko für die Märkte nicht allein auf das hohe Zinsniveau beschränkt ist. Dem Institut zufolge könnte das kritische Szenario eintreten, wenn Anleger beginnen, Anleihen gegenüber Aktien als attraktiver zu betrachten.
30-jährige US-Staatsanleihen bieten eine reale Rendite, die etwa 300 Basispunkte über der erwarteten Inflation liegt. Bei langfristigen Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating liegt die Rendite bei etwa 6,2 Prozent. Dennoch haben die hohen Anleiherenditen bisher noch keine großflächige Umschichtung von Aktien in festverzinsliche Wertpapiere ausgelöst.
Dass der S&P 500 trotz des steigenden Zinsumfelds ein starkes Bild abgibt, wird auf den Anstieg der Unternehmensgewinne zurückgeführt. Die starke Profitabilität gleicht den Druck der Zinsen auf die Aktienbewertungen teilweise aus und trägt dazu bei, dass Aktien für Anleger attraktiv bleiben.
Es wird jedoch eingeschätzt, dass sich die Verhältnisse ändern könnten, falls es zu einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums der Unternehmensgewinne kommt. In einem solchen Fall könnte die Attraktivität von Anleiherenditen stärker in den Vordergrund rücken und die Umschichtung von Anlegern aus risikoreichen Vermögenswerten in festverzinsliche Wertpapiere an Fahrt gewinnen.
Daher ist laut Morgan Stanley der entscheidende Punkt für die Märkte nicht nur der wachsende Schuldenbestand der USA, sondern die Bedingungen, unter denen diese Schulden finanziert werden, der Verlauf der Anleiherenditen und die mögliche Veränderung der Risikobereitschaft der Anleger.
Nachrichtenquelle: 12punto
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